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Die Ritter von Roisdorf

Zu den Vorfahren des Hochmeisters Paul von Rusdorf

Roisdorfer Ortswappen

Seit Mitte der 1990er Jahre schmücken bei allen Dorfesten, insbesondere bei der Roisdorfer Großkirmes im September, bunte Fahnen die Straßen unseres Ortes: Auf dem rot-weiß geteiltem Grund der Fahnen sieht man ein blaues Wappenschild mit goldenem Schildhaupt, dem ein in zwei Reihen rot und silbern geschachtes Andreaskreuz aufgelegt ist. Wohl die meisten Roisdorfer wissen, dass es sich bei dem damals von den Heimatfreunden als Kennzeichen des Ortes wiederbelebten Wappen um das der mittelalterlichen Ritter von Roisdorf handelt, die auf der später „Sterffelshof“ genannten Burganlage auf dem Donnerstein ihren Sitz hatten. Das Wappen ist heute aus dem Ortsbild nicht mehr wegzudenken: Es schmückt die Orden der jeweiligen Karnevalsprinzessin ebenso wie die Standarten und Briefköpfe von Ortsvereinen, und nicht von ungefähr bildete es, herzförmig gestaltet, ein wesentliches Element des Logos der 900-Jahr-Feier des Jahres 2013.

Wappen des Hochmeisters Paul von Rusdorf

Zum ersten Mal belegt ist das Wappen für das Jahr 1367, als ein gewisser „Phawin va Roeistorp“ eine Urkunde mit ihm siegelte. War die Darstellung als Siegelbild noch farblos, so geht die heutige Farbigkeit des Wappens auf den wohl als Phawins Großneffen anzusprechenden, im Jahre 1441 verstorbenen Paul von Rusdorf zurück, wenngleich in der Überlieferung des Deutschen Ordens, dem er als Hochmeister vorstand, neben dem blau-goldenen auch ein schwarz-goldenes und bisweilen sogar ein rot-silbernes Wappenschild erscheint, indes stets mit dem rot-silbernen oder roten Andreaskreuz versehen.

Was wissen wir nun von diesem sich nach ihrem Sitz Roisdorf benennenden Rittergeschlecht? Einen ersten Beleg haben wir aus den Jahren um 1320, als ein Ritter Gozwinus von Roysdorp an den Fronhof zu Mühlheim bei Bonn (an diesen längst verschwundenen Ort Mülheim erinnert heute der Mühlheimer Platz in der Bonner Innenstadt) von seinen Gütern in Hersel 6 Sümper Weizen Zins zu zahlen hatte.

Von Ritter Gozwin hören wir nichts weiter, wohl aber einiges in den folgenden Jahrzehnten von Personen, die wohl als Gozwins Kinder bzw. als Angehörige der nächsten Generation zu betrachten sind: Es beginnt 1330 mit Johannes von Rusdorf, der als Lehnsherr eines in Roisdorf Haus, Hof und Weingärten besitzenden Henkinus erscheint. Derselben Generation dürfte der genannte Ritter Phawin oder Pawyn von Roisdorf angehört haben, der im Jahre 1341 an Arnold in dem Tempelhofe Weinland zu Oedekoven verkauft, und der dann mehrfach bis zum Jahre 1367 belegt ist, als er wie weiterer Herren der Region, „loslediger Mann“, also Lehnsmann der in einem Landfrieden an Rhein und Mosel verbündeten Erzbischof Kuno II. von Trier, Herzog Wenzel I. von Luxemburg und Brabant sowie der Städte Köln und Aachen wird.

Im Jahr 1331 veräußern Johannes und seine Ehefrau Beatrix mit Einverständnis ihres Bruders bzw. Schwagers, des Ritters Hermann von Roisdorf, ihren Hof zu Eitorf an das Kloster Herchen. Mit der Erwähnung von Eigentum in Eitorf wird die enge Beziehung der Familie zu der unteren Sieg deutlich, die sich auch darin zeigt, dass in den 1340er Jahren Benedicta von Roysdorp bzw. Rustorp, eine Schwester von Johannes und Hermann, als Klosterjungfrau und dann als Oberin des Klosters der Augustiner-Eremitinnen in Merten an der Sieg erscheint.

"Alte Burg" in Alfter

Vielleicht gab es familiäre Verbindungen zu den in dieser Zeit ebenfalls Hermann oder Johannes heißenden Herren der Burg Merten an der Sieg, die sich nach ihrer Wildenburg benannten. In derselben Weise wird die verwandtschaftliche Nähe der Angehörigen der Roisdorfer Ritter zu den ritterlichen Herren von Alfter deutlich, die seit 1116 als Lehnsmannen und später Erbmarschälle der Kölner Erzbischöfe erscheinen und bei denen man in fast allen Generationen die Namen Gozwin und Herrmann findet.

