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Die Wolfsburg

Eine Erinnerung an "der Wölfe blut'ge Hord"?

Die Hoffront des Haupthauses

Unter den historischen Baudenkmälern Roisdorfs ragt die ehemalige Wasserburg "Wolfsburg" hervor, die bis vor wenigen Jahrzehnten noch nördlich des Ortes frei in der Niederung des Siefenfeldchens gelegen war. Heute ist sie von moderner Bebauung umgeben, und selbst das schmucke Gitter, das dazu gedacht war, sie samt ihrem Parkgelände zur baulichen Nachbarschaft hin abzuschließen, vermag nur noch unvollkommen, ihr den angemessenen eigenen Raum zu sichern.

Der Name der "Wolfsburg" war seit jeher Anlass zu Mutmaßungen über ihren Ursprung und so soll dieser gemäß einer alten Sage auf "der Wölfe blut'ge Hord" zurückgehen, die vor urdenklichen Zeiten das Vorgebirge unsicher machte. Die historische Wahrheit ist zweifellos weniger schaurig doch harrt die viel hundertjährige und wechselvolle Geschichte der Burg immer noch einer gründlicheren Erforschung.

Diese kann auch hier nicht geleistet werden, doch sei das, was zur Zeit mit einiger Sicherheit über die Vergangenheit der Wolfsburg gesagt werden kann, im Folgenden kurz zusammengefasst.

Die Wolfsburg als wehrhafte Wasserburg

Ansicht Roisdorfs von Renier Roidkin, 1730er Jahre

Obwohl Roisdorf stets nur ein bescheidenes Dörfchen am Fuß des Vorgebirges darstellte, war die Wolfsburg doch keineswegs die einzige hier befindliche Burg. Gleich drei Burganlagen gab es im Mittelalter und der frühen Neuzeit – neben der Wolfsburg als Wasserburg noch zwei Höhenburgen, die Burg der ritterlichen Herren von Roisdorf auf dem Donnerstein und die Burg der Familie von Metternich auf dem Metternichsberg, an der Stelle des heutigen Hauses Wittgenstein.

Mehrere Burgen in einem Dorf finden sich auch an anderen Orten des Vorgebirges, wobei die Dichte der Burgen durch die besondere Fruchtbarkeit des Bodens bedingt war: Je ertragreicher eine Landschaft, desto mehr musste man sich gegen umherziehende räuberische Horden und Kriegsleute schützen, desto enger rückten daher die Burgen aneinander. Ursache sind aber auch die vielfältigen und kleinteiligen Herrschafts- und Besitzverhältnisse am Vorgebirge. Erst allmählich bildeten sich Herrlichkeiten und Ämter als feste herrschaftliche Strukturen heraus. Aus den Höfen begüterter Familien wurden befestigte Sitze, von denen aus landesherrliche Funktionen ausgeübt wurden, andererseits konnten Burgen nach dem Verlust dieser Funktionen auch wieder zu einfachen Gehöften herabsinken.

Wolfsburg von der Bachseite gesehen

Dass die Wolfsburg früher eine von Wassergräben umgebene Anlage war, ist noch heute zu erahnen, wenn man sich ihr - und dies ist auch der historische Zugang - von Osten her nähert und den Alfter-Roisdorfer Bach, den sog. Mühlenbach, überquert. Zwar ist die kleine Brücke noch recht neu und verläuft der Bach erst seit wenigen Jahrzehnten so unmittelbar an der Wolfsburg vorbei, doch kann man sich gut vorstellen, dass der Bach einst aufstaut bzw. in Gräben ganz um die Burg herum geleitet wurde.

Vor der baulichen Erschließung des Gebiets zwischen Bonner Straße und Siefenfeldchen ab den 1960er Jahren war die Lage der Wolfsburg in der feuchten Niederung vor dem Vorgebirgshang, Teil des von Bonn bis Brühl sich hinziehenden verlandeten Rheinarms, der sog "Gumme", noch weit besser erkennbar. Südlich der Burg breitete sich ein undurchdringliches Sumpfgebiet namens „Lüüsch“ aus.

"Alter Weiher", Wolfsburg ganz am linken Rand zu sehen

Nördlich an die Wolfsburg anschließend gab es bis in die 1920er Jahre den sog. „Alten Weiher“, der bis zum Gelände des heutigen Bornheimer Schwimmbads reichte. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts erstmals erwähnt, diente der in der Barockzeit geometrisch angelegte Weiher bis ins 19. Jahrhundert hinein der intensiven Fischzucht.

Mitten in der Niederung und sozusagen im Schatten der Wolfsburg suchte in früheren Jahrhunderten ein kleiner Weiler seinen Schutz, der heute völlig verschwunden ist, und den man nur als Flurnamen kennt: Das Dörfchen "Grippekoven", das in der Nähe der Wolfsburg und östlich des Alten Weihers gelegen haben muss.

Wolfsburg, dahinter "Wohnpark Wolfsburg"

Die Wolfsburg verkörpert den Urtyp der rheinischen Wasserburgen in vorbildlicher Weise, den man bereits bei den frühmittelalterlichen Motten finden kann. Charakteristisch ist nämlich die Unterteilung in Vor- und Hauptburg: Die hufeisenförmige Vorburg als Wirtschaftshof, mit einem Wassergraben von der Hauptburg getrennt, aber von ihr einsehbar. Die Vorburg diente der Aufnahme von Vorräten und der Unterbringung der Pferde und des Viehs sowie des Gesindes bzw. des Trosses. Die Hauptburg fungierte als Wohnsitz des Burgherrn und im Ernstfall als letzte Rückzugsmöglichkeit der Verteidiger.

