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"Roisdorf wie es war"

Titelbild

Ostfriesischer Blick auf die Pützweide 1981

Quelle: Flohr, Friedrichstraße

„Pützweide“, auf Platt „Pötzwigg“, nennt man bis heute die kleine Straße, den ehemaligen Weg, der parallel zu der Brunnenstraße in die sog. „Lüste“ führte. Von dort aus richtete Karl „Kalli“ Gramberg (1922–1997/1998) seinen Blick auf den Roisdorfer Kirchturm. Gramberg war ein anerkannter, aus dem ostfriesischen Aurich stammender Maler und Grafiker, der vorzugsweise in Öl oder Tempera, aber eben auch in Aquarell malte, vor allem ostfriesische Landschaften und Stadtansichten. Er lebte jedoch in den 1970er Jahren in Brenig, zumal seine Frau beim Bürgermeisteramt in Bornheim beschäftigt war. In dieser Zeit fertigte er eine ganze Reihe von Aquarellen mit hiesigen Motiven, so Ansichten von und aus Bornheim, Brenig, Dersdorf und Hemmerich an, die dann in Zusammenarbeit mit der Stadt für Ausstellungen zur Geschichte des Vorgebirges genutzt wurden. Roisdorfer Motiv war neben dem Kirchturm die Wolfsburg, aber es ist von ihm auch heute noch auf dem Schützenplatz eine schöne Darstellung des Roisdorfer Schützenfestes zu bewundern.

Januar

Gräflicher Waidmann im Huisbroich, 1890er

Quelle: Heimatfreunde Roisdorf

Leider nur als Schwarzweiß-Fotografie ist das einzige Ölgemälde mit einem Roisdorfer Motiv bekannt, das von dem aus Schweden stammenden Maler und Bauforscher Wilhelm Graf Mörner erhalten ist, der von 1872 bis ca. 1893 mit seiner Familie in dem nach eigenen Plänen im Stil eines barocken Loire-Schlösschens erbauten Hauses im Siefenfeldchen lebte, dem heutigen Haus Tauwetter. Das Anwesen liegt am Ausgang der sog. „Wolfsschlucht“ zum Siefenfeldchen, die den unteren Teil des sog. „Huisbroichs“ bildet, ein heute wohl mehr denn je naturbelassenes, mit hohen Eichen und Ahorn bestandenes Gelände, das sich natürlich für die Ausübung der Jagdleidenschaft, die Graf Mörner zeitlebens prägte, in besonderer Weise eignete. Die Jagd ist Thema mehrerer seiner erhaltenen Zeichnungen und Gemälde und er selbst begegnete den Roisdorfer Dorfbewohnern stets bekleidet mit schlichter grauer Jagdjoppe und Kniehosen sowie begleitet von Jagdhunden. Des Öfteren überließ er den Roisdorfern großzügig einen Hasen oder ein anderes Stück Wildbret, das er, vielleicht im winterlich verschneiten Huisbroich, erlegt hatte.

Februar

Schwarze „Möhne“ beim bunten Fastelovend, 1948

Quelle: Vendel, Oberdorfer Weg

Mithilfe neuer Technik wurde das bekannte Bild, das das Damenkomitee „Germania“ Roisdorf im Vereinslokal von „Pötze Köbes“ bzw. dann Badenheuer gegenüber dem .Mineralbrunnen zeigt, farbig und damit lebendig gemacht. Es zeigt die in schwarz, als alte „Möhnen“ verkleideten Damen des Komitees, angeführt als Präsidentin von Christine Vendel („De Jött“) im Jahre 1948 bei der Damensitzung im Saal von „Pötze Köbes“, dann Badenheuer, die es zuvor im Jahre 1939 nur ein einziges Mal gegeben hatte und die nun, nach schweren Jahren von Krieg und erster Nachkriegszeit, endlich erneut durchgeführt werden konnte. Und natürlich gab es dann auch wieder „De decke Tromm“ des Spielmanns-zugs, mit dem das Damenkomitee an „Wieverfastelovend“ per Pferde-wagen durch das Dorf zog, damit eine Tradition begründete, die bis heute lebendig ist und Roisdorf zu etwas Besonderem im Vorgebirge macht.

