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Der Mai, der Mai, der lustige Mai ...

Maibrauchtum heute und einst

Aufstellen des Maibaums am Festzelt 2017

In jedem Jahr ist es am 30. April, dem Maiabend, wieder soweit: Unter großer Kraftanstrengung und angefeuert durch die zahlreich anwesende Bevölkerung richten die Mitglieder des Junggesellenvereins "Echte Fründe" auf dem Roisdorfer Dorfplatz den stattlichen Dorfmaibaum auf. Manchmal muss mehrmals angesetzt werden - sogar einen leichtverletzten Junggesellen gab es bisweilen - , manchmalmeist aber klappt es mit einem einzigen Schwung, den Baum in seine Verankerung zu bringen. Anerkennender Applaus von jung und alt folgt aber auf jeden Fall.

Einzug des Maipaares 2014 und seines Gefolges

Alles wartet nun auf den Höhepunkt des Abends: Die Krönung des neuen Maikönigspaars. Begleitet von der Blasmusik der Roisdorfer Musikfreunde ziehen das vorjährige und das neue Maikönigspaar endlich auf den Dorfplatz ein, festlich gekleidet, von Ehrendamen und -herren begleitet.

Viel Volk bei der Krönung

Aus geistlicher Hand - seit 2006 der von Diakon Adi Halbach - empfängt das Maipaar die ihm zukommenden Insignien: die Ehrenkette für den Maikönig und das Diadem für die Maikönigin. Glückwünsche des Ortsvorstehers und der Ortsvereine schließen sich an.

Krönung des Maipaares 2017

Der Maikönig hat wenige Wochen zuvor für seine Auserwählte die größte Summe bei der Mailehenversteigerung des Junggesellenvereins geboten und darf nun den Frühling und Sommer über gemeinsam mit ihr die Roisdorfer Jugend auf den Junggesellenfesten der Dörfer ringsum repräsentieren.

Tanz unter der Junggesellenfahne 2017

Den Abschluss der Krönung bildeten der Ehrentanz des Maikönigspaares unter der Junggesellenfahne und ein Fähndelschwenken der Fähnriche des Junggesellenvereins.

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Roisdorfer Junggesellenvereins "Echte Fründe" fanden zum Maifest 2014 die meisten der bisherigen Maipaare des Vereins zum Gruppenbild und zur Beteiligung am Festzug zusammen.

Maipaare 1994 bis 2014

Maifeier in der Mörnerstraße

Ein feuchtfröhlicher Abend schließt sich in jedem Jahr der Krönung an, nicht nur im fast überfüllten Festzelt, sondern auch an anderen Stellen des Dorfes, wo Nachbarschaften ihr eigenes "Maiansingen" veranstalten ...

Maiansingen der "Böömchesfründe"

... oder auch Thekengemeinschaften, wie die "Roisdorfer Böömchesfründe" bei der Gasstätte Hamacher, den Mai lautstark begrüßen.

Manch einer begegnet auf dem Heimweg mit Maibäumen und johlenden Junggesellen beladenen landwirtschaftlichen Gefährten, unterwegs zu den Mädchen des Dorfes, denen von ihren Verehrern jeweils ein mit bunten Bändern geschmückter Maibaum gesteckt werden soll.

Maipaar mit Gefolge beim Umzug 2014

Am 1. Mai oder am Sonntag darauf schließt sich das inzwischen schon traditionelle Junggesellenfest an, das seinen Höhepunkt in dem Festzug durch das Dorf findet. Begleitet von den Junggesellenvereinen der umliegenden Ortschaften samt deren Maipaaren und Fähnrichen sowie von den Roisdorfer Ortsvereinen grüßt das Maipaar aus der festlichen Kutsche.

Fähndelschwenken beim Umzug 2011

Beim "Vorbeimarsch" legen sich die Fähnriche der beteiligten Junggesellenvereine zu Ehren des Maikönigspaars besonders ins Zeug.

Kampf um den "Glockenpokal"

Ein buntes Programm mit Ehrentänzen und Fähndelschwenk-Wettbewerben im Zelt beschließt das gelungene Fest.

Maipaar Margret Pohl und Josef Palm 1956

Ganz ähnlich ging es auch schon vor Jahrzehnten zu.