Wir sehen also auch bei der Wolfsburg die Hauptburg deutlich getrennt von den vorgelagerten Wirtschaftsgebäuden der Vorburg, auch wenn der nördliche Flügel der Vorburg heute fehlt. Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren Hauptburg und Vorburg von eigenen Wassergräben umgeben, waren beide Teile der Burg mit einer Brücke, wohl mit ehemals einer Zugbrücke, miteinander verbunden.

Belagerung der Burg Poppelsdorf im Truchsessischen Krieg

Die Verteidigungs- und Schutzfunktion der Wolfsburg dürfte man in Kriegszeiten, die in Spätmittelalter und früher Neuzeit keineswegs selten waren, gerne genutzt haben. Als Beispiel sei etwa das Jahr 1468 genannt. Damals waren es die Truppen des Erzbischofs Ruprecht von der Pfalz, die Alfter abbrannten und wohl auch Roisdorf nicht verschonten, 1474 waren es die Kölner Bürger, die durch ihre Söldner die Orte von Brühl bis Bonn niederbrennen ließen. Im sog. Truchsessischen Krieg 1583 überfielen die Anhänger des wegen des Übertritts zum Protestantismus abgesetzten Erzbischofs Gebhard Truchsess von Waldburg die Herrlichkeit Alfter, zu der auch Roisdorf gehörte, raubten die Bewohner aus und brannten anschließend alles nieder. Ob damals die Wolfsburg regelrecht belagert wurde, wie dies bei der Burg Poppelsdorf bei Bonn der Fall war, ist nicht bekannt aber durchaus möglich.

Neben den offiziellen Kriegszügen gab es zu allem Überfluss immer wieder Übergriffe von marodierenden Freibeutern, die das Land unsicher machten. Auch hier dürften die Wassergräben und massiven Mauern der Wolfsburg gute Dienste geleistet haben.

Bauliche Entwicklung

Backstein und Haustein am Torhaus der Wolfshurg

Mittelalterliche Burgen wurden in der Regel aus den Materialien gebaut, die man vor Ort vorfand. Sie aus Stein zu errichten, war für eine steinarme Gegend wie das Vorgebirge meist zu kostspielig. Die Burgen hier, seien es Höhen- oder Wasserburgen, bestanden daher noch bis weit in hohe Mittelalter hinein weitgehend aus Holz bzw. Fachwerk. Ab dem 13. Jh. ging man zum Backsteinbau über. Anlagen aus Holz wurden mit Backsteinmauern verstärkt, Fachwerk statt mit Lehm ausgefüllt nun mit Backsteinen ausgemauert. Ab dem 14. Jh. setzte sich der Backsteinbau dann vollständig durch. Lediglich für besondere architektonische Gliederungen wie Fensterrahmungen, Portaleinfassungen, Kamineinfassungen oder Eckquaderungen nahm man Haustein. Die Burgen waren in der Regel verputzt, um so dem Gegner nicht Schwachstellen der Mauern zu offenbaren. Dies ist auch für die Wolfsburg anzunehmen, die von vornherein als Backsteinbau errichtet worden zu sein scheint.

Auch bei der Wolfsburg lässt sich die Entwicklung gut ablesen, die sich an manchen Burgen der Umgebung findet: Entsprechend dem Fortschritt der Waffentechnik im späten Mittelalter, d.h. der Einführung der Armbrüste, wurden an die einfachen rechteckigen Wohntürme seitliche Flügel angebaut, von denen aus man die Flanken des Gebäudes besser bestreichen konnte. Es entstanden so zunächst zweiflüglige, hakenförmige Anlagen, die später zu drei- oder vierflügligen Anlagen erweitert wurden.

Erhaltene Baufugen der Hauptburg der Wolfsburg lassen erkennen, dass deren südwestliche Ecke den ältesten Teil der Anlage bildet. Von diesem schlichten quadratischen oder rechteckigen Wohnturm haben sich große Teile im aufgehenden Mauerwerk erhalten. Der Wohnturm wurde später zu einem Winkelbau ausgebaut, wahrscheinlich mit einem Treppenhaus im inneren Winkel, wie er bei anderen Burgen der Umgebung bis heute erhalten geblieben ist. Bei der Wolfsburg blieb man aber dabei nicht stehen, vielmehr wurde der Winkelbau schließlich durch die Einstellung der südöstlichen Ecke zu dem Dreiflügelbau auf quadratischem Grundriss ausgebaut, den wir heute noch sehen.

Jahreszahl 1626

Wann dieser Ausbau abgeschlossen wurde, lässt sich leicht an der Hofseite des neuerbauten Teils der Hauptburg ablesen: Die Eisenanker, welche die Holzbalken des Dachgeschosses festhalten, sind als Ziffern gestaltet und bilden die Jahreszahl „1626“. Damals also erhielt die Wolfsburg im wesentlichen ihre heutige Form, bei der besonders die kunstvoll abgetreppten und geschweiften Giebel als charakteristische Bauelemente der rheinischen Spätrenaissance erscheinen.

In welche Zeit die früheren Um- und Ausbauten zu datieren sind, könnte allenfalls eine detaillierte Bauaufnahme ermitteln, die jedoch bis heute aussteht.

Der "Brucher Hof"

Burg der Alfterer Grafen

Damit kommen wir zu der Frage, in welcher Zeit die Wolfsburg erstmals erbaut wurde. Leider gibt es hierzu keine zeitgenössischen Quellen. Der „Rheinische Antiquarius“, eine von Johann Christian von Stramberg ( 1785-1868) in der Mitte des 19. Jahrhunderts angelegte Sammlung von Nachrichten zu rheinischen Adelsgeschlechtern, gibt an, dass die Herren von Wolf, aus Bergheimerdorf (heute Bergheim an der Erft) den Grund und Boden für den Bau der Wolfsburg erwarben, als Johann von Wevelinghoven Herr von Alfter war. Nun war zwar niemals ein Johann von Wevelinghoven Herr von Alfter, doch ist wohl gemeint Wilhelm von Wevelinghoven, der vor 1418 die Alfterer Erbtochter Ricarda heiratete und so in den Besitz von Schloss und Herrlichkeit Alfter samt dem Kölner Erbmarschallamt kam. 1461 ging all dies an seine Tochter Irmgard und seinen Schwiegersohn Johann VI. Graf von Salm-Reifferscheidt und Dyck über. Die Nachricht des Rheinischen Antiquarius verweist also auf die Mitte des 15. Jahrhunderts, und so wird bisweilen 1440 als Erbauungsjahr der Wolfsburg angegeben. Schon wegen des falsch angegebenen Vornamens des Alfterer Herren muss man jedoch davon ausgehen, dass Johann Christian von Stramberg keine Originalquelle vorgelegen hat.