März

„Schmitze ihr Schmett“, 1920er Jahre

Quelle: Lützeler, Bornheim

Im mittleren Teil dieser Ansicht der Brunnenstraße auszumachen und auch heute noch durch eine das Dach des Wohnhauses krönende eiserne Wetterfahne kenntlich, ist die alte Roisdorfer Dorfschmiede, ein Gebäude mit sehr weit zurückreichender Geschichte. Diese wird fassbar mit der Familie, die dort über wenigstens neun Generationen wirkte, d.h. etwa 300 Jahre lang seit der Mitte des 17. Jahrhunderts. Und diese Familie hieß bezeichnenderweise Schmidt oder Schmitz. So heißt es im Alfterer Kirchenbuch 1731 zu einem damals verstorbenen Johann Schmidt „Mann, namens und überhaupt Schmied“. Man benötigte die Schmiede dringend, damit dort das landwirtschaftliche Gerät, also Pflüge, Eggen, Spaten, Mistgabeln und was sonst noch immer aus Eisen bestand, hergestellt und repariert wurde, aber natürlich ging es auch um das Beschlagen der Hufe der Pferde, soweit man solche besaß. Die Schmiede ging schließlich an Peter Lanzrath über, der sie in den 1950ern modernisierte und bis in die 1970er Jahre betrieb.

Mai

Roisdorfer Obstblüten, 1899

Quelle: Mangels, Bonner Straße

Von den Obstblüten umrankt, die damals in jedem Frühjahr Besucher aus Köln, Bonn, und darüber hinaus in das Vorgebirge lockte, präsentiert die vorliegende, 1899 versandte Ansichtskarte neben einer etwas schematischen Gesamtansicht des Ortes einige prägende Bauwerke, so zentral den repräsentativen Bahnhof, über den man seit 1844 bequem nach Roisdorf mit der Dampflok betriebenen Staatsbahn anreisen konnte, ferner das auch heute noch in seiner Gesamtstruktur, wenn auch ohne rauchende Schlote, erkennbare umfangreiche Gelände der damaligen „Gerberei, Lackleder- und Militäreffektenfabrik Gammersbach“ an der Ecke Bonner Straße/ Brunnenallee. Das monumentale Eckgebäude zeigte damals noch deutlich die Formen des ehemaligen Kurhauses des Roisdorfer Mineralbrunnens, das man nach Einstellung des Kurbetriebs für die Einrichtung der Fabrik genutzt hatte. Auf den immer noch auch als Reiseziel geschätzten Mineralbrunnen weist aber auch das „Export-Lager“ der Roisdorfer Brunnen-Verwaltung hin, das gleich hinter dem Güterbahnhof betrieben wurde – ein Gebäude, das bis heute, wenn auch mit anderen Gebäuden umbaut, an der Ecke des Rosentals existiert, also zum Gelände des EDEKA-Fruchtkontors gehört und damit über kurz oder lang das gleiche Schicksal erleiden dürfte wie der 2026 abgebrochene Güterbahnhof, womit dann ein weiterer Teil der Roisdorfer Vergangenheit und Identität unwiederbringlich verloren gehen wird.

Juni

So sah‘s aus der Luft aus …, Ende 1950er Jahre

Quelle: Heimatfreunde Roisdorf

Moderne Wohnbebauung und Gewerbeflächen prägen heute statt weiten Feldern und Gärten das weitläufige, sich bis Bornheim und Hersel hinziehende Gelände, das, wie unser Luftbild, eine Ansichtskarte aus der zweiten Hälfte der 1950er Jahre, zeigt, einst die inzwischen historische Roisdorfer Obst- und Gemüseversteigerung umgab – eine nicht nur für Roisdorf, sondern auch für das Vorgebirge, ja das gesamte Rheinland bedeutende Anlage, war sie doch ein überregional bedeutendes Zentrum für die Versorgung von Rhein und Ruhr mit landwirtschaftlichen Produkten. Wenn man genau hinsieht, erkennt an die Schlange von anliefernden Fahrzeugen der Landwirte vor dem Eingang zu der zentralen Versteigerungshalle. Aber ebenso noch zu sehen sind an der Bahntrasse der prächtige Roisdorfer Bundesbahnhof samt gegenüber gelegenem Güterbahnhof, dem früheren Export-Lager des Mineralbrunnens, sowie als benachbarten Gebäuden die Sandmühle samt Schornstein und dem damals für Sozialwohnungen genutzten ehemals prächtigen Kurhotel. Auch wenn manche Roisdorfer sich noch daran erinnern können – so ändern sich die Zeiten.

