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Kirchenkrippe St. Sebastian Roisdorf

Die ganze Vielfalt der weihnachtlichen Botschaft

Zur Einführung

„... für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel herab gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.“

Die Botschaft vom Beginn unserer Erlösung durch die Menschwerdung Jesu Christi, wie wir sie im Glauben bekennen – sie läuft Gefahr, wie andere theologische Inhalte auch, abstrakt und wenig anschaulich zu bleiben. Bereits die Evangelisten beschreiben die Geburt Jesu daher in reichen Bildern voller symbolischer Bezüge.

Diese Bilder sind uns von Kindheit an vertraut, nicht zuletzt weil sie in unseren Häusern und Kirchen seit jeher in Form der Weihnachtskrippen dargeboten werden. Der Begriff „Krippe“ meint dabei nicht nur die eigentliche Futterkrippe, in die das neugeborene Jesuskind gelegt wurde, sondern das gesamte Szenario der figürlichen Darstellung der Geburt Jesu Christi.

Wie jede Pfarrgemeinde, so ist auch die von St. Sebastian zu Roisdorf stolz auf ihre Krippe. Von Künstlerhand geschaffen wird sie in jedem Jahr mit viel Liebe aufgebaut und gepflegt. Als kleine Besonderheit umfasst sie nicht nur das eigentliche weihnachtliche Geschehen, vielmehr bereitet sie dieses auch mit adventlichen Szenen vor, deutet sie es mit nachweihnachtlichen Szenen aus.

Wir laden Sie herzlich ein, mit der Betrachtung der vielfältigen Bilder unserer stets sich wandelnden Krippe die weihnachtliche Botschaft tiefer zu erfassen, denn Eingang in den persönlichen Glauben findet diese letztlich nur über das Herz.

Eine neue Krippe für St. Sebastian Roisdorf

Eine würdige und zeitgemäße Ausstattung der Pfarrkirche war ein besonderes Anliegen von Pastor Matthias Ossenbrink (1892-1971), der von 1941 bis 1967 als Pfarrer von St. Sebastian wirkte.

Hierzu gehörte ganz wesentlich die Weihnachtskrippe. Nicht nur platzierte Pastor Ossenbrink über dem Hochaltar eine monumentale Hl. Familie mit Engel, sondern bemühte er sich gerade in den schwierigen Kriegsjahren 1942/1943 darum, die alten Gipsfiguren der eigentlichen Kirchenkrippe durch künstlerisch hochwertige Figuren zu ersetzen, die mit ihren beweglichen Gliedern die Gestaltung lebendiger Szenen ermöglichten. Pastor Ossenbrink war es, der für diese Aufgabe keine geringere als Johanna Lamers-Vordermayer aus Kleve gewann, die als Begründerin der modernen Krippenkunst im Rheinland gelten kann.

Selbstverständlich wurde die bemerkenswerte Krippe 1975 auch in die neuerbaute Pfarrkirche St. Sebastian übernommen, wo sie seither alljährlich groß und klein erfreut.

Die Szenenfolge der Krippe

Die Krippe in unserer Pfarrkirche wird als Wandelkrippe aufgebaut, also immer wieder umgestellt:

Im Advent folgt der Verkündigung des Engels an Maria die Vermählung von Maria und Josef, dann die so genannte Heimsuchung, die Begegnung Marias mit ihrer Verwandten Elisabet. Es schließt sich die Herbergssuche in Bethlehem an.

Kurz vor Weihnachten weicht der zu Füßen der spätgotischen Madonna, links neben dem Altarbereich aufgebaute Tisch, auf dem die Adventsszenen zu sehen sind, der weit ausladenden, mit Wurzelhölzern gestalteten Landschaft der eigentlichen Weihnachtskrippe. Hier kann sich das Geschehen in einem weiten Aktionsraum zwischen Krippenstall und Hirtenfeld entwickeln. An Heiligabend beginnt alles mit der Hl. Familie und der Verkündigung der Geburt an die Hirten. Am ersten Weihnachtstag folgt dann die Anbetung der Hirten an der Krippe. Den Jahreswechsel begleitet die Szene, in der das Jesuskind gebadet wird. Nicht fehlen darf später die Anbetung der Heiligen Drei Könige, welche die Schätze ihrer Länder dem neugeborenen König der Juden darbringen, und auch nicht die Flucht nach Ägypten, zu der die Hl. Familie gemäß der Weisung des Engels aufbricht.

