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Metternichsberg/ Haus Wittgenstein

Von der wehrhaften Höhenburg zum bürgerlichen Landsitz

Gartentor von Haus Wittgenstein

Ein eisernes Gitter zwischen dicken Sandsteinpfeilern umgibt ein m Fuße des Vorgebirgshangs gelegenes, von hohen, alten Bäumen bestandenes Gelände. Das steinerne, wappengeschmückte, indes geschlossene Gartentor auf der Ecke Ehrental/ Siefenfeldchen weist darauf hin, dass sich inmitten des ausgedehnten Parks ein repräsentatives Gebäude befindet: Es ist dies Haus Wittgenstein, eine Villa mit reicher Vergangenheit.

Die Höhenburg Metternichsberg

Hofansicht von Haus Wittgenstein vom Eingangstor aus

Das eigentliche Eingangstor von Haus Wittgenstein erreicht man über eine eigene Zuwegung im oberen Teil des Ehrentals. Dort lädt ein vom Eigentümer, dem „Internationalen Centrum für Weltmission“ angebrachtes Schild dazu ein, den Park zu besichtigen. Es lohnt sich, dieser freundlichen Einladung zu folgen, erwartet den Besucher doch der Anblick eines Juwels preußisch-klasszistischer Baukunst der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Fundamente der mittelalterlichen Burganlage unter Haus Wittgenstein

Wie mancher Ort am Vorgebirge, so ist bzw. war Roisdorf gleich mit mehreren in mittelalterliche Zeit zurückreichende Burgen oder befestigte Herrenhäusern bestückt: Die Höhenburg des sich nach Roisdorf benennenden Rittergeschlechts auf dem Donnerstein, deren als „Sterffelshof“ bezeichnete Reste im 20. Jahrhundert beseitigt wurden, daneben die heute im Stil der Spätrenaissance und des Barock sich präsentierende ehemalige Wasserburg „Wolfsburg“, sowie die mit letzterer in vielfältiger Weise verbundene Höhenburg der Familie von Metternich auf dem sog. Metternichsberg, die ihren Nachfolger in der Villa „Haus Wittgenstein“ fand.

ehem. Clarenhof

Die bis weit ins 19. Jahrhundert hinein gebräuchliche Bezeichnung „Metternichsberg“, verweist auf die Familie von Metternich, deren Roisdorfer Besitz seit der Mitte des 14. Jahrhundert bezeugt ist, wobei sich die ersten Nachrichten hierüber auf das Jahr 1335 beziehen. Damals verkauften die Erben des Herrmann von Metternich – Witwe Kunigunde und Kinder – an das Kloster St. Clara in Köln einen Hof in Roisdorf, den fortan sog. Clarenhof. Geldzahlungen hierfür war auf dem Brucher Haus zu leisten, das mit der späteren Wolfsburg identisch ist. Die Familie, die ihren Hauptsitz und Ursprung natürlich in Metternich an der Swist hatte, ist indes nicht zu verwechseln mit der namensgleichen Familie aus dem nahegelegenen Haus Velbrüggen, aus der später der bekannte Fürst Metternich hervorgehen sollte.

Haus Wittgenstein und Wolfsburg, 1867

Bestand bereits 1335 – wie der Verkauf vermuten lässt – die Burg auf dem Metternichsberg, so können diese als Höhenburg am Vorgebirgshang und der Brucher Hof als befestigter Hof in sumpfiger Ebene als zwei Anlagen in der Hand der Familie von Metternich gelten – Verhältnisse, wie wir sie auch an anderen Orten gerne finden. Metternichsberg und Brucher Hof/ Wolfsburg erscheinen so als ungleiche aber doch Geschwister.

Ab dem spätem 16. Jahrhundert sind dann die Bezeichnungen Metternichsberg, seltener auch Mertensberg, sicher für die Burganlage belegt. Man kennt einige Namen ihrer Besitzer, so den Junker Johann von Metternich, der 1582 den Brucher Hof in Herrlichkeit Alfter an Grafen Dietrich und Joachim von Manderscheid verkaufte, und Hans Hermann von Metternich, der 1599 in Roehsdorf Acker, Weingarten, Benden besaß.