Ansicht des Haupthauses von Nordwesten

Eine andere Überlieferung erscheint glaubwürdiger: In einem Verzeichnis der Ländereien des Erzstifts Köln, das 1733 zum Zweck einer Steuerumlage erstellt wurde und dessen Angaben sich auf die Zeit um 1600 beziehen, findet sich die Angabe: „Wilhelm Wolff hat in der Herrlichkeit Alffter zu Roßdorf seinen adtlichen Sitz, genannt Brucher Hoff“.

Wilhelm von Wolff-Bergheimerdorf und seine Frau Clara von Siegenhoven gen. Anstel sind für diese Zeit auch aus anderen Quellen als in Roisdorf bzw. in der Herrlichkeit Alfter ansässig bezeugt. Mit Wilhelm und Clara sind damit erstmals konkrete Namen von Angehörigen der Familie Wolff bekannt, die im folgenden Jahrhundert auf der Burg bezeugt ist und von der die „Wolfsburg“ auch ihren heutigen, allerdings erst ab dem 18. Jahrhundert belegten Namen hat.

Clarenhof, 1950er Jahre

Der ältere Name des Anwesens ist indes bereits für weit frühere Zeit bezeugt. In einem 1468 angelegten Verzeichnis der Güter des Klosters St. Clara in Köln wird erwähnt, dass das Kloster „up bruchen huis gelden“ müsse, also gewisse Abgaben zu leisten habe, und zwar für den Hof, den es in Roisdorf besaß, den vielen noch aus eigener Anschauung bekannten Clarenhof. Dieser war dem Kloster im Jahr 1351 von Cunigunde von Metternich, der Witwe des Hermann von Metternich, und Schwägerin des Alfterer Marschalls Johann sowie ihren Kindern übertragen worden, und so bezieht sich auch die Angabe des Güterverzeichnisses auf die Mitte des 14. Jahrhunderts. Demnach hat also bereits damals in Roisdorf das später Wolfsburg genannte Anwesen bestanden, welches der Familie der Herren von Metternich, auf dem Metternichsberg residierend und nahe verwandt den Alfterer Rittern, gehörte. Dass es 1468 als "huis"/Haus bezeichnet wird, lässt erkennen, dass es als wehrhaften Charakter besaß. war die Bezeichnung "huis" doch solchen Anlagen vorbehalten.

Haus Wittgenstein (Metternichsberg) und Wolfsburg nach Graf Mörner 1867

Metternichsberg und Brucher Hof bildeten damit zwei befestigte Anlagen in der Hand einer Familie: Eine Höhenburg und ein zugehöriger wehrhafter Hof in der Niederung. Beide waren also bereits im 14. Jahrhundert sozusagen Geschwister, und als solche werden sie auch in folgenden Jahrhunderten immer wieder erscheinen.

Für das Jahr 1518 wird ein „Peter up bruechen hoff“ erwähnt, also wohl ein Pächter. Im Jahr 1582 verkauft, und dies ist die nächste konkrete Nachricht, der Junker Johann von Metternich das Brucherhaus zu Roisdorf in der Herrlichkeit Alfter an die Grafen Dietrich und Joachim von Manderscheid. Von diesem muss die Familie der von Wolff- Bergheimerdorf den Hof um das Jahr 1595 - also nicht bereits in der Mitte des 15. Jahrhunderts - erworben haben.

in der Wolfsschlucht

Die Benennung „Brucher Hof“ erstaunt nicht, lag dieser doch genau gegenüber dem Ausgang des heute noch so genannten „Broichs“, eines steilen Einschnitts im Vorgebirgshang, der später wohl wegen seines wild-romantischen Charakters auch als „Wolfsschlucht“ bezeichnet wurde, ein sogenannter „Siefen“, dem das „Siefenfeldchen“ über das man heute die Wolfsburg erreicht, seinen Namen verdankt.

Wappen der Freiherren von Wolf nach Ernst von Oidtmann

Die auf Wilhelm (+ 1623) und seine Frau Clara (+ ca. 1640) folgenden Generationen sind gut bekannt. So ist für das Jahr 1636 ihr Sohn Werner von Wolff-Bergheimerdorf zu Roisdorf bezeugt. Ihm, vielleicht aber auch bereits Wilhelm und Clara, dürfte somit auch der genannte, sicher in das Jahr 1626 zu datierende umfassende Umbau des Haupthauses der Wolfsburg im Stil der Spätrenaissance zuzuweisen sein.

"Haus Roisdorf" der Herren von Wolff

Ansicht von Süden

Werner von Wolff-Bergheimerdorf war verheiratet mit Maria Anna Margarethe, einer geborenen Metternich zu Roisdorf, und er starb vor 1639, da in diesem Jahr Anna Margarethe als seine Witwe erscheint. Von dieser nun liegt ein aufschlussreiches Dokument vor, und zwar ein Vertrag, den sie 1639 mit zwei Paaren, Heinrich Moll und Sibilla Klein sowie Franz Nellis und Katharina Quester, über die Verpachtung eines in der Herrlichkeit Alfter binnen Roisdorf gelegenen Anwesens auf zwölf Jahre schloss. Dieses Anwesen wird im Vertrag als „Burg und neuer Hof“ bezeichnet. Es umfasst Ländereien „zum Haus gehörig“ und Ländereien „zum Oberhaus gehörig“, dazu Baumgarten und ein Morgen Benden am Brunnen. Ausgestellt wird die Urkunde auf „Haus Roisdorf“.