Gemäß der früherer Tradition endete die Weihnachtszeit mit dem Fest „Mariä Lichtmess“. Die nach-weihnachtlichen Szenen beschließt daher die Darstellung Jesu im Tempel, bei der der greise Simeon und die Prophetin Hanna das Jesuskind als „Licht, das die Heiden erleuchtet“ und „Herrlichkeit für das Volk Israel“ preisen.

Es zeichnet die von der Krippenkünstlerin Johanna Lamers-Vordermayer gestalteten Figuren der Roisdorfer Krippe aus, dass sie beweglich sind und für die einzelnen Szenen unterschiedlich eingekleidet werden können. Durch Arrangement, Körperhaltung, Gestik und Blicke stehen die Figuren in immer neuen Beziehungen zueinander, so dass die weihnachtliche Botschaft der Szenen auch ohne Worte zum Sprechen gebracht wird.

Die Roisdorfer Madonna

Es fügt sich glücklich, dass unsere Weihnachtskrippe unterhalb der Figur der Madonna mit dem Kind aufgebaut wird, diese damit als Bestandteil des in der Krippe dargestellten Weihnachtsgeschehens erscheint, in ihr die Botschaft von der Menschwerdung Gottes durch die Jungfrau Maria nochmals verdeutlicht wird.

Entstanden ist die Figur wohl in einer Kölner Bildhauerwerkstatt vor etwa 500 Jahren. Sie gehörte bereits zur Ausstattung der ersten kleinen Sebastianus-Kirche vor dem Lindenberg, die 1773 geweiht wurde.

Seit vielen Generationen haben die Roisdorfer vor ihr in ihren Nöten und Anliegen zur Mutter Gottes gebetet: Vor dem Bildnis einer jungen Frau, wie es dem Schönheitsideal der Entstehungszeit entsprach: Maria als „die schönste aller Frauen, die Freude aller Welt“. Schön ist sie, weil sie von Anbeginn an von der Sünde unberührt blieb, weil sie den Menschen in seiner Vollkommenheit meint, wie er von Gott im Anfang gedacht war. So konnte sie die Mutter des göttlichen Heilands werden.

Dass Maria uns den Fuß des Kindes zeigt, ist kein Zufall: Im Mittelalter galt diese Geste als Hinweis auf die menschliche Natur des Sohnes Gottes – und bereits auf seine Passion.

Das Kreuz in der Krippe

In unserer Krippe hängt ein Kreuz! - Natürlich hing im Stall von Bethlehem kein Kruzifix.

Aber, wer genau „hinsieht“, kann es erkennen: Das, was wir feiern, hat etwas mit dem Kreuz zu tun, so wie eben die Menschwerdung des Gottessohnes nur von seiner Passion und seiner Auferstehung her zu verstehen ist. Das niedliche Kind in der Krippe und der qualvoll am Kreuz Sterbende sind ein- und dieselbe Person: In der Krippe begann der Jesus Christus seine Rettungsaktion: „Christ, der Retter ist da!“ Mit Kreuz und Auferstehung vollendete er sie: „Es ist vollbracht!“.

Das Friedenslicht aus Bethlehem

2007 wurde unsere Krippe erstmals mit dem Friedenslicht aus Bethlehem versehen. Seit 1986 wird das Friedenslicht in den Wochen vor Weihnachten von in der Geburtsgrotte Jesu entzündet. Von Bethlehem aus reist das Licht mit dem Flugzeug in einer explosionssicheren Lampe nach Wien. Dort wird es am dritten Adventswochenende in alle Orte Österreichs und in die meisten europäischen Länder gesandt.

Seit 1993 verteilen Pfadfinderinnen und Pfadfindern in der Adventszeit das Friedenslicht in Europa und in Übersee. Bei Gottesdiensten holen sie es ab und bringen es den Menschen als Symbol der Hoffnung auf Frieden. Es brennt in Kindergärten, Altenheimen, Krankenhäusern, Polizeistationen, Asylbewerberheimen, Rathäusern, Kirchen und sogar im Deutschen Bundestag. Das Licht ist Zeichen der Hoffnung und der Solidarität für alle Menschen „guten Willens“, unabhängig von Religionen und Weltanschauungen.

Das hier stehende Licht wurde am dritten Advent in unsere Gemeinde gebracht, nachdem es Pfadfinder aus Hersel und Widdig im Kölner Dom abgeholt haben. Bitte nehmen Sie es mit nach Hause um es an der eigenen Krippe als Zeichen des Friedens aufzustellen.