Wappen der von Wolff-Bergheimerdorf

Kurzzeitig scheinen Metternichsberg und Wolfsburg in der Hand der Margarete von Wolffen, geborene Metternich zu Roisdorf, erneut vereinigt gewesen zu sein. Margarete nämlich verpachtete 1639 die beiden Anwesen, also den elterlichen Metternichsberg und die von ihrem Ehemann Werner von Wolff-Bergheimerdorf geerbte Wolfsburg an zwei Halfenpaare (Pächter). Mit diesem Pachtvertrag wird deutlich, dass man sich die Burgen dieser Zeit keineswegs lediglich als Herrensitze vorzustellen hat, sondern, gleich ob Höhen- oder Wasserburg, sondern auch und vor allem als landwirtschaftliche Güter, deren Bewirtschaftung durch Pächter/ Halfen das Einkommen der sie besitzenden Familien zu sichern hatten.

Bereits bald nach 1640 musste Margarete die Wolfsburg jedoch räumen, dies zugunsten des Bruders Werners, Wenzels von Wolff-Bergheimerdorf bzw. dessen Nachkommen, offenbar wegen der hoher Schulden, die ihr Ehemann hinterlassen hatte. Zuverlässige Nachrichten über den Metternichsberg im weiteren 17. Jahrhundert liegen nicht vor. Als Halfen sind in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Mitglieder der Familie Moll bezeugt.

Ansicht Roisdorfs von Renier Roidkin, 1730er Jahre

Aus der Zeit um 1725 stammt die ältesten Ansicht von Roisdorf, die der durchreisende flämische Zeichner Renier Roidkin angefertigte, der manche weitere rheinische Burg- und Schlossanlage oder Ortsansicht festgehalten hat. Die Dächer der Häuser des Dorfes erheben sich kaum aus den Baumkronen. Einige der Gebäude sind immerhin identifizierbar, wie ganz deutlich etwa die Dächer der Wolfsburg. Über dem Dorf gleichsam thronend und es übergroß beherrschend aber erscheint auf der Zeichnung der Metternichsberg.

Metternichsberg

Man erkennt eine Toranlage mit Wehrmauer und ein steinernes Haupthaus mit Nebengebäuden, wobei das Haupthaus, offenbar fünfachsig, ein modisches barockes Mansardendach trägt, was auf Umbauten in jüngster Zeit schließen lässt, analog den Umbauten, welche die 1721 durch Johann Jacob von Waldbott-Bassenheim erworbene Wolfsburg erfuhr, die zu einem adligen Landsitz des Barock baulich umgestaltet wurde.

Auf die Umbaumaßnahmen des frühen 18. Jahrhunderts geht so wohl auch der auf dem Bild nicht zu sehenden, aber auf der Tranchot-Karte des frühen 19. Jahrhunderts belegte Barockgarten zurück. Der Garten wurde mit seltenen Pflanzen und Bäumen bestückt, von denen sich einige bis heute erhalten haben. Nur in dieser bereits barock umgebauten Form ist für uns die Gestalt der mittelalterlichen Höhenburg Metternichsberg bekannt, die ursprünglich wesentlich wehrhafter und weit weniger idyllisch gewirkt haben dürfte.

Der Landsitz der Familie von Wittgenstein

Johann Jakob von Wittgenstein

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war das Anwesen von der Familie Metternich an die Kölner Familie Fabri übergegangen. Die Witwe von Hofrat Fabri, geb. Hilgers, sollte sich seit der Mitte des Jahrhunderts für den Bau der Roisdorfer Sebastianuskapelle zu Füßen des Metternichberges einsetzen, die schließlich 1772 geweiht werden konnte.

Wohl nach ihrem Tod kam es zum Verkauf des Anwesens an den reichen Kölner Kaufmann und Ratsherren Gerhard Erven. Der durch Umbauten wohnlich ausgestaltete Metternichsberg, damals auch "Ervensberg" genannt, diente als Sommersitz der Familie Erven. Hier verbrachte ihre Kinderjahre die Tochter Marie-Cilli, die sich zeitlebens Roisdorf besonders verbunden fühlen und sich noch als betagte Witwe des Bornheimer Tapetenfabrikanten Franz Witthoff für den Bau einer eigenen Roisdorfer Pfarrkirche engagieren sollte.

Theresia von Wittgenstein

Das Jahr 1789 wird dann als Jahr des Übergangs des Metternichsbergs an den Kölner Johann Jacob von Wittgenstein genannt, doch war die Familie Wittgenstein bereits vorher in Roisdorf begütert, wie Grundstückskäufe aus den Jahren 1747 und 1748 im Hüßbroch oberhalb der Wolfsschlucht belegen. Die Wittgensteins gehörten wie die Ervens zu den führenden Familien der mächtigen freien Reichsstadt Köln. Johann Jacob von Wittgenstein war Jurist, seit 1784 einer der Bürgermeister von Köln, nach seiner Absetzung durch die Franzosen dann 1803 zum Maire/ Bürgermeister von Köln eingesetzt. Sein Bruder Heinrich Josef von Wittgenstein sollte 1804 Marie-Cilli Erven heiraten.