Auf welches Anwesen bezieht sich nun die Verpachtung und welches ist "Haus Roisdorf"? In Frage kommen sowohl die Wolfsburg, das Erbe des Ehemannes der Maria Anna Margarethe, als auch der Metternichsberg, das Erbe ihrer Eltern. Beides dürfte zutreffen, sind es doch gleich zwei Halfenpaare, an die das Anwesen verpachtet wird. Es liegt nahe, das „Haus“ mit der Wolfsburg und das „Oberhaus“ mit dem Metternichsberg zu identifizieren. Damit wären durch Maria Anna Margarethe von Wolff-Bergheimerdorf, geb. von Metternich zu Roisdorf, die beiden Roisdorfer Burganlagen nach wenigen Jahrzehnten der Trennung wiederum in der Hand einer Familie, diesmal der Herren von Wolff-Bergheimerdorf, vereinigt worden.

Sterffelshof auf dem Donnerstein

Übrigens gehörte diesen auch, wie das Verzeichnis von 1733 bereits für Wilhelm von Wolff vermerkt, der Sterffelshof, also der alte Sitz der ritterlichen Herren von Roisdorf im Oberdorf. Seit wann Wilhelm bzw. seine Familie den Sterffelshof besaß, ist nicht bekannt. Auch wenn dieser Hof 1623 als ganz verfallen bezeichnet wird, war es dennoch wichtig, ihn innezuhaben: Mit ihm waren schließlich die einträglichen Rechte am in Roisdorf erhobenen Zehnten verbunden. Den Sterffelshof samt dem Zehnten brachte allerdings 1647 das Bonner Stift St. Cassius an sich und erst 1708 sollten die Angehörigen der Familie von Wolff-Bergheimerdorf in einem Vergleich auf alle Ansprüche am Sterffelshof und den Zehnten zugunsten des Cassiusstiftes verzichten.

Die Burg der Herren von Walbott-Bassenheim

Burg Bornheim

Von Maria Anna Margarethe ging die Wolfsburg indes nicht an ihre bzw. Werners Kinder aus erster Ehe über, sondern, offenbar wegen hoher Verschuldung Werners, an dessen Bruder Wenzel von Wolff-Bergheimerdorf und dann wiederum dessen Sohn Adam Werner und seine Ehefrau Maria Catharina von Iven. Deren Sohn wiederum, Johann Adam von Wolff-Bergheimerdorf, starb kinderlos im Jahre 1721, und er bestimmte zuvor, die Gründe hierfür sind nicht bekannt, testamentarisch den Bornheimer Burgherren Johann Jakob von Walbott-Bassenheim, zum Erben. An diesen ging somit 1721 die Roisdorfer Wolfsburg und offenbar auch die Burg auf dem Metternichsberg über.

Der Besitzwechsel von 1721 ging indes nicht ohne Streitigkeiten vor sich, fühlte sich doch Johann Jakobs Schwester Catharina Margarethe, eine verheiratete Freifrau von Wolf zu Gangelt, in der Erbfolge übergangen.

Wolfswappen

Da Catharina Margarethe ihre Ansprüche aber letztlich nicht durchsetzen konnte, blieben für das weitere 18. Jahrhundert die Bornheimer Burgherren Eigentümer der Wolfsburg. Das kunstvoll geschwungene Gitter im Oberlicht des Portals des Haupthauses zeigt die Jahreszahl des Besitzwechsels "1721" an und es enthält zudem das Ehe-/Allianzwappen von Johann Jakob von Walbott-Bassenheim und der aus Liblar stammenden Maria Anna von Wolff genannt Metternich zur Gracht: Das sog. Mühlenradwappen der Walbott-Bassenheim und das Wolfswappen der Wolff-Metternich.

Der schwarze Wolf, der dort heute zu sehen ist, hat mithin – was erstaunen mag – nichts damit zu tun, dass die ganze Anlage „Wolfsburg“ heißt, ist er doch nicht etwa das Wappentier der von Wolff-Bergheimerdorf, sondern das einer ganz anderen, eben zufällig gleichfalls „Wolff“ heißenden Familie, die weder mit den Herren von Wolff-Bergheimerdorf noch mit den Herren von Metternich zu Roisdorf verwechselt werden darf und die die Burg auch nie besessen hat.

Die Wolfsburg als barocker Landsitz

Metternichsberg, ca. 1735, davor erkennbar das Dach des Clarenhofs

Allmählich wurden die Zeiten, zumindest im Erzstift Köln, friedlicher, so dass sich die ländlichen Adelssitze einer nach dem anderen in barocke Schlossanlagen verwandelten. Insbesondere in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts eiferten die adligen Familien des Vorgebirges den baulichen Aktivitäten nach, welche die Kölner Kurfürsten in Bonn und Brühl entfalteten. So wurde in Alfter, Bornheim, Sechtem, Rösberg und Walberberg eine Burg schöner als die andere in barocker Manier ausgebaut und herausgeputzt.

Auch die alte Burg auf dem Metternichsberg erhielt damals ein neues Gesicht: Man versah dort nicht nur die Hauptburg mit einem modischen Mansardendach, sondern legte auch einen großzügigen Park an, den man mit wertvollen exotischen Bäumen schmückte.