Verkündigung des Engels an Maria

Die erste Szene unserer Advents- und Weihnachtskrippe wird jeweils für den ersten Adventssonntag aufgebaut: Die Verkündigung an Maria. Mit den Heroldsstab, der ihn als Boten Gottes kennzeichnet, betritt Gabriel die Stube Maria, die nicht zufällig gerade in einem Buch liest: Sie betrachtet die Prophezeiung des Jesaja: „Seht, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären. Sein Name ist: Immanuel – Gott mit uns.“ (Jes 7,14). Die Vase mit den Lilien, die zwischen dem Engel und Maria steht, hat eine doppelte Symbolik: Zum einen steht die Vase seit alters her für Maria als das Gefäß der göttlichen Gnade, zum anderen gelten die Lilien als Blumen des Paradieses, als Zeichen des Lebens und des Lichtes und verweisen auf die Jungfräulichkeit Mariens.

„Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabeth, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.“ (Lk 1, 26-38)

Die Vermählung

Die vor einigen Jahren hinzugefügte Szene der Vermählung Mariens am zweiten Adventssonntag mag für manche gewöhnungsbedürftig sein, doch sie ist ganz und gar biblisch: Auch Josef erschien der Engel:

„Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat:

Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, / einen Sohn wird sie gebären, / und man wird ihm den Namen Immanuel geben, / das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.

Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus.“
(Mt 1, 18-24)

Man hat die Szene der Vermählung Mariens in der christlichen Kunst oft in der gleichen Weise dargestellt, wie eine Hochzeit in der Kirche erfolgte, nur eben geleitet von einem jüdischen Hohenpriester und im Tempel. In unserer Szene ist es der Verkündigungsengel, der Maria und Josef als Braut und Bräutigam zusammenführt, nach dem Vorbild der Vermählungsszene, wie sie in jedem Jahr in der Kölner Kirche St. Bruno, ebenfalls mit Figuren von Johanna Lamers-Vordermayer gestaltet, zu sehen ist.

Die Heimsuchung

„Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria:

Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück“
(Lk 1, 39-56)

Die Begegnung von Elisabet und Maria, die in der Szene des dritten Adventssonntags dargestellt wird, ist nicht nur die Begegnung zweier prophetischen Frauen, sondern auch die des ungeborenen Jesus und des ungeborenen Johannes des Täufers, ein Aufeinandertreffen zweier Welten: Alter und Neuer Bund begegnen sich und scheiden voneinander. Johannes erkennt den Messias und er tanzt, wie es im Bericht des Evangelisten heißt, im Leib Elisabets, ebenso wie einst König David vor der Bundeslade tanzte, mit der Gott in seinem Volk gegenwärtig war. Überrascht von dem Besuch äugt der Priester Zacharias, dem die Geburt seines Sohnes Johannes verheißen worden war, um die Ecke seines Hauses.

Die Herbergssuche

Der vierte Adventssonntag ist der Herbergssuche gewidmet. Heftig gestikulierend wehrt der Wirt, der sich im Eingang seiner Herberge aufgebaut hat, den demütig um Unterkunft bittenden Josef und die hochschwangere Maria ab. „... und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.“ (Lk 2, 7).

Ein Halbsatz nur, doch ist er nicht nur unserer Krippe eine eigene Szene wert: Auch in vielen Krippenspielen wird die kaltherzige Abweisung von Maria und Josef nachgestaltet. Aber der Lukas hätte uns die Begebenheit nicht mitgeteilt, wenn er nicht über das historische Geschehen hinaus etwas Wichtiges über Jesus als den Messias hätte aussagen wollen: Vor der verschlossenen Herberge bereits muss der Sohn Gottes erfahren, was der Evangelist Johannes in seinem Prolog beschreibt: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (Joh 1,11). Die Seinen – das ist zuvorderst Israel, von dem nur ein Teil Jesus als den Christus, als den verheißenen Messias erkannte, das sind aber ebenso wir, das neue Volk Gottes, die wir uns dem Erlösungswirken Jesu oft in den Weg stellen.

Die Herbergssuche – ein Bild, das nicht nur auf die Ankunft Jesu als Kind in Bethlehem hinweist, sondern auch auf seine Ankunft in unserem Leben sowie auf die Ankunft am Ende der Zeiten, die uns der Advent aufruft, aufmerksam und wachsam zu erwarten. „Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir.“ (Offb 3,20).

Die Hl. Familie

Noch ohne die Hirten sind Maria und Josef in der Heiligen Nacht allein bei dem neugeborenen Jesus an der Krippe. Staunend und anbetend wenden sie sich dem neugeborenen Kind zu.