Um 1800 gehörten zum Metternichsberg stattliche 115 Morgen Acker, dazu 4 Morgen Weingarten, 52 Morgen Wald. 1812 waren diese Ländereien an 13 Pächter verpachtet, zusammen 105 3/8 Th., 136 Stüber Pacht zahlend, dazu verpflichtet, jährlich 4 Malter, 1 Sester, 2 Viertel Korn, außerdem zusammen 424 Schiebkarren Mist für die herrschaftlichen Weingärten abzuliefern. Das Anwesen wurde weiterhin bewirtschaftet von „Halfen“/ „Halfwinnern“, damals einer Familie Linden, nach der - und nicht nach einer Dorflinde - der Roisdorfer Lindenberg benannt sein dürfte.

Mineralquelle 1826

Der Metternichsberg wurde zum Lieblingsaufenthalt der Familie von Wittgenstein, deren enges und altes Kölner Stadthaus sich an den Chor des Domes anlehnte. Die Familie zog jedes Jahr zwischen Obstblüte und Weinlese in die liebliche Landschaft des Vorgebirges, wo nicht zuletzt der nahe Roisdorfer Mineralbrunnen den Aufenthalt reizvoll und angenehm machte.

Eine schöne Beschreibung des Anwesens enthält die Schrift von Gustav Bischof von 1826, die mit der Hervorhebung der Schönheiten Roisdorfs dessen Mineralbrunnen in Schwung bringen will: Der Metternichsberg wird als freundliches, in leichtem Stil erbautes Landhaus gepriesen, umgeben von einem mit viel Geschmack auf dem Bergabhange angelegten Park. Bei der in dem Text gelobten „humanen Besitzerin“ des Landguts handelte es sich um Johann Jakob von Wittgensteins Witwe Theresia. Johann Jacob war drei Jahre zuvor verstorben: Sie führte das Anwesen weiter, das ihr Sohn Heinrich als Vorausvermächtnis geerbt hatte.

Heinrich von Wittgenstein

Mit Heinrich von Wittgenstein (1797-1869) nun kommt nun eine bedeutende Persönlichkeit ins Spiel, die mit ihren umfangreichen geschäftlichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten das Bild der Stadt Köln im 19. Jahrhundert in starkem Maße geprägt hat und an die man sie dort noch heute sehr lebhaft erinnert. Er war wie sein Vater von der Ausbildung her Jurist und engagierte sich u.a. im Verwaltungsrat der Preußisch-Rheinischen-Dampfschifffahrtsgesellschaft, im Komitee für die Eisenbahn Köln-Antwerpen, im Komitee für Rhein-Seefahrt-Gesellschaft, als Vorsitzender der Direktion der Köln-Mindener-Eisenbahngesellschaft, als Mitglied des Verwaltungsrats der Colonia-Versicherung. Zahlreiche kommunalpolitische Aktivitäten kamen hinzu, obwohl er das ihm angetragene Amt des Bürgermeisters ausschlug. 1848 war Heinrich von Wittgenstein Abgeordneter in der Berliner Nationalversammlung, Chef der Kölner Bürgerwehr und Kölner Regierungspräsident.

Heinrich von Wittgenstein neben König Friedrich Wilhelm IV. und Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner am Denkmal auf dem Kölner Heumarkt

Nachhaltiger aber sind bis heute sind aber weitere seiner Betätigungsfelder: So gründete er 1823 zusammen mit anderen Kölner Honoratioren das „Festordnende Komitee“, einen Vorläufer des heutigen „Festkomitees Kölner Karneval“, - dies mit dem Ziel, das als chaotisch empfundene Treiben der Narren in geordnete Bahnen zu lenken – und organisierte als Sprecher des Festordnenden Komitees den ersten Kölner Rosenmontagszug. 1842/1843 war er erster Präsident des Zentral-Dombauvereins, das den Weiterbau und schließlich die Fertigstellung des unvollendet gebliebenen Kölner Doms ermöglichte.

Die Wittgenstein'schen Kinder, 1844

Heinrich von Wittgenstein war seit 1829 mit Therese Schaaffhausen verheiratet, der Tochter des ebenso kunstsinnigen wie wohlhabenden Bankiers Abraham Schaaffhausen und aus dieser Ehe gingen 12 Kinder hervor, die nun in den Sommermonaten das Roisdorfer Haus bevölkerten, gemeinsam mit der Großmutter Therese von Wittgenstein und einer geistig behinderten Stiefschwester Heinrichs, Josepha, die den Kindern besonders nahe stand.