Portal und Fenster der Wolfsburg vom Umbau nach 1721

Auf der neu erworbenen Wolfsburg muss Johann Jakob von Walbott-Bassenheim-Bornheim alsbald Baumaßnahmen in Angriff genommen haben. Diese bestimmen bis heute, neben dem Umbau des Werner von Wolff-Bergheimerdorf von 1626, ganz wesentlich das Erscheinungsbild der Anlage. Die Veränderungen am Haupthaus waren indes eher zurückhaltend. Er behielt die Dach- und Giebelformen der Spätrenaissance bei und ließ lediglich, um der Anlage eine gefälligere Wirkung zu geben, die Fenster des Gebäudes ringsum auf eine einheitliche Größe und Form bringen. An manchen Stellen kann man im Mauerwerk noch immer die Entlastungsbögen und sonstige Reste der vor- und frühbarocken Fensteröffnungen erkennen. Es entstand auch das heutige Portal des Haupthauses, in dessen Oberlicht das vorhin erwähnte eheliche Allianzwappen zu sehen ist.

barockes Torhaus

Das gleiche Allianzwappen schmückt auch die Wetterfahne auf dem Torhaus der Vorburg, denn diese wurde damals wohl weitgehend auf den mittelalterlichen Fundamenten, aber doch in völlig veränderten Formen neu errichtet. Das Torhaus, das von einem hübschen Mansardendach bedeckt wird, bildet das am repräsentativsten gestaltete Element der Vorburg, was sich daraus erklärt, dass sich der Besucher der Burg damals vor allem von Osten, also von der Bonner Straße aus, und nicht, wie heute, vom Siefenfeldchen aus näherte.

Man hat aufgrund der aufwändigen Form des Torhauses vermutet, dass es sich um ein Werk des Architekten Johann Georg Leydel (1721-1785) handle, wie der Landadel auch andernorts gerne die an den kurfürstlichen Bauten der Umgebung tätigen Baumeister für die Umbauten der eigenen Burgen verpflichtete, doch ist dies im Fall der Roisdorfer Wolfsburg kaum möglich, da das Torhaus bereits auf der Zeichnung von Renier Roidkin (1684-1741) aus der Mitte der 1730er Jahre deutlich erkennbar ist.

Scheune mit Fischweiher

Weiteres, zumindest in seinen äußeren Formen erhaltenes Element der neu errichteten Vorburg ist die große, im Süden gelegene Scheune, deren barocker Charakter durch das vom Mansardendach abgeleitete angedeutete Walmdach bewirkt wird. Diese Dachform findet sich auch an manchen Bauernhäusern des Vorgebirges aus dieser Zeit.

Ein Walmdach wies einst auch das nördliche Gegenstück zum Scheunenbau auf, ein Gesindehaus, das heute fehlt, so dass die ursprüngliche Symmetrie der Anlage leider empfindlich gestört wird. Es handelte sich hierbei um ein stattliches Fachwerkgebäude, das indes etwas geringer dimensioniert war als der Scheunenbau. Da es in den benachbarten Teich zu rutschen drohte, wurde es 1837 abgetragen. Hierzu unten mehr.

Landwirtschaft im 18. Jahrhundert

Natürlich residierten die Inhaber der Herrlichkeit Bornheim, Herren von Walbott-Bassenheim-Bornheim, nicht auf der Wolfsburg, sondern auf der schlossartig ausgebauten Bornheimer Burg. Die Wolfsburg wurde, wie dies üblich war, landwirtschaftlichen Pächtern überlassen, sog. Halfen oder Halfwinnern - ein Begriff, der sich von der Ablieferung der Hälfte der Erträge an die Verpächter herleitet.

Für das Jahr 1730 ist die Verpachtung der Wolfsburg an die Eheleute Gerhard Walraff bezeugt. Diese bewirtschafteten allerdings nur einen geringen Teil der zur Wolfsburg gehörenden Ländereien samt Weingärten und Busch selbst. Der größte Teil wurde an verschiedene Landwirte in Roisdorf und Bornheim weiterverpachtet.

Haupthaus von Süden

Von dem Halfenpaar Walraff ging die Pacht der Wolfsburg an deren Tochter Catharina über, die mit einem Johannes Rodt verheiratet war. Catharina und Johannes besaßen als Eigentum einen Hof in der Brunnenstraße, der erst Anfang der 1990er Jahre wegen Baufälligkeit abgetragen wurde. Eine Inschrift über der Eingangstüre nannte dort das Ehepaar Rodt/ Walraff als Erbauer und das Jahr 1787 als Erbauungsjahr. Johannes Rodt starb übrigens 1795 in den der französischen Revolution folgenden Kriegen, wobei eine zeitgenössische Notiz vermerkt, dass er sich durch Schrecken einen frühen Tod zugezogen habe.

Als Halfen auf der Wolfsburg gehörten die Walraff/ Rodts zu den reichsten und angesehensten Bewohnern Roisdorfs – ähnlich den Halfen des benachbarten Clarenhofs, der Familie Cronenberg/ Kuhl/ Bergerhausen, oder auch der Halfenfamilie Klein auf dem Dietkirchener Hof im Oberdorf. Auch hier gingen die Pachtverträge, die stets auf zwölf Jahre befristet waren, von einer Generation zur nächsten über, wobei sich der Name der Familie bisweilen durch Einheirat änderte.

Der Streit um die "Koppeljagd"

Karte der Herrlichkeiten Bornheim und Alfter im 18. Jh., Lage der Wolfsburg blau markiert

Die Wolfsburg war zwar innerhalb der Grenzen der Herrlichkeit Alfter gelegen, doch stieß sie direkt an die Herrlichkeit Bornheim an. Diese Lage sowie die Tatsache, dass sie ab 1721 dem Bornheimer Burgherrn gehörte, musste auf Dauer zu Spannungen zwischen den benachbarten Herrlichkeiten bzw. ihren Inhabern, den Bornheimer Freiherren von Walbott-Bassenheim und den Alfterer Grafen von Salm-Reifferscheidt-Dyck führen.

