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Der letzte Wolf in Roisdorf?

Vom dramatischen Ende eines Untiers

„Wölfe gab es eh‘mals viel in allen deutschen Wäldern. Sie trieben ein gar arges Spiel auf Wiesen und auf Feldern: Und stillten nur in Strömen Blut den angebor‘nen Übermuth. Auch Roisdorfs wasserreiche Flur litt viel von diesen Thieren. Sie bargen ihre blut'ge Spur in dichten Waldrevieren, wohin nicht leicht ein Jäger kam und ihnen ihre Beuthe nahm.“

So beginnt die alte Sage von der Roisdorfer Wolfsburg, die erbaut worden sein soll, um das Vorgebirge von der Plage der Untiere zu befreien. Ganz gelungen ist das über Jahrhunderte offenbar nicht. Im angrenzenden Kottenforst dauerte es bis 1836, ehe der letzte Wolf erlegt wurde. Damit schien das Wolfsproblem als ein für allemal erledigt. Nun aber wurden im März 2021 auf einer Weide in Dünstekoven, unweit des Kottenforstes, fünf Schafe gerissen – ganz offenbar von einem Wolf. Mithin haben es die Wölfe, die schon länger wieder im östlichen Deutschland gesichtet worden waren, geschafft, über den Rhein zu gelangen.

Die Roisdorfer Wolfsburg

Wann genau der letzte Wolf in Roisdorf gesichtet wurde, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall war es in in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, also etwa zu der Zeit, in der die Sage von der Wolfsburg verfasst wurde und in der auch die Gebrüder Grimm mit ihren Märchen vor dem „bösen Wolf“ warnten. Und zwar berichtet hierüber Wilhelm Rech. Ihm gehörte die Wolfsburg, war Landwirt und Ortsvorsteher, und er beschrieb in seiner Roisdorfer Chronik das Abschießen des letzten Wolfes, das demnach sehr dramatisch verlief:

„Als man die Spur dieses letzten Wolfes hier im Walde entdeckt hatte, wurde eine allgemeine große Treibjagd auf ihn veranstaltet. Unter den beteiligten Jägern war auch der Fürst-Salmsche, also der bei der Burg Alfter beschäftigte mit Name Renanx. Dieser hatte einen guten Hund und ein einläufiges Gewehr mit einem Feuerschloss. Diesem Renanx kam der Wolf zum Schuss. Er schoss auch den Wolf an, aber nicht tödlich, sein Hund ging auf den Wolf zu, und fasste denselben. Da nun der Jäger bange war, der Wolf sollte ihm seinen guten Hund verderben, ging er hinzu und wollte seinem Hunde helfen. Der Wolf ließ nun vom Hunde ab und fiel den Jäger an, zerfleischte ihm die Beine. Als die anderen Jäger hinzu kamen, rief Renanx denen zu: Schieß drauf, ich bin ja doch verloren. Und so wurde der Wolf dem Jäger zwischen den Beinen totgeschossen.

Der Jäger ist wieder gut geworden, hat aber lange, lange liegen müssen. Heute kann man die Krätze in dem alten Gewehrlaufe noch sehen, wo dem Wolf seine Zähne abgeprallt sind. Den Kopf des Wolfes hat man ausgekocht und das isegrimmige Knochengerüst aufbewahrt. Dieses wurde später von einem Sohne des Jägers in seiner Wirtschaft aufgehangen hatte, wo es jeder sehen konnte.“

Wilhelm Rech, der Chronist, dürfte den Wolfsschädel noch selbst gesehen haben. Vielleicht wird es aber gar nicht mehr lange dauern, bis man in der unweit seiner Wolfsburg gelegenen schaurigen Wolfsschlucht des nachts – vielleicht ganz leise – auch das Geheul eines lebendigen Wolfes vernehmen kann …