Badehäuschen im Park, 1940er Jahre

Es wurde eng in der alten Burganlage, so eng, dass Therese von Wittgenstein zeitweise ihre Wohnung in dem kleinen, am Weiher des Anwesens gelegenen, aus Fachwerk errichteten Badehäuschen nahm. Die kleinsten der Kinder sollen aus Platzmangel in Kommodenschubladen geschlafen haben

Der Zwirnersche Neubau

Ernst Friedrich Zwirner

Man beschloss, das enge Haus durch eine großzügigere, moderne Anlage zu ersetzen. Als Architekt konnte Heinrich hierbei, seine Verbindungen über den Kölner Dombauverein nutzend, Ernst Friedrich Zwirner gewinnen, der 1833 zum Kölner Dombaumeister befördert worden war. Zwirners Wirkungskreis war aber weit größer als der Domneubau. Das Formenrepertoire, in dem er Bauten errichtete, war dabei keineswegs auf die Neugotik beschränkt, auch wenn als eines seiner Hauptwerke neben dem Dom die Apollinariskirche zu Remagen gilt. So entwarf er Universitätsbauten, Kirchen, Schlösser und Wohnbauten in ganz Deutschland auch in an der griechisch-römischen Antike sowie an der Renaissance angelehntem Stil, auch nach byzantinischer Art, je nach Zweckbestimmung bzw. Wunsch der Auftraggeber. In Gielsdorf erbaute er für die Familie der Herren Geyr von Schweppenburg eine ländliche klassizistische Villa..

Apollinariskirche zu Remagen

Für Heinrich von Wittgenstein hatte Zwirner bereits 1838 dessen Stadthaus in der Kölner Trankgasse entworfen als Ersatz für das Wohnhaus der Familie, das nun als Sitz der Colonia-Versicherung diente und schließlich zur Freilegung des Doms an die Stadt geschenkt wurde. In den frühen 1840er Jahren beauftragte ihn Heinrich mit dem Bau seines Roisdorfer Sommersitzes als eines lichten Landhauses.

Zwirner gestaltete das Gebäude in klassizistischem Stil, d.h. in Formen, die aus der antiken Architektur übernommen worden waren. Dies geschah nicht von ungefähr, denn, klassisch gebildet, wie das Bürgertum der damaligen Zeit war, kannte es die Anwesen, auf denen die großen Männer der Antike sich ihre ländliche Ruhe gönnten, etwas das Landgut Tusculum des Cicero oder Sabinum, das Landgut des Dichters Horaz. Eine solche Anlage galt es nachzubilden. Direkte antike Zitate, die er dabei verwendete, sind so die heute nicht mehr vorhandenen Akroterien, die wie bei einem griechischen Tempel den First und die Schrägen der Giebel zierten.

Haus Wittgenstein Anfang 1860er Jahre

Im Jahre 1845 wurde Haus Wittgenstein vollendet als eine repräsentative Villa, wie sie heute noch im wesentlichen erhalten ist, und wie sie inmitten der prachtvollen Gartenanlagen erstmals in den 1860er Jahren auf einer von dem Düsseldorfer Landschaftsmaler Heinrich Deiters gestalteten Blatt der Serie der preußischen Schlösser und Herrenhäuser des Verlags Duncker zu sehen ist.

Die alte Burganlage wurde dabei weitgehend abgetragen, doch finden sich bedeutende Reste von Naturstein- und Ziegelmauerwerk noch im Gewölbe des Keller unter Nordflügel der Villa. Auch gibt es wohl noch übernommene Teile im mittleren Teil der Anlage, der, ebenso wie der mittelalterlich/ barocke Vorgänger fünf Fensterachsen aufweist. Dem Charakter des Gebäudes als Sommervilla entsprechend findet öffnet sich im Erdgeschoss ein Gartensaal mit großen Fenstern zu der vorgelagerten Terrasse, von der aus man einen herrlichen Blick über die Rheinebene genießen konnte. Vom Balkon der darüber im ersten Obergeschoss gelegenen Wohnräume hatte man einen noch schöneren Blick auf Park und Landschaft. An den mittlere, zum Garten hin vorspringenden und mit einem Giebel bekrönten Gebäudeteil schlossen sich seitliche Wohnflügel an; auch ihr Grundriss war bereits im Vorgängerbau angelegt.

