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Wie spricht man Roisdorf korrekt aus? Teil 1: Von den Anfängen bis ins späte Mittelalter Teil 2: Von der frühen Neuzeit bis ins 19. Jh. Teil 3: 20. Jahrhundert bis heute Kurze Geschichte in Reimform Die erste urkundliche Erwähnung Roisdorf unterm Hakenkreuz Roisdorf in der Bundesrepublik Deutschland

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Kurze Geschichte in Reimform

Grußwort des Hochmeisters Paul von Rusdorf
zum 900-jährigen Ortsjubiläum 2013

Zum großen Festabend anlässlich der 900-Jahr-Feier der Ersterwähnung Roisdorfs im Jahre 1113 erschien ein Überraschungsgast: Paul von Roisdorf, Hochmeister des Deutschen Ordens im 15. Jahrhundert, trat begleitet von zwei Knappen auf die Bühne des Festzeltes und grüßte die Anwesenden mit einem Überblick über die Geschichte seines und ihres Heimatortes.

Auf vielfachen Wunsch sei die Rede hier im Wortlaut abgedruckt.

Ein Gruß aus fernen Zeiten

Hochmeisterwappen des Paul von Rusdorf (+ 1441)

Ihr hohen Herren, die Ihr heut
in dies Gezelt gekommen seid!
Ihr werten Frauen allzugleich,
der Anmut voll und tugendreich!
Ihr holden Maiden, stolzen Recken,
Ihr Roisdorfer aus allen Ecken!

In dieser feierlichen Stund,
da Ihr gedenkt in froher Rund
des Dörfchens, das Ihr herzlich liebt,
weil es Euch freundlich Heimat gibt,
darf ich Euch herzlich Grüße senden,
aus fernen Zeiten, weiten Enden.

Habt Ihr`s an dem Gewand erkannt?
Hochmeister Paul ward ich genannt.
Ich war der Ritter Roisdorfs Sohn
und zog dereinst um Gottes Lohn
ins Preußenland zum Deutschen Orden,
bin schließlich dessen Haupt geworden.

Der Himmel Urlaub mir gewährt,
dass knapp, doch treu Euch werd erklärt,
wie unser Roisdorf einst entstand
und jeder Mensch hier Nahrung fand,
wie Freud und Leid ihm ward beschieden,
in Fest- und Alltag, Krieg und Frieden.

Gesegnet war doch stets das Land,
das man am Vorgebirge fand,
der Boden fruchtbar, mild der Wind,
so dass schon früh mit Weib und Kind,
der Ackerbauer es bewohnte,
weil hier der Arbeit Müh sich lohnte.

Verblieben sind aus dieser Zeit,
die Hügelgräber, die man heut
auf Roisdorfs Höhen noch erkennt,
und die man „Düwelsschollen“ nennt,
weil als ein Nachlass finstrer Heiden
man stets bedacht war, sie zu meiden.

Schon Roms Soldaten war bekannt,
dass hier vor Ort sich etwas fand,
das weit und breit doch einzig war:
Ein Wasserquell, so hell und klar,
ganz voller Heilungskraft und rein,
vom Himmel musst geschenkt er sein.

Drum warf man häufig mit Bedacht
manch Bronzemünze in den Schacht,
um so den Göttern treu zu danken,
dafür, dass manchem armem Kranken,
die Kraft des Wassers unsrer Quelle
den Lebensmut erneut erhelle.

Und auch der Franke Rudizo
fand’s besser hier als anderswo.
Durch Sumpf und Hang perfekt geschützt
war dies ein Ort, an dem es nützt,
die Ackerwirtschaft zu betreiben,
und mit der Sippe zu verbleiben.

Nach ihm benannte man den Ort,
darauf verweist nämlich das Wort,
das sich im schönen Schriftstück findet,
des Jahrestag uns heut verbindet:
„Ru-o-ches-torp“, woraus fortan
sich „Roisdorf“ nun entwickeln kann.

Elfhundertdreizehn war das Jahr,
als man erkannte es für wahr,
dass jede Magd und jeder Knecht,
des Weinguts Roisdorf mit dem Recht
des freien Menschen sei versehen –
Leibeigenschaft blieb nicht bestehen.