Juli

Stolz auf das neue Vereinsheim samt Vereinsbus, 19

Quelle: TuS Roisdiorf

Nach 20 Jahren stieg die Fußballmannschaft des TuS Roisdorf im Jahr 2026 wieder in die Kreisliga A auf. Es war dies eine erneute schöne Bestätigung der erfolgreichen, für Jung und Alt, insbesondere aber für die Jugend wichtigen und unverzichtbaren Arbeit, die unser TuS nun schon seit 95 Jahren vor Ort leistet und die heute mit Aikido, Badminton, Bogenschießen, Karate usw. weit mehr Sportarten als allein Fußball umfasst. Auf unserem Bild präsentiert sich die Jugendmannschaft des TuS im Jahre 1968 auf dem Sportplatz im Ehrental stolz vor dem neuen Vereinsheim und dem neuen Vereinsbus, den Willi Fuß gesponsert hatte, zusammen mit dem damaligen Jugendleiter Heinz Hutmacher und dem 1. Vorsitzenden Lorenz Jacobs. Ganz gewiss werden sich auf dem Bild eine ganze Reihe von inzwischen reiferen Roisdorfer Herren der sog. „Boomer-Generation“ wiedererkennen.

August

Damals noch ein richtiger Bahnhof …, 1950er Jahre

Quelle: KBE-Bildarchiv HP Arenz

In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre ging man daran, die Trasse der Vorgebirgsbahn von Bonn ausgehend neu zu verlegen und auf den Elektrobetrieb umzustellen. Im Bereich zwischen Bornheim und Roisdorf führte man die Trasse mittels eines aufgeschütteten Damms quer durch den dabei entwässerten Alten Weiher bis zum Mineralbrunnen. Ein neues stattliches Bahnhofsgebäude errichtete man nun am Übergang der Siegesstraße, das 1929 seine Funktion aufnahm. Es fügte sich in seiner Gestaltung aus Backstein in eine Reihe neuer Gebäude am Vorgebirge für den Personen- und Güterverkehr ein und verfügte über ein Stellwerk, in dem die Schranke bedient wurde, einen Warteraum mit umlaufenden Bänken und ein eigenes Toilettenhäuschen. Das Gebäude steht bis heute an der Haltestelle „Roisdorf West“ der Stadtbahnlinie 18, wenn auch leider ohne die alte Funktion, leicht verfallen und einer neuen Verwendung harrend. Es würde sich für unseren Ort gewiss lohnen, dieses schöne Gebäude zu restaurieren.

September

Beat-Musik in der Pfarrkirche?, 1969

Quelle: Heimtfreunde Roisdorf

In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre ging man daran, die Trasse der Vorgebirgsbahn von Bonn ausgehend neu zu verlegen und auf den Elektrobetrieb umzustellen. Im Bereich zwischen Bornheim und Roisdorf führte man die Trasse mittels eines aufgeschütteten Damms quer durch den dabei entwässerten Alten Weiher bis zum Mineralbrunnen. Ein neues stattliches Bahnhofsgebäude errichtete man nun am Übergang der Siegesstraße, das 1929 seine Funktion aufnahm. Es fügte sich in seiner Gestaltung aus Backstein in eine Reihe neuer Gebäude am Vorgebirge für den Personen- und Güterverkehr ein und verfügte über ein Stellwerk, in dem die Schranke bedient wurde, einen Warteraum mit umlaufenden Bänken und ein eigenes Toilettenhäuschen. Das Gebäude steht bis heute an der Haltestelle „Roisdorf West“ der Stadtbahnlinie 18, wenn auch leider ohne die alte Funktion, leicht verfallen und einer neuen Verwendung harrend. Es würde sich für unseren Ort gewiss lohnen, dieses schöne Gebäude zu restaurieren.

