Über uns Geschichte Brauchtum Vorgebirge Mundart Termine im Ort Sitemap Intern Dateschutzerklärung
Startseite Geschichte Spannende Orte Ein römisches Übungslager in Roisdorf

Geschichte


Historischer Überblick Der Mineralbrunnen Burgen, Schlösser und Villen Kirche und kirchliches Leben Leben und Arbeiten in Roisdorf Spannende Orte Vereine und Gruppen Kalender "Roisdorf wie es war" Fundstücke

Ein römisches Übungslager in Roisdorf Mord auf dem Blutpfad? Roisdorfs "wasserreiche Flur" Grippekoven

Impressum Kontakt

Ein römisches Übungslager in Roisdorf

Bald eine Stätte des Weltkulturerbes?

Teilstück des Römerkanals vor dem Bornheimer Rathaus

Einstimmig beschloss der Ausschuss für Stadtentwicklung der Stadt Bornheim Ende Januar 2018, den auf städtischem Gebiet gelegenen Ausbruchsgraben der berühmten römischen Wasserleitung, die von der Eifel bis nach Köln führte, in die Denkmalliste der Stadt einzutragen. Gleichzeitig wurde eine gleichfalls aus römischer Zeit stammende Anlage unter denkmalrechtlichen Schutz gestellt, die, da erst vor einigen Jahren entdeckt, weit weniger bekannt, aber von nicht geringerer Bedeutung ist als die Wasserleitung: Ein gut erhaltenes, wohl ca. 1700 Jahre altes Übungslager im Villewald oberhalb von Roisdorf.

Mit Airborne-Laser-Technologie entdeckte römische Übungslager im Kottenforst

Solche Übungslager der in römischer Zeit in Bonn stationierten Legion hatte man seit den 1960er Jahren im Bereich des Kottenforstes gefunden. Gelang dies zunächst mit den Methoden der Luftbildarchäologie, so erlaubten ab dem Jahre 2012 die neuen Methoden der Airborne-Laser-Technologie von „Geobasis NRW“, einem Dienst der Bezirksregierung Köln, den Waldboden von Flugzeugen aus mit Lasern abzutasten, damit auch unter die Waldbäume zu blicken, selbst geringe Unterschiede im Bodenniveau festzustellen – und dadurch insgesamt etwa 30 größerer und kleinerer Übungslager zu entdecken – nicht nur für die römische Provinz Germania inferior eine archäologische Sensation!

Diese Lager dienten der Ausbildung. Indem sie sie errichteten, trainierten Rekruten, aber auch erfahrene Legionäre die Schnelligkeit und Präzision, mit der sie in Feindesland aus dem Marsch heraus befestigte Lager anlegten, was ihnen bei Feldzügen in das rechtsrheinische freie Germanien wesentliche Vorteile einbrachte. Die Lager wurden für eine Nacht erbaut. Sie archäologisch zu erforschen, trägt heute dazu bei, die damaligen Ausbildungsmethoden besser zu verstehen, und sie lassen auch verbesserte Einblicke in militärische Taktik der römischen Armee zu.

Der Weiße Stein

In der Roisdorfer Gemarkung, im Bereich der Weggabelung „Am Weißen Stein“, wo ein von den Heimatfreunden Roisdorf und dem Heimat- und Eifelverein Bornheim erneuerter Weißer Stein seit Jahrhunderten als Wegweiser dient, fand sich nun eines der größten dieser Lager. Das Lager dürfte mit einem ca. ½ km südöstlich gelegenen eine Gruppe gebildet haben, wie auch im südlichen Kottenforst gelegenen Lager als Gruppe zusammenlagen. Wie die anderen war es rechteckig, die Lagerwälle maßen in der Länge 159 m, in der Breite 132 m, so dass die ganze Anlage ca. 2 ha umfasste. Die Ecken der Wälle waren abgerundet.

Lageplan des Übungslagers

Gemäß dem Archäologen Steve Bödecker, wissenschaftlicher Referent beim Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland des Landschaftsverbands Rheinland in Bonn, dem die jüngsten Entdeckungen der Lager im Kottenforst zu verdanken sind, war der charakteristische Aufbau Kalkül, denn die abgerundeten Ecken verhinderten, in einem toten Winkel potenzielle Feinde zu übersehen. In der Mitte einer jeden Seite befand sich, wie im Laserscan gut erkennbar ist, ein Toreingang, wobei der Haupteingang, die sog. porta praetoria, sich auf der südwestlichen Lagerseite befand. Wie Bödecker angibt, war die charakteristische Form der claviculae (lat. für Schlüsselbein) genannten Eingänge ebenfalls kein Zufall: Nach dem Eindringen in das Lager wurde der Gegner in einen Viertelkreis geführt. Am Ende des Ganges erwarteten ihn die Kämpfer – ein klarer taktischer Vorteil. Vor dem Lager gab es einen damals zwei Meter tiefen Spitzgraben. Der mit Spaten, Rasenstechern und Harken aus Erde und Rasensoden aufgeschichtete Wall selbst war an die zwei Meter hoch. Er war wegen der Rasensoden sehr rutschig, weshalb man ihn nicht einfach erklimmen konnte. Oben auf dem Wall waren Legionäre postiert, die jederzeit den eindringenden Feind bekämpfen konnten. Bis zu 20.000 Kämpfer, Fußsoldaten und Berittene, dürften hier Scheinkämpfe gegeneinander ausgeführt haben.

Legionslager Bonn

Das Roisdorfer Lager war Teil des Niedergermanischen Limes, des befestigten Rheinufers, das von der Nordseeküste bei Katwijk bis zum Vinxtbach – südlich von Bad Breisig – reichte und in dessen Verlauf sich als Hauptstützpunkte die Legionslager Vetera/Xanten, Novaesium/Neuss und Bonna/Bonn aufreihten. Dass die Legionäre der Bonner Legio I Minervia den Villerücken für die Anlage ihrer Übungslager nutzten, dürfte mit der Bodenbeschaffenheit und den Vegetationsverhältnissen des dünn besiedelten, wohl im Besitz der Bonner Legion befindlichen, leicht zu erreichenden Geländes zu tun gehabt haben.

Kottenforst

Bödecker sieht die Lager des Kottenforstes, und mit ihnen das Roisdorfer Lager, das zu den wenigen römischen Marschlagern gehört, von denen sich noch ein Erdwall erhalten hat, hinsichtlich ihres kulturellen Wertes als in Augenhöhe befindlich etwa mit jenen im Bereich des Hadrianswalls, der das römische Britannien gegen die nördlichen keltischen Gebiete abgrenzte. Bödecker strebt an, im Jahre 2020 den Antrag auf besonderen Schutz des Niedergermanischen Limes, und damit auch der Übungslager im Kottenfost, bei der UNESCO, der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, zu stellen.

Wenn dies Erfolg hat, haben wir in absehbarer Zeit auf Roisdorfer Gebiet eine Stätte des Weltkulturerbes.

Lit.:
S. Bödecker, Entdeckung römischer Übungslager im Kottenforst durch Airborne Laserscan, in: Archäologie im Rheinland 2012, Darmstadt 2013, S. 131-133.