Allianzwappen von Wittgenstein/ von Schaaffhausen

Neben dem Hauptgebäude umfasste das Anwesen Pferdeställe, Wagenremise, Kutscherzimmer und Geschirrkammer. Weitere Wirtschaftsräume und das Kelterhaus für den Wein, den man auf den zum Besitz gehörenden Weinbergen zog, ergänzen die Anlage. Das – aus dem 20. Jahrhundert stammende - Allianzwappen derer von Wittgenstein und von Schaafhausen mit der Jahreszahl 1845 kündet vom Erbauer und von dem Erbauungsjahr dieses Beispiels preußischer Villenarchitektur vom Feinsten.

klassizistische Ofennische

Die Einrichtung des Hauses wurde, wie berichtet wird, auf Wunsch der Hausherrin einfach und ländlich gehalten. Fußboden und Treppen bestanden lediglich aus ungestrichenem Holz. Nur in den Wohnecken unter den Sofas und Sitzen lagen Teppiche. Sehenswert bis heute im Innern: Im Erdgeschoss eine restaurierte halbkreisförmige Ofennische mit Stuckbändern, darin ein klassizistischer Kachelofen, weiß glasiert.

Nun also war Platz genug für die umfangreiche Familie samt Verwandten und Gästen, wobei die Hausherrin Therese von Wittgenstein auf strenge Ordnung des Haushalts achtete. Die Gastlichkeit der Familie war groß: die politische, wirtschaftliche, künstlerische und kirchliche Prominenz Kölns verkehrte in Roisdorf wie auch im Kölner Haus. Der eigene rote und weiße Roisdorfer Wein wurde kredenzt; stolz war man ebenso auf die Früchte aus dem eigenen Obstgarten, der auf dem unteren Parterre des Gartens angelegt war.

obere Parkterrasse

Der ca. 4 ½ ha große Park am Vorgebirgshang ist insgesamt heute nicht in gleicher Weise gepflegt und gestaltet, wie wir dies für die Barockzeit und für das 19. Jahrhundert annehmen dürfen. Das Gelände ist heute von sehr vielfältiger Gestalt und von großem Artenreichtum. Neben Wiesen und Brachflächen finden sich Bestände von Eichen, Hainbuchen, Eschen, Rosskastanien, Robinien und Berg-Ahorn. Die beiden Gartenplateaus – sie wurden in den frühen 1860er Jahren mit einer neobarocken Seitenpodesttreppe mit schönem, schmiedeeisernem Geländer verbunden – weisen in achsial-symmetrischer Anordnung seltene, unter Naturschutz gestellte Bäume aus verschiedenen Zeiten auf: So finden sich zwei Exemplare des Ginkobaums, Linden, Mammutbäume sowie mehr als 200 Jahre alte Blutbuchen, die also wohl noch aus dem Park des 18. Jahrhunderts stammen.

Wolfsburg, 1930er Jahre

Weiterhin gehörten umfangreiche Ländereien zu dem Anwesen, die alle verpachtet waren, samt einem ebenfalls verpachteten großen Fischteich. 1860 vergrößerte Heinrich von Wittgenstein den landwirtschaftlichen Betrieb durch den Erwerb der Wolfsburg. Erneut waren Metternichsberg/ Haus Wittgenstein und Wolfsburg somit wieder zusammen, diesmal aber in bürgerlichen Händen. Die Landwirtschaft oblag ebenso wie auf Haus Wittgenstein einem Pächter, ab 1862 der Familie Rech, die 1888 die Wolfsburg von Heinrichs Sohn Friedrich erwarb und bis heute bewirtschaftet bzw. bewohnt.

Einsturzstelle des Kölner Stadtarchivs 2013

Zahlreiche Dokumente zur ihrer Roisdorfer Villa gab die Familie von Wittgenstein in die Obhut des Kölner Stadtarchivs, das auch den Nachlass des Architekten Ernst Friedrich Zwirner verwahrte. Beide Bestände stürzten im Jahre 2009 mit dem Stadtarchiv in den Kölner Untergrund und sind damit wenigstens für Jahrzehnte, wenn nicht gar gänzlich, verloren. Daran hätte auch ein Erfolg der Klage, die die Familie von Wittgenstein später gegen die Stadt Köln anstrengte, nichts geändert.

