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Das Sebastianuslied

Ein eigenes Roisdorfer Lied zum Pfarrpatron

Sebastianusaltar in der alten Pfarrkirche

In der von Pfarrer Mathias Ossenbrink verfassten Chronik der Pfarrgemeinde St. Sebastian, Roisdorf, findet sich zum 20.1.1946 folgender Eintrag: „In der Feier des Pfarrpatroziniums wird heute zum ersten Male in der Gemeinde das Lied zum hl. Sebastianus von Pfr. Pfriem, Langenprozelten, vertont von Kaplan Otto Henkel, gesungen.“

Das erste Patronatsfest der Roisdorfer Pfarrgemeinde St. Sebastian nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde also mit der feierlichen Einführung eines eigens hierzu geschaffenen Liedes zum Pfarrpatron begangen. Der Text sollte eine Reihe von Jahren später den Gläubigen auf einem Osterkommunionsbildchen überreicht werden:

Vorderseite des Osterkommunionsbildchens von ca. 1960

Sebastian, heil’ger Schutzpatron
Im Panzerkleid der tapf’ren Krieger,
Verfolgter Kirche treuer Sohn,
Christ-Königs todesmut’ger Sieger.

O Schutzherr St. Sebastian,
Nimm Du Dich uns’rer Sorgen an,
Bring Trost und Licht in unser Leid,
Führ uns dereinst zur Seligkeit.

O Herz getreu bis in den Tod,
Voll Lieb’ und Güte ohne Ende,
So hoffnungsfroh in Leid und Not,
Daß Mut es armen Brüdern spende.

O Schutzherr St. Sebastian ...

Am Marterpfahle todeswund,
Der Leib durchbohrt von spitzen Pfeilen,
Das fiebernd Weh’ um Aug’ und Mund,

Will Deine Seel’ zum Himmel eilen.

O Schutzherr St. Sebastian ...

Sebastianusstatue von 1772

Eindringlich schildert der Text des Liedes das tapfer ertragene Martyrium des hl. Sebastian, wie es auch die ausdrucksstarke spätbarocke Statue des von Pfeilen durchbohrten Märtyrers in der Pfarrkirche vor Augen führte, die den Roisdorfern wohlbekannt war. Die Sprache des Liedes ist von starken, ja martialisch anmutenden Worten geprägt: Not reimt sich auf Tod, Krieg auf Sieg. Der junge Soldat Sebastian, der Hauptmann der Prätorianergarde des Kaisers Diokletian, der sich standhaft geweigert hatte, dem christlichen Glauben abzuschwören, er erscheint hier in seinem grausamen Märtyrertod als heldenhafter Streiter für Christus, den König, aber auch als starker Helfer der verfolgten Mitchristen, als Fürsprecher, sich der Nöte der heutigen Christen annimmt.

Pfarrer Sebastian Pfriem bei dem ersten Spatenstich zum Bau der Pfarrkirche von Langenprozelten 1928

Der Text ist damit in eine Zeit hinein gesprochen, in der sich die Kirche als eine gefährdete, ja verfolgte verstand. Wir kennen zwar nicht den genauen Zeitpunkt seiner Entstehung, doch war Sebastian Pfriem (1883-1958), der den Text offenbar zu Ehren seines Namenspatrons verfasste, in Langenprozelten, einem Ort in Mainfranken, in der Zeit zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Jahr 1936 Pfarrer. Es war dies die Zeit, in der das Christkönigsfest eingeführt wurde: Anlässlich des Heiligen Jahres 1925 setzte Papst Pius XI. in der Enzyklika „Quas Primas“ dieses Fest ein. Es betonte Christus als den wahren König der Welt und richtete sich damit gegen die nach dem Weltkrieg als überhand nehmend empfundenen Tendenzen des Säkularismus und Laizismus in Politik und Gesellschaft. Besonders bei der katholischen Jugend der Weimarer Republik und mehr noch der des Dritten Reichs spielte die Christkönigsverehrung eine große Rolle. Entgegen dem herrschenden Führerkult konnten die jungen Katholiken an Prozessionen und Feiern teilnehmen und sich so weitgehend ungefährdet von der gottlosen Ideologie des Nationalsozialismus abgrenzen.

Dr. Otto Henkel und Pfarrer Mathias Ossenbrink bei der Gründung der Roisdorfer Kolpingsfamilie 1948

Pastor Mathias Ossenbrink (1892-1976), seit 1941 Pfarrer von St. Sebastian, war der katholischen Jugendbewegung seit jeher eng verbunden gewesen. Seine Haltung hatte ihm manchen Konflikt mit den nationalsozialistischen Machthabern eingebracht. Seine besondere Beziehung zur Christkönigsverehrung ist dadurch belegt, dass er noch in den letzten Kriegsjahren die Anschaffung einer Christkönigsstatue für die Roisdorfer Pfarrkirche plante, was wegen der Kriegsereignisse aber nicht mehr verwirklicht werden konnte. Es fügt sich in dieses Bild, dass er unmittelbar nach dem Ende des Krieges und der Gewaltherrschaft den Text von Sebastian Pfriem – woher er ihn kannte, ist nicht zu ermitteln – vertonen und in seiner Gemeinde einführen ließ.

