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Monstranz als Lebensbaum

Triumphkreuz als Lebensbaum Bad Doberan

Heilig Kreuz, du Baum der Treue, edler Baum, dem keiner gleich, keiner so an Laub und Blüte, keiner so an Früchten reich“. In diesem frühmittelalterlichen Hymnus, der uns heute noch in jeder Karwoche begegnet, wird das Kreuz von Golgotha, das eigentlich todbringende Hinrichtungsinstrument, zum Lebensbaum umgedeutet. Der Baum des Lebens, er begegnet uns schon in der Genesis: Einst befand er sich in der Mitte des Paradieses, blieb dem Menschen dann aber infolge des Sündenfalls, seiner Abkehr von Gott, versperrt. Durch das Erlösungsopfer Christi am Kreuz aber wird der Baum wieder zugänglich: „Wer siegt, dem werde ich zu essen geben vom Baum des Lebens, der im Paradies Gottes steht“, heißt es in der Offenbarung des Johannes – ein eindeutiger Hinweis nicht zuletzt auf den eucharistischen Heiland als Frucht des Baumes.

alte Roisdorfer Monstranz an Fronleichnam 2013

Nachdem im September des Jahres 2014 bei einem skrupellosen Einbruch in die Roisdorfer Pfarrkirche St. Sebastian die beiden historischen Monstranzen und weiteres wertvolles liturgisches Gerät geraubt worden war, war sich unser Liturgiekreis rasch einig, dass vergleichbare antike Stücke zu beschaffen den Verlust nicht hätte wieder gut machen können. Man beschloss Geräte anzuschaffen, die wie die Pfarrkirche selbst modern gestaltet sein sollten. Ansprechende neue Kelche und Hostienschalen konnten bald im Fachhandel erworben werden, eine zu ihnen passende Monstranz jedoch fand sich nicht, so dass man daranging, hierfür einen eigenen Entwurf zu entwickeln.

Altar St. Sebastian Roisdorf

Ausgangspunkt für die Gestaltung war die des Altarbereichs der Pfarrkirche, für die der Bildhauer Karl Matthäus Winter durchgängig Motive pflanzlicher Art gewählt hatte. Er versah Altar, Tabernakel, Ambo und Taufbecken mit Abbildungen von Pflanzen, die besondere biblische bzw. liturgische Bezüge aufweisen. In der neuen Monstranz sollte diese pflanzliche Symbolik nun gipfeln, und hierzu bot sich das Motiv des Lebensbaumes an. Die Entwurfszeichnung lieferte Ernst Gierlich, mit der Ausführung wurde der Silberschmied Stephan Bücken in Herzogenrath betraut.

neue Roisdorfer Monstranz

Die genau rechtzeitig zur feierlichen Jahresabschlussmesse 2015 fertiggestellte, aus Silber getriebene und vergoldete Monstranz zeigt sich also in der Form eines stilisierten Baumes mit kreuzförmig angeordneten Ästen, die mit großen Blättern und kugelförmigen Früchten bestückt sind. Die Früchte, gefertigt aus dem Werkstoff Kolorit, sind Rot wie die heilbringenden Wunden Christi, ihre Siebenzahl entspricht der Zahl der Sakramente. In den Fuß der Monstranz eingearbeitete Wellen verbinden das Motiv des paradiesischen Lebensbaums mit dem im 1. Psalm und beim Propheten Jeremia beschriebenen Baum am Wasser, der symbolisch für den Gerechten steht: „Gesegnet der Mann, der auf den Herrn sich verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte.“ Dies lässt sich nicht nur als Hinweis auf den Gehorsam Jesu bis zum Tod am Kreuz, sondern auch als Aufforderung für die Lebensführung eines jeden von uns verstehen.

Hl. Sebastian mit Pfeil in der Pfarrkirche

Dass die Hostie in der Mitte der Monstranz aber, wiederum kreuzförmig, von Pfeilspitzen aus Bergkristall mit Turmalineinschlüssen umgeben wird, verweist ganz konkret auf die Roisdorfer Pfarrgemeinde: Pfeile sind die Attribute des Pfarrpatrons, des hl. Sebastian, der wegen seines Bekenntnisses zu Christus mit diesen erschossen werden sollte. Wie seine Legende berichtet, wurde Sebastian hierzu an einen Baumstumpf gebunden, so wie ihn ja auch die alte Statue in der Pfarrkirche zeigt. „Du trugst gleich Christus Leid und Tod, der Pfeile und der Keulen Wunden“, heißt es entsprechend im Roisdorfer Sebastianuslied: Das Leiden des Märtyrers steht in der Nachfolge der Passion Christi, auch hier werden die Marterwerkzeuge zu Zeichen des Lebens.

Fronleichnam mit der neuen Monstranz 2017

Mit der als Lebensbaum gestalteten neuen Monstranz verfügt die Pfarrgemeinde St. Sebastian in Roisdorf somit nun über etwas ganz Eigenes, etwas speziell auf sie Abgestimmtes. Sie wird hoffentlich noch viele Jahrzehnte der eucharistischen Anbetung bei Andachten oder der Fronleichnamsprozession dienen – weit mehr als ein Ersatz für das leider unwiederbringlich Verlorene.