Haus Wittgenstein unter den Erben Heinrichs

Roisdorfer Veteranen 1895 auf Haus Wittgenstein

Heinrich von Wittgenstein verstarb 1869. Das Roisdorfer Erbe übernahm sein zweitältester, unverheiratet gebliebener Sohn Friedrich von Wittgenstein, der dort später gemeinsam mit seiner verwitweten Schwester Sibylle lebte. Friedrich war ein Liebhaber und Sammler der Kunst, zeitweilig, wie zuvor sein Vater, im Vorstand des Kölner Dombauvereins tätig. Unter ihm war Haus Wittgenstein erneut ein Treffpunkt führender Perönlichkeiten Kölns. Heinrich war aber auch ein leutseliger Mann, der sich den Roisdorfern verbunden fühlte. So schildert ihn um 1910 die Chronik des damaligen Ortsvorstehers Wilhelm Rech, der eine Einladung der Roisdorfer Veteranen auf Haus Wittgenstein im Jahre 1895 beschreibt. Das damals aufgenommene Photo des Kriegervereins hat sich bis heute erhalten. Nur wenige Wochen nach diesem Ereignis verstarb Friedrich von Wittgenstein im Alter von 64 Jahren. Sybille von Wittgenstein wohnte bis zu ihrem Tod 1903 dort.

Letzte Roisdorfer Weinlese auf Haus Wittgenstein 1901

Auf den Weinanbau, der seit vielen Jahrhunderten nicht nur auf dem Metternichsberg/ Haus Wittgenstein, sondern überhaupt in Roisdorf betrieben wurde, verweist ein wertvolles historisches Bilddokument, eine Fotografie, die im Jahre 1901 aufgenommen wurde: Zum Abschluss der letzten Weinlese in Roisdorf hatten sich die Alfterer und Roisdorfer Weinbauern vor der Remise des Hauses Wittgenstein zu einem Gruppenbild zusammengefunden. Sie posierten vor der fahrbaren Weinpresse, mit der die Alfterer Familie Weber die Vorgebirgsdörfer abgefahren war, und die künftig keine Aufgabe mehr haben sollte. Es ist dies nicht nur das letzte, sondern das einzige fotografische Zeugnis für die seit der Römerzeit nachweisbare Weinbautradition am Vorgebirge.

Haus Wittgenstein 1928

Nach dem Tod von Sibylle von Wittgenstein wurde das Anwesen in der Familie weitervererbt. Es ging an Friedrich von Kesseler, Landrat zu Monschau, der mit Therese, einer Tochter des Otto von Wittgenstein, des jüngsten Sohnes von Heinrich von Wittgenstein, verheiratet war. An diese Familie erinnert ein am Eingang aufgestellter Grenzstein mit Initialen „vK“ und vor allem das erwähnte, mit einem kunstvollen schmiedeeisernen Gitter verschlossene Gartentor hin, das auf der Ecke Siefenfeldchen/ Ehrental einen repräsentativen Zugang zum Park bildete und die Wappen der besitzenden Familie von Kesseler aufweist.

Da Friedrichs Sohn Egon von Kesseler in Ersten Weltkrieg fiel, fungierte als sein Erbe nun Friedrich Franz Freiherr von Proff-Irnich von Kesseler (1905-1984). „Landrats Fritz“, wie er von den Roisdorfern genannt wurde, bewohnte das Anwesen, dessen hofseitiges Portal er mit dem Wappen derer von Kesseler mit der Jahreszahl 1918 zieren ließ, jedoch nicht lange selbst. Die Zeit des Anwesens als ländlicher bürgerlicher Wohnsitz ist damit zuende. Verschiedene Nutzungen lösten fortan einander ab.

Haus Wittgenstein als RAD-Lager 1/193 Roisdorf

1934 wurde in Haus Wittgenstein ein Lager das Reichs-Arbeitsdienstes „1/103 Roisdorf“ für sog. „Arbeitsmaiden“ eingerichtet. Junge Mädchen verbrachten hier ein halbes Jahr ihres Dienstes, arbeiteten im Haus selbst oder bei Bauern des Dorfes. Erhalten ist von dieser Nutzung eine mit Zeichnungen bebilderte mit launigen Sprüchen versehene Schilderung Lebens der jungen Mädchen. Die Erinnerung daran, wie sie in ihrer Ausgehuniform gleichsam militärisch durch das Dorf marschierten, gibt es in Roisdorf bis heute, ebenso an ihren seltsamen Ruf „Ah lopp lopp“. Auf Haus Wittgenstein wurden nun auch „Jungführerinnentagungen“ dort abgehalten, es gab während des Zweiten Weltkriegs Besuche von Wehrmachtsangehörigen auf Urlaub.