Es war Äbtissin Adelheid,
des Weinguts Herrin, gern bereit,
den Knechten Freiheit zu gewähren,
sofern sie sich nur stets bewähren,
und sich fortan dazu verpflichten,
dem Kloster Steuern zu entrichten.

Den Knechten war’s die Sache wert,
es lebte sich so unbeschwert,
und auch Dietkirchens Klosterfrauen
vermochten froh sich zu erbauen,
an Wein, Obst, Korn und andrer Ware
für an die siebenhundert Jahre.

Es diente Roisdorf stets als Garten
für Klöster, Stifte aller Arten,
und manch lokaler Herr von Adel
erwarb hier Güter ohne Tadel,
die es nun galt, auch zu beschützen,
da ausgeraubte wenig nützen.

Mit gleich drei Burgen ward geschickt,
so unser Dorf wehrhaft bestückt:
Burg Metternich am Bergeshang,
davor die Wolfsburg, gar nicht bang
mit Wassergräben rings umgeben,
von hier ging Wölfen es ans Leben.

Am Donnerstein wehten die Fahnen
der Burg der Ritter, meiner Ahnen.
Herr Gozwin war der erstbekannte,
der sich nach Roisdorf auch benannte.
Doch hatten stets vor Ort das Sagen,
die Alfterer – man konnt’s ertragen.

Von mir will ich nicht mehr berichten,
als dass ich meines Amtes Pflichten,
im Ordensland getreu versah,
und stets ein Mann des Friedens war.
Mit mir, Paul, schwanden Roisdorfs Ritter,
das stimmt mich schon ein wenig bitter.

Mit unserm Dorf ging‘s dennoch weiter,
oft recht beschwerlich, wenig heiter:
„Vor Pest und Kriegsvolk uns verschon,
Sebastian, heil’ger Schutzpatron!“
Doch wurden dann die Zeiten besser,
aus Burgen wurden hübsche Schlösser.

So wäre Roisdorf wohl geblieben
klein, nett, gewisslich zum verlieben.
Doch unternahm ein Dr. Kauhlen,
Beschaulichkeit hier zu vergraulen.
Bedeutung hat an dieser Stelle:
die Neuentdeckung unserer Quelle.

Er prüft den „sauren Born“ eingehend
und meint, dass er nicht hintanstehend
den hochberühmten Wässern sei –
ob „Spa“, ob „Selters“ einerlei.
Ein Kurbad könnt man etablieren,
dies würde ganz gewiss florieren.

Salm-Reifferscheidt, die Alftrer Grafen,
umgehend Baumaßnahmen trafen.
Bald trank das Wasser alle Welt,
und ließ in Roisdorf mächtig Geld.
Beethoven setzt sich ans Klavier,
spielt auf für all die Gäste hier.

Franzosen kamen, danach Preußen,
die alte Ordnung einzureißen,
zu Waldorf-Bornheim Roisdorf kam,
und mancher dicke Bauer nahm
das Land, das Klöstern ward genommen,
als Eigentum, ganz unbeklommen.

Den kleinen Bauern war gegeben,
als Zubrot zu dem kargen Leben,
am Hang nach weißem Sand zu graben,
und dann damit nach Bonn zu traben,
ihn an den Türen zu verkaufen –
und den Erlös gleich zu versaufen.

Der Weinbau geht, der Obstbau kommt,
der Städter denkt, dass es ihm frommt,
den Duft der Blüten zu genießen,
die an den vielen Bäumen sprießen.
Und mancher baut sich hier sogar
ein schmuckes Haus – ganz wunderbar.

Der Brunnen wird nun neu belebt,
denn Pächter Carnap ist bestrebt,
das Dorf ganz prächtig auszubauen
mit Kurhaus, Park, samt Affen, Pfauen,
Das läuft nur 20 Jahr lang gut,
er geht bankrott und nimmt den Hut.

Und dennoch war sein Werk ein Glück:
Er ließ den Kurbahnhof zurück,
von dem seither in alle Welt
versandt ward, was hier hergestellt:
so Leder, das mit viel Geschick
gegerbt in Gammersbachs-Fabrik.

Und auch der Brunnen profitierte
von der Station: Man transportierte
das Nass in Flaschen und in Krügen
nun preiswert mit den Güterzügen.
Man tat sehr viel, dass man erstarke
und „Roisdorfer“ ward eine Marke.