Auch wenn manches dörfliche Brauchtum im Laufe der Zeit verschwunden ist - das Maibrauchtum inm Vorgebirge erlebte in den vergangenen Jahrzehnten eine regelrechte Renaissance, die ihren Ausdruck 1994 auch in der Wiederbegründung eines Roisdorfer Junggesellenvereins fand. Immerhin ist bereits für das späte 18. Jahrhundert ein solcher Verein in Roisdorf bezeugt und erlebte das Junggesellenbrauchtum in der Zeit zwischen den Weltkriegen, aber auch noch in den 1950er Jahren, eine besondere Blüte.

Junggesellenverein auf Haus Wittgenstein, ca. 1900

Wie man den Mai im 19. Jahrhundert in Roisdorf feierte, hierfür liegt eine einzigartige Quelle aus der Feder des Ortsvorstehers Wilhelm Rech vor, der 1910 im hohen Alter die Erinnerungen an seine Jugend niederschrieb, welche im Folgenden im Wortlaut und der Schreibweise des Chronisten wiedergegeben seien.

"Ihr Vergnügen hatten die Leute früher auch, wenn meistens auch nur im Jahre dreimal Tanzmusik war. Die Jungen Leute bildeten auch jedes Jahr einen Verein, aber nicht wie heute, mit tüchtig Geld drauf machen, sondern um Geld zu sparen.

Dieser Verein wurde auf folgende Art gegründet, nur von jungen, heiratsfähigen Jünglingen. Man nannte solchen Verein einen Reih: Gewöhnlich an einem Fastnachtstage, traten die jungen Leute im Wirtshause, wo sie die Tanzmusik, auch Maispiel genannt, abhalten wollten (zusammen), wählten unter sich ein Oberhaupt, Schultheiß genannt, mit zwei Beisitzer, Schöffen genannt, dann einen Fahnenträger, Fendrich genannt, und einen Fax, genannt Hüssgen.

Nachdem man so den Vorstand konstituiert hatte, dauerte es gewöhnlich bis Ostermontag, dann versammelte sich der ganze Verein in ihrem Lokale wieder, um das so genannte "Mailehen" zu schreiben, und dieses bestand darin, das sämtliche heiratsfähige junge und alte Mädchen des Dorfes, von den jungen Leuten, die mit in dem Reih waren, unter sich ausgeboten, versteigert, und dem Meistbietendem zugeschlagen wurde, unter allerlei Schnurren, Witzen, und Ulken.

Der Ansteicher (Ersteigerer) durfte dann das betreffende Mädchen im Laufe des Jahres zum Tanze führen, selbstverständlich mit Ihrer Einwilligung. Bekam der betreffende Jüngling einen Korb, dann brauchte er für den Spott nicht zu sorgen. Kam ihm aber ein anderer ins Gehege, dann setzte es in der Regel blutige Köpfe ab.

Der Rest der Mädchen wurde zusammen ausgestellt. Wer diese dann ansteicherte (ersteigerte), hatte die Wahl und auch die Qual.

Am ersten Mai wurde den Mädchen wo sie wohnten einen grünen Mai auf das Dach gesteckt. Und an einem Sonntage im Mai wurde das Maispiel (Tanzmusik) abgehalten."

...

"Wie der männliche Teil sein Vergnügen hatte, so hatte der weibliche Teil früher ebenfalls ihr Vergnügen.

Wenn im Frühjahre, die Lenzessonne die Berge küsste, das junge Grün hervor sprosste und der Wald grün war, welches in den meisten Fällen im Monat Mai der Fall war, dann versammelten sich an einem Sonntage nachmittags die Jungfrauen Roisdorfs, holten im Walde einen grünen Mai (großen grünen Zweig), zogen damit auf den Hauptplatz des Dorfes, an der Kapelle (jetzt an der Kirche). Dann wurde eine Jungfrau bestimmt, die nahm den großen grünen Mai und musste sich mit diesem in der Mitte des Platzes aufstellen. Die anderen Jungfrauen fassten sich gegenseitig, Hand in Hand, zu einem großen Kreis rundherum um die Maikönigin, gingen dann so in dem großen gebildeten Kreise langsam rund und sangen das Mailied:

Der Mai, der Mai der lustige Mai
ist heran gekommen.
Ich nahm mein Schwert,
Ging in den Busch
Und holt mit meinen Zweig
Und der war grüne.

In Roisdorf steht ein neugebautes Haus
Da geht mein Schatz ein und aus
u.s.w., u.s.w. .....

Die Burschen hatten sich aus Erlenrinde ein Horn gemacht, ein Maihorn, bliesen in dies Maihorn und tanzten den Reigen später."