Die Vertonung besorgte der aus Düsseldorf stammende Dr. Otto Henkel (1909-1971). Dieser war seit August 1945 Kaplan an St. Sebastian Roisdorf und sollte ab 1946 als Religionslehrer am Bonner Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium tätig werden. Ihm war insbesondere die Jugendarbeit der Pfarrgemeinde anvertraut. 1948 gründete er die bis heute segensreich wirkende Roisdorfer Kolpingsfamilie. Dass er der Kirchenmusik in besonderer Weise zugetan war, zeigte sich bereits zu Weihnachten 1945, als er, wie die Pfarrchronik berichtet „das Weihnachtsevangelium von sechs Knaben in deutsch singen (ließ), unterbrochen von Liedern des Volkes“. Er wählte für die Vertonung des Sebastianustextes von Pfarrer Pfriem eine eingängige, aber nicht anspruchslose Melodie.

Roisdorfer Sebastianusfahne von ca. 1930

Insbesondere zum Patronatsfest, der sog. Kleinkirmes, wurde das Sebastianuslied von der Gemeinde fortan gerne gesungen. Irgendwann jedoch in den 1960er Jahren geriet es außer Gebrauch und war fast vergessen. Erst zu Beginn der 1990er Jahre besann man sich darauf, dass doch man ein eigenes Roisdorfer Sebastianuslied besaß, das erneut zu beleben sich lohnen könnte. Den Text kannte man von dem alten Osterkommunionbildchen. Die schöne Melodie von Dr. Otto Henkel war aber nirgends notiert worden. Glücklicherweise gelang es dem passionierten Freizeit-Organisten Paul-Heinz Broel, sie aus der Erinnerung zu rekonstruieren, hatte er sie doch in seiner Jugend von dem Roisdorfer Organisten der Nachkriegszeit, Willi Weber, gelernt.

Der überlieferte Text des Liedes indes erschien als recht „blutrünstig“ und irgendwie nicht mehr zeitgemäß. Die Situation der Kirche war eben nicht mehr von Verfolgung geprägt; ein Martyrium, wie es viele standhafte Christen in der Zeit des Dritten Reiches hatten erleiden müssen, drohte nun nicht mehr, wenn auch die Notwendigkeit des Bekenntnisses zu Christus in einer stark verweltlichten Gesellschaft nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hatte. Im Auftrag des Liturgieausschusses des Pfarrgemeinderats unternahm daher im Jahre 1994 Ernst Gierlich folgende Überarbeitung des Textes:

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Maria-Hilf-Kapellchen, Überrest des ehem. Roisdorfer "Sieches"

Der dreistrophige Aufbau wurde also beibehalten und ebenso weitgehend der Refrain. Die einzelnen Strophen indes gestaltete man gänzlich um. So zeigt die erste Strophe den vor dem Kaiser seinen Glauben bezeugenden Sebastian als Vorbild in Zivilcourage: einen mutigen Bekenner des Glaubens in einer den Christen fremd gegenüber eingestellten Umwelt. In der zweiten Strophe erscheint Sebastian als mutiger Märtyrer in der Nachfolge Christi und als Heiliger, zu dem die Menschen aller Zeiten bei Krankheit und Pest Zuflucht nehmen. Als „Pestheiliger“ und als Heiliger, dessen Wunden denen des schrecklichen Aussatzes glichen, wurde er auch seit Jahrhunderten in Roisdorf verehrt, wahrscheinlich neben dem hl. Rochus auch als Patron des Kapellchens des nahegelegenen Siechenhauses an der Bonner Straße. Die dritte Strophe stellt Sebastian schließlich als Patron der 1891 gegründeten Roisdorfer Pfarrgemeinde vor, als mächtigen Fürsprecher in deren Anliegen.

Fahnenabordnungen der Vereine beim Kirmeshochamt

In seiner erneuerten Form erfreut sich das Roisdorfer Sebastianuslied inzwischen wieder großer Beliebtheit. Gesungen wird es in der Gemeinde regelmäßig nicht nur zum Patronatsfest im Januar, sondern auch zur Großkirmes, dem Kirchweihfest im September. Aber auch die Hl. Messen anlässlich der Feste der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft sind kaum noch ohne dieses Lied denkbar. Pastor Ossenbrink, dem wir die Einführung des Liedes verdanken, könnte stolz auf seine heutigen Roisdorfer sein.

Ein eigenes Roisdorfer Lied zum Pfarrpatron