Oktober

… der Roisdorfer Wein war immer lecker, 1901

Quelle; Heimatfreunde Roisdorf

Hier noch einmal, koloriert und damit lebendig gemacht, das bekannte Bild, zu dem sich die Roisdorfer und Alfterer Weinbauern vor der Remise und dem sog. „Eishaus“ von Haus Wittgenstein zusammenfanden, dies im Bewusstsein, dass es das letzte Mal war, dass sie den gewerblich angebauten Wein in ihren Orten gelesen und in der fahrbaren Mühle des Alfterer Gastwirts Weber gemahlen hatten. Es ist dies das einzige fotografische Zeugnis der bis in die Römerzeit zurückreichenden Weinbautradition hier am Vorgebirge, von der der links in der ersten Reihe sitzende Ortsvorsteher Wilhelm Rech von der Wolfsburg uns eindrückliche Schilderungen aus dem 19. Jahrhundert hinterlassen hat. Eine Reihe von wirtschaftlichen, politischen und klimatischen Faktoren hatte dazu geführt, dass der Weinbau am Vorgebirge, der um 1800 ca. 1.000 ha umfasste und damit eine größere Fläche als heute der Weinbau an der Ahr, stetig zurückging. Der letzte Wingert im Vorgebirge wurde 1912 in Gielsdorf gerodet, das die günstigsten Weinlagen hatte und daher von den benachbarten Dörfern beneidet wurde, so dass man zum Beiern der dortigen Kirchenglocke sang: „Jielsdep, Jielsdep, hätt ich doch ding Druve, hätt ich doch ding Druve!“

November

Freundschaft über Standesgrenzen hinweg, 1912

Quelle: Christiane Gräfin Mörner, Haamburg

Eine Ansichtskarte mit Roisdorfer Motiven, wie sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts von den damals noch vorhandenen Gaststätten im Ort zu Werbezwecken herausgegeben wurden. Diese hier stammt von der „Gastwirtschaft und Kolonialwarenhandlung von Johann Rech“, auf der Ecke Brunnenstraße/ Lehmtal (später Ehrental). An ihr ist bemerkens-wert, dass sie von Johann Rech 1912 selbst versandt wurde, und zwar an den „Hochw. Herrn (Wilhelm) Graf von Mörner, Korv. Kapitän a.D.“ in Kiel, also an einen Sohn des im Januarbild genannten Grafen Wilhelm von Mörner. Die joviale Art der Familie von Mörner zeigte sich schon darin, dass die gräflichen Kinder ohne Scheu mit den Dorfkindern spielen und Freundschaften bilden konnten, die auch noch Jahrzehnte nach dem Wegzug aus Roisdorf hielten. So lädt Johann Rech seinen „treuen Freund Willy“ ein, doch mal wieder nach Roisdorf zu kommen und ein Logierzimmer in seinem Hause zu benutzen. Wilhelms Enkelin, Christiane Gräfin von Mörner, übersandte den Roisdorfer Heimatfreunden die Ansichtskarte 2025 nach ihrem Besuch bei uns mit Besichtigung von Haus Mörner, heute Haus Tauwetter.

Dezember

Ein unerwarteter Besuch, 1773

Quelle: Heimatfreunde Roisdorf

In der dritten Woche der Adventszeit findet sich heute alljährlich als Szene der Krippe der Roisdorfer Pfarrkirche die sog. Heimsuchung, also der Besuch der mit Jesus schwangeren Jungfrau Maria bei ihren Verwandten Elisabet und Zacharias, den künftigen Eltern Johannes' des Täufers im jüdäischen Bergland. Dieses Motiv zeigte aber auch ein schönes Ölgemälde, das einst in den Aufbau des Hauptaltars der ersten Roisdorfer Sebastianuskapelle am Lindenberg eingelassen war. Es ist bis heute vorhanden, wenn auch in Privatbesitz befindlich und daher den Roisdorfern wenig bekannt. Als Signatur ist zu lesen: „Anno 1773 I.I. Schmitz Pinxit Coloniensis“. Es handelt sich somit um ein seltenes Werk des kurkölnischen Hofmalers Johann Jakob Schmitz, der im 18. Jahrhundert einer der gefragtesten Porträtisten des Bürgertums und Adels im Rheinland war. In Auftrag gegeben haben dürfte es bei dem ihren Kreisen tätigen Maler Clara Fabri, verwitwete Hilgers, die auf dem Metternichsberg, also dem späteren Anwesen von Wittgenstein, oberhalb der Kapelle, aufgewachsen war, und sich über Jahrzehnte eifrig für den Bau der Kapelle eingesetzt hatte.