Prinzessin Armgard zur Lippe-Biesterfeld

Bei Kriegsende im März 1945 mussten die Arbeitsmaiden Haus Wittgenstein jedoch fluchtartig räumen. Das Anwesen wurde von englischen Besatzern beschlagnahmt und diente zunächst Behelfslazarett. 1946 bis 1952 wohnt nun dort eine bemerkenswerte Frau: Prinzessin Armgard zur Lippe-Biesterfeld, geboren 1883 als Freiin von Cramm in Bad Driburg. Armgard war in zweiter Ehe verheiratet gewesen mit Prinz Bernhard zur Lippe-Biesterfeld und Mutter von Prinz Bernhard der Niederlande, dem 2004 verstorbenen Gatten der niederländischen Königin Juliana. Von Besatzungsbehörden wurde ihr das vom Reichsarbeitsdienst verlassene, weiterhin Proff-Kesseler gehörende Haus Wittgenstein als Wohnung angeboten

Prinzessin Armgard und Oberst Pantchoulidzew beim Pferderennen in Düsseldorf

Prinzessin Armgard nahm das Angebot an und residierte fortan standesgemäß auf Haus Wittgenstein, umgeben von einem kleinen Hofstaat mit Chauffeur und „Beschließerin“. Sie galt als exzentrische Persönlichkeit: Man erinnert sich in Roisdorf noch, dass sie Zigaretten rauchend im offenen Wagen durch den Ort fuhr. Sie war eine ausgesprochene Pferdenärrin; in der Jugend hatte sie selbst erfolgreich an Turnieren teilgenommen. Ihre Leidenschaft für den Rennsport teilte sie mit dem ehem. russischen Obersten Alexis Pantchoulidzew, der als Hausfreund und Reitlehrer auf Haus Wittgenstein lebte.

Prinzessin Armgard mit Pastor Ossenbrink und Priesteramtskandidaten

Bei den Roisdorfern hat ihre Konversion zum katholischen Glauben einen tiefen Eindruck hinterlassen. Nach mündlicher Überlieferung fühlte sich die Prinzessin vom der Lärm der Glocken, die aus dem Kirchturm, gleichhoch wie das Haus Wittgenstein gelegen, herausdrang, und sie verlangte zunächst, dass die Schalllöcher zugemauert werden. Hierdurch aber kam sie mit Pastor Matthias Ossenbrink in Kontakt und es entwickelte sich ein geradezu freundschaftliches Verhältnis. In dem ausführlichen Bericht, den Ossenbrink in die Roisdorfer Pfarrchronik eintrug, ließt sich dies indes etwas anders. Dem Bericht zufolge äußerte Armgard anlässlich einer Besichtigung der besonders sehenswerten Roisdorfer Kirchenkrippe den Wunsch, katholisch zu werden. 1951 erfolgte ihre Taufe in der Pfarrkirche. Die Roisdorfer wundern sich nicht wenig über Teilnahme der Prinzessin an der Hl. Messe und Kommunion. Die Firmung erfolgte später durch Kardinal Frings persönlich in dessen Kölner Hauskapelle, wodurch die – auch durchaus politische – Bedeutung dieser Konversion eines dem traditionell protestantischen niederländischen Königshaus nahe stehenden Persönlichkeit unterstrichen wurde.

Hier mehr zur Konversion von Prinzessin Armgard

Armgard zog schließlich jedoch nach Holland. Sie verließ Roisdorf im Februar 1952, und wohnte fortan auf Schloss Warmelo in Diepenheim, Niederlande, wo sie 1971 verstarb.

Haus Wittgenstein 1950er Jahre

Nach Armgards Weggang erfolgte eine vollständige Renovierung des Anwesens bzw. dessen Umbau zum privaten Kneipp-Sanatorium des Dr. Schröder. Hiervon zeugt ein Werbeprospekt aus dem Jahre 1954: „Das Kneipp-Kurhaus auf stiller Höhe über dem Rheintal – Haus Wittgenstein Roisdorf bei Bonn“. Dort findet sich der Verweis darauf, dass schon die Römer in Roisdorf badeten (was allerdings nicht erwiesen ist), ebenso auf die Nähe zur Bundeshauptstadt und auf den Park mit der „schönsten Blutbuche des Rheintales“.

Speisesaal des Privatsanatoriums

Zum Angebot des nobel, noch mit Möbeln und Gemälden der Familie von Wittgenstein eingerichteten "Parksanatoriums" Haus Wittgenstein gehörten Waschungen, Bäder, Güsse, Wickel, Packungen, heiße Pflaster, Massagen, Darmpflege, Packungen, Höhensonne sowie die Frischzellen-Therapie nach Dr. Niehaus. Ein noch heute in verfallenem Zustand im unteren Park vorhandenes Becken diente den Kneippschen Anwendungen. Man empfahl all dies bei vorzeitigen Verbrauchs- und Altererscheinungen sowie nicht zuletzt auch als Maßnahmen gegen die "sogen. Manager-Krankheit". In 1960er und 70er Jahren wurden im Parksanatorium zudem Nervenleiden behandelt.