War das Gewerbe damit rege,
so unsre Bauern auch nicht träge.
Sie gründeten aus eigner Kraft,
Sparkästchen und Genossenschaft,
und sie belieferten von hier
die Städte bis ins Ruhrrevier.

Die Kopfzahl wuchs von Jahr zu Jahr
und Herzenswunsch von vielen war,
Pfarrei und Kirch vor Ort zu wissen,
um sonntags nicht weit gehn zu müssen.
Man nimmt es in die eigne Hand,
backt Ziegel, mischt Zement und Sand.

Baut St. Sebastian so allein,
und alles wird recht schön und fein.
Die Pfarrgemeinde kann bald starten,
samt Wohlfahrtshaus und Kindergarten
und den Vereinen, die seit Jahren
das Rückgrat der Gemeinschaft waren.

Man schreibt das 20. Jahrhundert,
und mancher fragt sich recht verwundert,
ob unsre Welt noch richtig tickt,
bei allem, was sie uns so schickt,
an Kriegen und Gewaltherrschaft,
was vielfach Not und Kummer schafft.

Roisdorf hat sich da durchgewunden,
ward schlecht und recht dabei befunden.
Reicht einer dem System die Hand,
so übt ein andrer Widerstand.
Ein wenig fließt halt, das ist gut,
in Roisdorfern Rebellenblut.

Zwar ward im Dorf nicht viel zertrümmert,
doch fanden viele sich bekümmert,
ob des Verlustes ihrer Lieben,
die an des Krieges Front geblieben.
Nach Roisdorf nun auch mancher kam,
dem fern von hier man Heimat nahm.

Doch galt es jetzt, nach vorn zu schauen,
und alles wieder aufzubauen.
Ein Zeichen für den Neuanfang,
war nicht zuletzt der Glocken Klang,
um die der Krieg uns hat betrogen
und die nun wieder hochgezogen.

Das Dorf entwickelt sich ganz prächtig,
Handwerk, Gewerbe werden mächtig,
und auch der Landwirt jubiliert,
dass die Versteigrung expandiert.
Die Bundeshauptstadt sorgt dafür,
dass neue Menschen siedeln hier.

Manch Altes, dran das Herze hängt,
wird kurzerhand durch das verdrängt,
was nützlich und modern erscheint,
auch wenn man heimlich Tränen weint.
Schul, Bahnhof, Kirche auch zuletzt,
sind bald durch Zweckbauten ersetzt.

Die „Petterzellichs-Öertche“ schwinden,
stattdessen sind dort nun zu finden,
ein Einkaufszentrum, Wohnbebauung,
ein großes Haus für die Verwaltung,
das man auch dringend nötig hat,
denn Bornheim wird jetzt auch noch Stadt.

Es sind gewiss glückliche Tage,
die Roisdorf nun hat, ohne Frage,
mit günstiger Verkehrsanbindung,
wirtschaftlich stark, als Ort der Bildung.
Ganz nah an grünen Wäldern dran,
zieht es als Wohnort viele an.

Die vielen gilt‘s zu integrieren,
zu der Gemeinschaft hinzuführen,
die uns seit jeher hat verbunden,
in frohen und in schweren Stunden.
Doch dank der Gruppen und Vereine
bleibt keiner, der‘s nicht will, alleine.

Was bleibt? Roisdorf zu gestalten,
das was wir lieben, zu erhalten,
und offen doch für das zu sein,
was stets an Neuem strömt herein.
Dies wird gewiss vor allen Dingen
mit Gottes Hilfe wohl gelingen.

Wollt Ihr nach diesem meinem Ritt
durch Roisdorfs Zeit im Sauseschritt,
noch mehr aus all den vielen Jahren,
und von den Menschen hier erfahren,
so greift zum Festbuch, das da liegt,
und das umsonst ihr sogar kriegt.

Ich, Meister Paul, den es erneut
sein Dorf zu grüßen, hat gefreut,
werd mich nun auf zum Himmel machen,
um wieder über Euch zu wachen,
und wünsch Euch, schließend, noch viel Freud,
bei Eurer schönen Festlichkeit!