Die Verkündigung der Geburt an die Hirten

„In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade. Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Bethlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ.“ (Lk 2, 8-15)

Der eine noch recht verschlafen, der andere erschrocken und hellwach: Jeweils unterschiedlich reagieren die Hirten auf die strahlende Erscheinung des Engels. Ganz unterschiedliche Lebensalter und Charaktere hat die Krippenkünstlerin Johanna Lamers-Vordermayer ihnen verliehen: Neben dem alten, weisen Hirten findet sich ein jüngerer, unbedarft wirkender, ebenso ein neugieriger Junge …. Nicht fehlen durfte in jeder von ihr gestalteten Krippe – und dies ist eine besondere Eigenart – eine Hirtin und ein Hirtenkind. Die Verkündigung der Geburt des Messias richtet sich eben an alle Menschen – ob Mann, Frau oder Kind.

Die Anbetung der Hirten

„So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.“ (Lk 2, 16-20)

Das Bad des Jesuskindes

Der göttliche Logos hat Fleisch angenommen – ein für die Vorstellungen der antiken griechischen Philosophie, nach der Geist und Leib unversöhnliche Gegensätze darstellten, eine unerhörte, ja geradezu anstößige Botschaft. Dennoch ist gerade dies die zentrale Aussage von Weihnachten: Gott ist in Jesus Christus Mensch geworden – wahrer Gott und wahrer Mensch.

Diese Botschaft zu betonen ist der Sinn der Badeszene, die zwar nicht in den Evangelien, sondern nur in den legendenhaften Apokryphen vorkommt, die aber im Mittelalter auch bei uns geläufig war – wie etwa hier abgebildet auf de Klarenaltar des Kölner Doms – und die in der Ostkirche wie selbstverständlich zu jeder Darstellung der Geburt Christi gehört: Der Mensch Jesus teilt mit uns alle Eigenschaften der menschlichen Natur, auch die am geringsten erscheinenden. Wie jedes andere Kleinkind musste auch er gewaschen und gewickelt werden. Diese Botschaft soll auch in unserer Krippe nicht fehlen – und natürlich weist die Badeszene bereits auf die spätere Taufe Jesu hin, der brunnenartige Badezuber auf Jesus als das „Wasser des Lebens“.

Die Badeszene markiert in der Roisdorfer Krippe stets den Jahreswechsel.

Die Anbetung der Hl. Dreikönige

„Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle. Sie antworteten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten: Du, Bethlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel. Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Bethlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige. Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.“ (Mt 2, 1-12)

Auch wenn das Evangelium sie lediglich als Sterndeuter bzw. Magier bezeichnet, so sind die Besucher aus dem Osten doch in unserer Krippe, der abendländischen Tradition seit dem Mittelalter folgend, als bunt gewandete Könige dargestellt. Sie repräsentieren die drei damals bekannten Kontinente Europa, Asien und Afrika - daher auch die Darstellung des jüngsten Königs als Farbiger - und vertreten damit die gesamte nichtjüdische Welt, der die Menschwerdung Gottes ebenso gilt wie dem auserwählten Volk israel. Ihre Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe wurden schon früh als Ehrung des Jesuskindes als dem eigentlichen König, als dem wahren Gott und wahren Menschen interpretiert.

Der grelle Reichtum der Könige kontrastiert stark mit der Ärmlichkeit des Stalles. Unser hl. Josef, dem die Künstlerin ohnehin einen etwas skeptischen Gesichtsausdruck verliehen hat, beäugt den prächtig ausstaffierten Besuch denn auch besonders argwöhnisch.

Die Flucht nach Ägypten

„Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ (Mt 2, 13-15)

Die Darstellung Jesu im Tempel

„Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde. Dann kam für sie der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: Nun läßt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.

Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden. Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, daß in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.

Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.

Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück. Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.“
(Lk 2, 21-40)

Die Darstellung im Tempel, gefeiert mit dem Fest "Mariä Lichtmess", beschließt Anfang Februar die Szenenfolge der Wandelkrippe in der Roisdorfer Pfarrkirchevon St. Sebastian.

Ausblick

Seit mehr als 70 Jahren bringt uns die künstlerisch hochstehende und - was viel wichtiger ist - von Erwachsenen wie Kindern gleichermaßen geliebte Advents- und Weihnachtskrippe in der alten und in der heutigen Roisdorfer Pfarrkirche St. Sebastian die Geburt Jesu Christi als den Beginn unserer Erlösung nahe.

Behutsam gepflegt und in jedem Jahr von engagierten Krippenbaumannschaften mit viel gestalterischem Geschick arrangiert, dürfte die Krippe auch künftigen Generationen die weihnachtliche Botschaft verkünden – als eine Predigt, die keiner Worte bedarf.

Ein Besuch unserer Pfarrkirche zur Advents- und Weihnachtszeit - seit vielen Jahrzehnten für Erwachsene wie für Kinder ein lohnendes Erlebnis!