Parteizentrale und Bibelseminar

Aufzug im Treppenhaus von Haus Wittgenstein

Nach dem Tod von Fritz von Proff-Kesseler 1984 erfolgte der Verkauf durch die Erbengemeinschaft an den Vermögensverwaltungsverein der Partei der Grünen. Die Miterbin Angelika von Hövel, geb. Freiin von Proff-Irnich von Kesseler, galt als „den Grünen nahestehend“. Eine „Zukunftswerkstatt“, das Zentrum für eine neue politische Kultur sollte hier nun entstehen.

Der Umbau erfolgte mit großem Aufwand, zum Teil äußerst sorgfältig, zum Teil aber leider auch entstellend. Schwierigkeiten mit Denkmalpflegebehörden gab es 1987 insbesondere wegen Einbaus eines Aufzug in historischem Treppenhaus, zeitweise wurde ein Baustopp verfügt. Architekt Sauermilch, der die Leitung 1988 übernahm, klagte zudem über „innerparteiliche Strömungskämpfe und eine anfänglich dilettantische und sektiererische Bauleitung“, die Planung und Umbau behindert habe. Offenbar gab es zudem zu steuerliche Unregelmäßigkeiten, die Ende 1988 sogar den Rücktritt des Bundesvorstandes der Grünen zur Folge hatten.

Haus Wittgenstein in den 1980er Jahren

Die festliche Wiedereröffnung des Hauses erfolgte 1989 und war für viele Roisdorfer, die daran teilnahmen, ein freudiger Tag der Erinnerung und des unerwarteten Wiedersehens. Nicht eine „Zukunftswerkstatt“ wurde indes in Haus Wittgenstein eingerichtet, vielmehr wurde es zunächst Sitz der Finanzverwaltung von Bündnis 90/ Die Grünen, ebenso nutzte man es als Tagungshaus. Nur für kurze Zeit war das Haus Bundesgeschäftsstelle der Partei Bündnis 90/ Grüne, bis diese 1995 provisorisch nach Bonn verlagert wurde, um später dauerhaft nach Berlin zu ziehen.

Studenten des Bibelseminars Bonn

Bald kam es zum Verkauf an eine freikirchliche Gemeinschaft, die hier das „Internationale Centrum für Weltmission“ einrichtete. Wiederum erfolgten umfangreiche Umbau- und Renovierungsarbeiten, wobei man auch der Wiederherstellung des historischen Parks wieder verstärkte Aufmerksamkeit widmete: So wurden die barocken Gartenplateaus liebevoll wiederhergestellt. Das "ICW" feierte die Eröffnung seines Roisdorfer Hauses wiederum unter großer Beteiligung der Bevölkerung 1996.

Als Schulungszentrum für dort eingesetzte Mitarbeiter bietet das hier angesiedelte „Bibelseminar Bonn“ ein- und dreijährige Lehrgänge in Form einer Tagesschule an. Derzeit werden im Bibelseminar Bonn über 100 Tagesschüler und ca. 350 Studenten in der theologischen Abendschule, Fernschule und der Onlinebibelschule ausgebildet. Die Absolventen sind als Pastoren, Jugendreferenten, Seelsorger und ehrenamtliche Gemeindemitarbeiter tätig, sowohl in Deutschland als auch weltweit in humanitären Projekten, christlichen Gemeinden und Schulen. Zudem ist Haus Wittgenstein Sitz des freikirchlichen Hilfswerkes To All Nations.

Haus Wittgenstein 2006

Von der mittelalterlichen wehrhaften Höhenburg und den barocken Landsitz der Familie von Metternich über die bürgerlichen Villa der Familie von Wittgenstein im 19. Jahrhundert und weiter bis heute zum Ausbildungszentrum für christliche Missionare hat der Metternichsberg/ das Haus Wittgenstein im Verlauf der Jahrhunderte viele ganz unterschiedliche Nutzungen erfahren. Seine ihm von Friedrich Zwirner, einem der fähigsten preußischen Architekten des 19. Jahrhunderts, und von Heinrich von Wittgenstein, einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des Rheinlands zu dieser Zeit, verliehene Gestalt hat das Anwesen indes im Wesentlichen bewahrt.

Dank der Freundlichkeit seiner gegenwärtigen Eigentümer ist diese auch heute noch für jeden interessierten Besucher erfahrbar.