Solche Streitigkeiten um Hoheitsrechte des einen über im Gebiet des anderen liegenden Besitztümer hatte es bereits in der Zeit um 1500 gegeben. Damals hatten die Alfterer Grafen Besitzungen am "Ludenschorn" genannten Hang des Siefenfeldchens, die bereits im Gebiet der Herrlichkeit Bornheim lagen, im Rahmen eines Bannbegangs einfach annektiert und damit die Grenze zwischen Alfter und Bornheim, die ursprünglich durch die Wolfsschlucht verlief, um mehrere 100 Meter nach Norden verschoben. Hier befindet sich die Grenze zwischen Roisdorf und Bornheim heute noch.

Jagd im 18. Jahrhundert

Nun, in den frühen 70er Jahren des 18. Jahrhunderts, holten die Bornheimer sozusagen zum Gegenschlag aus. Vordergründig ging es um die Frage der Koppeljagd, also der Jagdrechte, die der Bornheimer Burgherr Clemens August von Walbott-Bassenheim als Eigentümer der Wolfsburg in dem sie umgebenden Gebiet, mithin innerhalb der Alfterer Herrlichkeit, beanspruchte. Wie er 1772 dem Alfterer Grafen schrieb, stehe ihm „hinsichtlich des Rittersitzes Roisdorf ... zweifelsfrei die Koppeljagd bis hinter seine Wolfsburg zu“, die Jagd sei „der Roisdorfer Burg, genannt Wolfsburg, anklebig“.

Der Alfterer Graf bestritt dies vehement, sah er hierin doch zutreffend einen tiefen Eingriff in seine hoheitlichen Rechte. Wenn sich die Auffassung durchsetzen sollte, dass die Wolfsburg „die Roisdorfer Burg“, gar ein „Rittersitz“ war, so war sie womöglich überhaupt kein Teil der Alfterer Herrlichkeit mehr.

Wappen des Hochmeisters Paul von Rusdorf

Es kam zum Prozess. Der Graf berief sich auf das im Jahre 1623 aufgezeichnete Alfterer Weistum, dem zufolge die damals befragten Schöffen geäußert hatten, dass „ der Herrn von Roisdorf Stock- und Stammgüter, so ganz verfallen (seien), und es sei nicht mehr wissig, wer des Herrn von Roisdorf Gut hat.“ Der Graf folgerte: „Kein Mensch weiß mehr, wo die Roisdorfer Burg gestanden hat“. Wenn dem so war, dann konnte die Wolfsburg eben nicht ritterlicher Sitz der Herren von Roisdorf und damit die Roisdorfer Burg sein.

Nun dürfte es sich bei den verfallenen Gütern des Herren von Roisdorf, von denen das Weistum spricht, um den sog. Sterffelshof auf dem Donnerstein gehandelt haben, der zur Zeit des Weistums den auf dem Brucher Hof/Wolfsburg residierenden Herren von Wolff-Bergheimerdorf gehörte, was - entgegen der Darstellung des Weistums - durchaus bekannt gewesen sein dürfte. Offenbar sahen diese sich aufgrund dieses Eigentums als legitime Nachfolger der Roisdorfer Ritter und betrachteten ihren eigenen Wohnsitz, den Brucher Hof, als „adligen Sitz“. Als solcher wird er ja auch in der die Verhältnisse der Zeit Wilhelms von Wolff wiedergebenden Güterbeschreibung von 1733 bezeichnet.

Wolfsburg von Osten nach Roidkin, 1730er Jahre

Die Begründung der Alfterer Grafen war mithin schwach. Der Bornheimer Burgherr konnte bessere Argumente vorweisen. Zum einen brachte er mehrere Zeugen, Bornheimer Jäger und Fasanenmeister, dafür bei, dass die Koppeljagd der Besitzer der Wolfsburg seit jeher von den Alfterer Grafen ungehindert gewesen sei. Entscheidend wurde indes, dass die kurkölnische Hofkanzlei eine Bescheinigung ausstellte, der zufolge, „... die Herren Wilhelm und Werner von Wolffen und Johann Jacob und Klemens von Walbott wegen der Wolfsburg seit Vordenklichem gemäß den Landtags Verfölgeren von 1595 bis 1763 Jagdrecht haben“. Schließlich musste auch der Vogt des Alfterer Grafen zugestehen, dass in den Kurkölnischen Matrikeln die Wolfsburg als landtagsberechtigter Rittersitz eingetragen sei.

Damit hatte sich der Bornheimer Burgherr durchgesetzt und so erging 1773 der Befehl, dass die Roisdorfer Koppeljagd des Herrn von Bornheim geschützt werde. Dies bedeutete jedoch, dass aber auch die Wolfsburg de facto aus der Herrlichkeit Alfter herausgelöst und der Herrlichkeit Bornheim eingegliedert wurde. "Die Burg Wolfsburg bei Roisdorf ist zwar auf Grundstücken der Herrschaft Alfter erbaut, aber auch ganz aus dem Verband der Herrschaft getrennt worden", sollte dementsprechend korrekt später der erwähnte "Rheinische Antiquarius" angeben.

Revolutionstruppen auf Bonner Markt

Der Streit um die Koppeljagd ist nicht nur besitzgeschichtlich oder kulturhistorisch interessant, sondern vor allem darum, weil er in die Vorgeschichte der verwaltungsmäßigen Abtrennung Roisdorfs von Alfter und der Zuweisung zur Bürgermeisterei Waldorf/ Bornheim im Jahre 1798 gehört. Diese vollzog sich zwar bereits unter der französischen Besatzung, doch hieß der erste von den Franzosen eingesetzte Maire, d.h. Bürgermeister, von Waldorf, nicht von ungefähr Max Friedrich Freiherr von Walbott-Bassenheim und er war der vormalige Bornheimer Burgherr, Sohn des Clemens-August von Walbott-Bassenheim.