Das von Rech leider nur mit seinem Anfang und in hochdeutscher Übertragung zitierte Lied war nur eines der traditionellen Mailieder des Vorgebirges. Sein vollständiger Text wurde im Jahr 1847 von einem Kölner Lehrer namens Wacker aufgezeichnet, der auf einer Wanderung durch das Vorgebirge unversehens Zeuge einer Maifeier, wie der oben beschriebenen geworden war. Leider war er, wie die merkwürdige Schreibweise mancher Wörter verrät, offenbar des Vorgebirgsplatts nicht mächtig:

Der Mai, der Mai, der lustige Mai,
Er kummt daher geruschen.
Ech brach mir ‘ne Mai
Un ging mit ‘nem Schwert
Durch einen Beusch, war grone.

Ech ging vor Herzliebst Fenster stonn
Un sprach mit falscher Zunge:
“Herzlieb, stand op
Un lass mich herein!
Ech bring’ dir ‘ne Mai mit ‘ner Rose.“

„„Ech stonn nit op, ech lass dich nit herein,
Wohl um den Mai zu pflanzen.
Mein Bett steht fest,
Es trägt ‘ne schwere Last,
Das thut sich der Mai, der bose.

Steh’ und setz’ ihn auf die weite, breite Straße,
Damit er nich befriere:
Der Mai’sch koole Dau
Der is sich also kalt, -
Seine Kraft möchte’ er verlieren.““

Zu Hemm’rich steht ein wohlgebautes Haus,
Dat es gedeckt met Leien,
Da kummt mein Lieb
Alle Sonndas heraus,
Bronenge seind sein’ Kleider.

Seind sie dann bronenge nich,
So seind sie roth scharlaken;
Un wewr ein schoon
Herzliebchen hat,
Der kann es wohl heimlich lachen.

Der Mönch sprang an dem Fenster heraus,
Die Kapp’ ließ er drin hängen:
Do hängst du Kapp’,
Du Deuvelslapp,
Ech trauen Dir ‘ne schöne Jungfrau an.

Un stirf de Bruck von Traurigkeit,
Wo soll man sie begraben?
Wohl unter den Rosen,
Kartümmelige Baum,
Das Grab soll Rosen dragen.

Un dräg et dann kein’ Rosen roth,
So dräg et Mant’lekärne;
Un wer ein schoon
Herzliebchen hat,
Der hat’s von Herzen gerne.

Der Bonner Germanistikprofessor und Sammler von Märchen, Sagen und Liedern Karl Simrock veröffentlichte 1861 den Text dieses Liedes nach einer Fassung, die in Graurheindorf aufgezeichnet worden war. Die 2. bis 4. Strophe wurden damals in romantischem Sinn umgedichtet. In dieser Fassung wird es noch heute landauf landab gesungen: Ein kleiner, aber nicht unbedeutender Beitrag des Bonner Raums zum deutschen Liedgut. Hier die Simrock'sche Fassung samt der dazu gehörenden Melodie [5 KB] :

2. Ich ging wohl vor Herzliebchens Tür,
Und redt mit falscher Zunge:
"Herzlieb, steh nur auf und tritt herfür".
Ich bring den Mai so grüne.
Tra la la, tra la la la la la,
Ich bring den Mai so grüne.

3. Der Mai, den du mir bringen willst,
Den laß du nur da draußen!
So setz ihn auf die weite, breite Straß,
Da wird er nicht erfrieren.
Tra la la, tra la la la la la,
Da wird er nicht erfrieren.

4. Nicht auf die weite, breite Straß,
Ich setz ihn vor die Türe.
So steh nur auf und tritt herfür,
Empfang den Maien grüne!
Tra la la, tra la la la la la,
Empfang den Maien grüne!

5. Der Mai, der Mai, der lustige Mai
Erfreuet jedes Herze.
Ich spring wohl in den Rhein
Und freue mich dabei
Und sing und spring und scherze.
Tra la la, tra la la la la la,
Und sing und spring und scherze.

Heimatfreunde Roisdorf beim Festzug des Junggesellenfestes 2011

Auch wenn die Einzelformen sich gewandelt haben - es ist schön zu sehen, dass die wesentlichen Elemente des Maibrauchtums in Roisdorf und im übrigen Vorgebirge in den vergangenen 150 Jahren die selben geblieben sind: Ein schönes Zeichen kultureller Kontinuität.

Das Maiprogramm und weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten des JGV Echte Fründe e.V.
www.maitanz.com