Ritter Hermann von Roisdorf ist nun besonders oft bezeugt. Vielfach begütert war er nicht nur an der Sieg und natürlich in Roisdorf selbst, sondern auch in dessen Umgebung. So gibt es Nachrichten über seine Häuser, Hofstätten, Wein- und Baumgärten sowie Wiesen in Bonn, Bornheim, Lengsdorf und Heimerzheim. Im Jahre 1351 wird er als Lehnsmann des Kölner Erzbischofs und Mitglied am erzbischöflichen Manngericht erwähnt, doch bestand eine solche Verbindung auch zu Herzog Wilhelm V. von Jülich, der ihn sogar mit Vogtei Wesseling belehnte. Verheiratet war Hermann mit Christina von Gersdorf, mit der gemeinsam er im Jahre 1349 der Hildegunde von Merten (an der Sieg), einer Schwester Klosters St. Clara in Köln, eine Leibrente verleiht. Im selben Jahr schenkt er anlässlich des Eintritts seiner Tochter Irmgard in das Clarenkloster diesem einen Morgen Weingarten in Bornheim.

Kloster St. Clara in Köln

Wichtig ist hier die besondere Nähe des Roisdorfer Rittergeschlechts zum Kloster St. Clara, die bereits im Jahre 1335 dadurch zum Ausdruck kommt, dass Hermann als Zeuge in der Urkunde auftritt, in der Cunegund von Metternich, Schwester des Alfterer Erbmarschalls Johann und Witwe des Hermann von Metternich, ihren „hoff zu Roistorp“, den späteren und noch bis in unsere Zeit bekannten „Clarenhof“, dem Kölner Clarenkloster überträgt – eine Urkunde, die im Zusammenhang mit den Roisdorfer Burgen Metternichsberg und Wolfsburg noch eine besondere Rolle spielt.

Als Vertreter der nächsten Generation der Roisdorfer Ritter werden Gumprecht von Roisdorf und seine Frau Fia (Sophia) von Gymnich in diversen Urkunden ab 1373 fassbar. So verzichtet Gumprecht in diesem Jahr auf einen Hof in Kuchenheim, verkauft er im Jahre 1390 den Zehnten zu Medekoven an das Kölner Andreashospital, überträgt er 1398 zusammen mit Fia den Karthäusern zu Köln einen Erbzins, der von Ländereien im Breniger Feld herrührt. Er wird 1401 als Besitzer eines der Dützhöfe bei Heimerzheim genannt. Als Gumprechts Bruder ist wohl Peter von Roisdorf anzusprechen, dessen Witwe Aleid 1396 ihre Roisdorfer Hofstätte an das Clarenkloster verkauft.

Paul von Rusdorf (+ 1441)

Die Wesselinger Vogtei, die von Hermann auf Gumprecht auf dessen Söhne Gozwin und Heinrich übergegangen war, wurde 1392 von Herzog Wilhelm VI. von Jülich wegen zu ungerechter Abgaben wieder eingezogen. Mit Gozwin und Heinrich von Roisdorf sind wir bei einer weiteren Generation, der in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts Jutta, Klosterjungfrau in Köln St. Marien-Malzbüchel, und Tilman von Roisdorf mit seiner Frau Gertrud ebenso zuzurechnen sind wie ein jüngerer Gumprecht, dem um 1430 der Dützhof und ein Hof in Kriegshoven gehören.

Mit Gumprechts (d.J.?) Sohn Johann würden 1437 die Nachrichten zum Geschlecht der Roisdorfer Ritter enden, wenn nicht einer von ihnen fernab des Rheinlands im Ordensland Preußen eine besondere Karriere gemacht hätte: Paul von Rusdorf, der Hochmeister des Deutschen Ordens.

Mehr Informationen zu dem prominentesten Sohn unseres Heimatortes finden Sie hier.

Sterffelshof am Donnerstein

Anders als in der Ordensüberlieferung ging die Erinnerung an Paul in seiner Heimat in den folgenden Jahrhunderten weitgehend verloren. Dies mag seinen Grund nicht zuletzt darin haben, dass das Geschlecht der Ritter von Roisdorf noch im 15. Jahrhundert in männlicher Linie ausstarb bzw. seine Mitglieder sich nach anderen Sitzen benannten. Im Gegensatz zu den ritterlichen Nachbarn in Alfter und Bornheim vermochte man es nicht, einen eigenen Herrschaftsbereich als sog. Herrlichkeit zu etablieren. Der Stammsitz auf dem Donnerstein, wechselte wohl noch im 15. Jahrhundert in andere Hände und wurde als Sterffelshof zum Bauernhof, wobei dessen Eigentümer noch lange rechtliche Ansprüche aus der Nachfolge der mittelalterlichen Ritter von Roisdorf ableiteten.

Dass man die Reste ihrer Burg vor weniger als 50 Jahren ohne vorherige bauliche oder archäologische Untersuchung beseitigte, um das Gelände zu bebauen, gerät den Roisdorfern alles andere als zur Ehre. Wenigstens ein Gedenkstein an der Stelle der ehemaligen Burg der Roisdorfer Ritter wäre gewiss angebracht.