Vielleicht überspitzt kann man sagen, dass, wäre der Streit um die Koppeljagd bei der Wolfsburg zugunsten der Alfterer Grafen ausgegangen, Roisdorf heute nicht zur Stadt Bornheim, sondern zur Gemeinde Alfter gehören würde.

Die Wolfsburg als Restaurationsbetrieb

Maria Felicitas Augusta von Walbott-Bassenheim zu Bornheim, Äbtissin von St. Quirinus in Neuss

Damit sind wir nun im 19. Jahrhundert angekommen, in der die Wolfsburg gänzlich anderen Bestimmungen als bisher zugewiesen werden sollte. Als letzte Vertreterin der Familie von Walbott-Bassenheim lebte hier die Äbtissin Maria Felicitas Augusta, die von den Franzosen aus ihrem Stift St. Quirinus in Neuß vertrieben worden war und bei ihrem Bruder Max Friedrich Zuflucht gefunden hatte. Bei ihr auf der Wolfsburg lebte ein vormaliger Neußer Kanonikus namens Max Friedrich Kux.

Die Äbtissin starb im Alter von 68 Jahren und fand standesgemäß in der Alfterer Pfarrkirche St. Matthäus ihre letzte Ruhestätte. In der Folge gerieten die Angehörigen der Familie Walbott-Bassenheim-Bornheim in einen jahrelang währenden Erbstreit um die Besitzungen in Bornheim, Roisdorf und Olbrück, die mit einem Verkauf endeten. Die Wolfsburg war nun kein adliger Rittersitz mehr, sie wurde bürgerlich: Man veräußerte sie an einen Kölner Grundstücksmakler, den Geheimrat Wilhelm Butte.

Roisdorfer Mineralbrunnen 1826

1826 erwarb sie ein Mann, der sich vielfältig als Geschäftsmann und als Politiker betätigte: Der aus Elberfeld stammende Gerhard von Carnap, dem auch die Bornheimer Burg gehörte und der Bürgermeister der Gemeinde Waldorf/ Bornheim wurde, zudem später Präsident des preußischen Provinziallandtags in Düsseldorf.

Von Carnap pachtete zudem den Roisdorfer Brunnen von den Alfterer Fürsten zu Salm-Reifferscheidt-Dyck, um mit großem Aufwand die Umwandlung Roisdorfs zum Kurort zu betreiben. So errichtete er ein Kurhaus an der Bonner Straße, daneben ein Hotel und eine Restauration. Parallel zur Brunnenallee ließ er eine Lindenallee anlegen, wandelte er das sumpfige Gelände in einen Lustgarten mit Springbrunnen, Tempel mit Affen und Konzertpavillon um - bis heute „In der Lüste“ genannt. Der hochmoderne Bahnhof der neuen Bonn-Cölner-Eisenbahn in der Verlängerung der Brunnenallee sollte ab 1843 Kurgäste bequem nach Roisdorf bringen.

Ernst Moritz Arndt

Der Wolfsburg war eine wichtige Rolle im Ausbau Roisdorfs zum Kurort zugedacht. In ihr richtete von Carnap einen Restaurationsbetrieb ein und so finden sich in der Bonner Zeitung dieser Zeit Ankündigungen von Konzerten und Reitturnieren bei der Burg, mit denen die Gäste unterhalten werden sollten. Johann Bernartz aus Roisdorf betreute damals die Restauration, die sich alsbald großer Beliebtheit erfreuen sollte.

Häufiger und prominenter Besucher der Wolfsburg war damals der Bonner Geschichtsprofessor und Publizist Ernst Moritz Arndt, der manch freundliches Wort über Roisdorf und seine Mineralquelle fand.

ehemaliger Hofhund Lex, alles andere als ein Wolf

Aus der Zeit von Carnaps ist uns eine Ballade in 24 Strophen überliefert, die der Hauslehrer seiner Kinder, ein Kandidat der Theologie namens Friedrich Bleeckmann, gedrechselt hat und in der die alte Sage von der Vorgeschichte der Erbauung der Wolfsburg wiedergegeben wird.

Der Name "Wolfsburg" wird hier auf die glückliche Errettung des Kindes eines Bornheimer Ritters - gemeint ist wohl der Ritter Wilhelm von Schilling gen. Bornheim im späten 12. Jahrhundert - aus den Fängen eines Wolfes zurückgeführt. Das ganze ist zwar völlig unhistorisch, aber romantisch-gruselig zu lesen.

Hier der Text der "Sage von der Wolfsburg".

Gesindehaus der Wolfsburg als Roisdorfer Schulhaus

Gerhard von Carnap geriet schließlich jedoch in arge finanzielle Schwierigkeiten. Die Schulden wuchsen ihm über den Kopf, so dass er die Pacht des Brunnens aufgab und sich ganz aus Roisdorf zurückzog.

Große bauliche Veränderungen erfuhr die Wolfsburg zu seiner Zeit, wie überhaupt im 19. und 20. Jahrhundert, nicht mehr. Umbauten betrafen vor allem das Innere des Haupthauses, wo z.B. eine neue Treppenanlage eingebaut wurde. Die markanteste Veränderung stellt der erwähnte Abbruch des Gesindehauses der Vorburg dar, das 1837 als Schulhaus in der Brunnenstraße wieder aufgebaut wurde.

Eine ungewöhnliche Nutzung der Wolfsburg in dieser Zeit soll noch erwähnt werden: Der mit dem Verkauf der Carnap'schen Güter betraute Kölner Makler Kauffmann ermöglichte es 1860 der Bornheimer evangelischen Gemeinde, ihre Gottesdienste im bisherigen Tanzsaal der Wolfsburg abzuhalten, bis man in Bornheim eine eigene Kirche errichten konnte.

Das landwirtschaftliche Gut der Familie Rech

Haus Wittgenstein

Die Wolfsburg übernahm schließlich im Jahre 1860 der Kölner Heinrich von Wittgenstein. Dieser erfolgreiche Geschäftsmann, den man auch als "Beherrscher des Kölner Klüngels" bezeichnete, hatte sich bleibende Verdienste u.a. als erster Präsident des Festkomitees Kölner Karneval und als Vorsitzender des Kölner Dombauvereins erworben. Seiner Familie gehörte seit 1789 auch die alte Roisdorfer Höhenburg auf dem Metternichsberg, die Heinrich von Wittgenstein vor 1845 vom Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner zu einer eleganten Sommervilla im klassizistischen Stil, zum heutigen Haus Wittgenstein, hatte ausbauen lassen. Damit waren Wolfsburg und Metternichsberg/ Haus Wittgenstein nun erneut und letztmals in den Händen einer einzigen Familie.

Familie Rech um 1895

Die Wolfsburg wurde nach der Aufgabe des Restaurationsbetriebs wieder landwirtschaftlich genutzt. Nachdem sie zunächst von einem gewissen Heinrichs gepachtet worden war, übernahm 1862 der Roisdorfer Landwirt Wilhelm Rech das Anwesen, wobei als Pachtzins für die Burg und die dazu gegebenen sechs Cölnischen Morgen Land jährlich 96 Thaler vereinbart wurden.

Wilhelm Rech, ein Sohn des Johann Rech und der Christine Schmitz aus der Brunnenstraße sollte von 1888 bis 1908 Ortsvorsteher von Roisdorf sein. Er kaufte 1888 die Wolfsburg von Heinrich von Wittgenstein, und mit ihr 10 Cölnische Morgen Land, zum Preis von 30,787 Mark. Im Besitz der Familie Rech ist die Wolfsburg bis zum heutigen Tag geblieben.

Die Wolfsburg nach einem Gemälde von 1895

Übrigens verdanken wir einen Großteil dessen, was wir heute über das Leben der Menschen in Roisdorf im 19. Jahrhundert wissen, der von Wilhelm Rech um 1910 auf der Wolfsburg niedergeschriebenen Chronik.

Von Wilhelm Rech, den man auf seinem Totenzettel von 1914 stolz als „Gutsbesitzer auf der Wolfsburg in Roisdorf“ bezeichnete, ging das Anwesen an dessen Kinder über. Die unverheirateten Geschwister Heribert, Agnes und Franz führten dort über Jahrzehnte die Landwirtschaft fort. Nach ihrem Willen sollte es ihr Neffe Heribert sein, Sohn des Johann Rech, des Eigentümers der Gastwirtschaft „Zur Wolfsburg“ an der Ecke Brunnenstraße/ Lindenberg und zeitweiligen Roisdorfer Ortsvorstehers, der das Erbe der Wolfsburg antreten und die landwirtschaftliche Familientradition dort fortsetzen sollte.

Hoffront der Wolfsburg, 1930er Jahre

Bei den Roisdorfern ist Heribert Rech, gestorben 1995, bis heute in guter Erinnerung, war er doch in vielfältiger Weise für das Wohl des Ortes engagiert, sei es im Zusammenhang mit der Roisdorfer Obst- und Gemüseversteigerung oder der Spar- und Darlehenskasse, aber auch etwa bei der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft. Sein Sohn Wilhelm engagiert sich in gleicher Weise für das Gemeinwohl, sei es bei der Schützenbruderschaft, den Musikfreunden Roisdorf oder in der Kommunalpolitik.

Wolfsburg in der Baumblüte, 1930er Jahre

Die Familie Rech hat insbesondere in den letzten Jahrzehnten viel für die Erhaltung und stilgerechte Wiederherstellung der Wolfsburg getan. Kriegsschäden durch Granateneinschlag bei den Seitengebäuden des Torhauses wurden beseitigt und das Dach des Haupthauses neu eingedeckt. In den 1960er Jahren musste die Scheune zur Hälfte wegen Einsturzgefahr abgetragen werden, doch baute man sie in den alten Formen wieder auf. Ebenso festigte man das zum Teil marode Mauerwerk der Hauptburg durch eine neue Ausfugung, wobei man es vermied, die Spuren früherer Bauphasen zu tilgen. Ein großer Teil des zur Bonner Straße hin gelegenen, landwirtschaftlich genutzten Geländes wurde in den 1970er Jahre verkauft und - architektonisch nicht unbedingt einfühlsam - mit dem sog. "Wohnpark Wolfsburg" bebaut.

Einige der letzten größeren baulichen Aktivitäten waren die Belegung des Burghofs mit Steinen und die Errichtung des malerischen Brunnens, gefertigt aus einer alten Ölmühle, in der Mitte des Burghof, sowie die Wiederherstellung der Fensterläden, die ganz wesentlich das historische Erscheinungsbild der Burg unterstreichen. Nicht zuletzt sind die eingangs erwähnten schmucken Eisengitter zu nennen, die das Anwesen, das heute ausschließlich Wohnzwecken dient, seit dem Jahr 2000 umzäunen.

Wolfsburg vom Siefenfeldchen ausgesehen

Vom wehrhaften "Brucher Hof" des Spätmittelalters über den adligen Rittersitz der frühen Neuzeit, den Restaurationsbetrieb und das landwirtschaftliche Gut des 19. und 20. Jahrhunderts vollzog die Roisdorfer Wolfsburg somit eine wechselvolle Entwicklung bis zum heutigen repräsentativen Wohnsitz. Dank des Einsatzes vieler aufeinander folgender Generationen für den Erhalt des wertvollen Baudenkmals wurde es möglich, dass die letzte Strophe der romantischen Ballade der Wolfsburg bis heute unverändert gilt:

Zwar ist der Wölfe blut'ge Hord,
Seit langem ausgetrieben.
Doch ist der Jäger Ruheort,
Die Wolfsburg noch geblieben;
Seht wie sie freundlich zu sich winkt,
Am Abend wenn die Sonne sinkt!