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Sandgräberei und Sandkrämerei

"... vom Sandkroom, vom Sandkroom ...!"

Sommerfest des LSV am Aussichtsturm bei der ehem. Quarzsandgrube Brenig 2011

Mit einem fröhlichen Fest konnte im Sommer 2011 der Landschaftsschutzverein Vorgebirge die Erneuerung des Aussichtsturms begehen, der auf der oberen Hangkante des Vorgebirges nicht nur einen herrlichen Ausblick über die Kölner Bucht bietet, sondern auch einen Einblick in das benachbarte Gelände der ehemaligen Quarzsandgrube Brenig – ein Gelände, das als heute als Naturschutzgebiet mit artenreicher Flora und Fauna ausgewiesen ist und als geologisches Freilichtmuseum dient.

Aus der einst klaffenden Wunde der Sandgrube ist ein kleines grünes Paradies, eine enorme Bereicherung des Vorgebirgslandschaft geworden. In jahrzehntelangem Kampf haben die Menschen des Vorgebirges das abgewehrt, was ihren Vorfahren insbesondere im 19. Jahrhundert ein Segen gewesen war, was sich jedoch im späten 20. Jahrhundert zum Fluch zu entwickeln drohte: Den Abbau des weißen Quarzsandes auf den Höhen über Roisdorf, Botzdorf und Brenig.

Fußbodenpflege mit Scheuersand

Insbesondere die Einwohner Roisdorfs hatten einst mit der Sandgräberei und Sandkrämerei, also mit der Förderung und dem Verkauf des in geringer Tiefe oberhalb des Dorfes liegenden Quarzsandes, ein bescheidene aber stete Erwerbsmöglichkeit gefunden. Der von ihnen geförderte Sand war vor allem als Scheuer- oder Streusand gefragt, mit ihm wurden also die Fußböden der Stuben bestreut und er dann zusammen mit Staub und Dreck zusammengefegt. Die Bezeichnung „Roisdorfer Sandkrämer“ war im 19. Jahrhundert ebenso geläufig wie etwa etwa die des „Waldorfer Ochsen“. Wenn damals auf der Glocke der Roisdorfer Kapelle gebeiert wurde, so spotteten die Einwohner der Nachbarorte:

„Die Roisdebe Löck, die Roisdebe Löck,
die hann vell Jeld,
dat ös bekannt en der janze Welt,
vom Sandkroom, vom Sandkroom“.

In der Tat ist in Bevölkerungslisten dieser Zeit häufig die Berufsbezeichnung „Sandgräber“ zu finden, so in der Liste der Eltern schulpflichtiger Kinder von 1829 mit Angaben der Berufe der Väter. Etwa ein Drittel der Haushalte lebte demzufolge vornehmlich vom „Sandkroom“.

Vorgebirgshang oberhalb Roisdorf mit Blick auf Bonn

Der Chemiker Gustav Bischof, der 1826 das Wasser des Roisdorfer Brunnens analysierte und dabei auch die den Brunnen umgebende Landschaft beschrieb, hob in seinem Werk „Die Mineralquellen zu Roisdorf bei Alfter ohnweit Bonn“ diesen Aspekt als besonders bemerkenswert hervor:

„In dem durchschrittenen Walde stößt man auf mehrere Sandgruben (dort Sandkauhlen genannt) aus denen ein schöner feiner, weißer Sand mit einer Art von weiten, an langen hölzernen Stangen befestigten Löffelbohrern von Roisdorfer Einwohnern zu Tage gefördert, und nach Bonn und in die ganze Umgegend zu Bestreuen der Zimmer verkauft wird. Die hohen, an diesen Stellen aufgespeicherten Haufen blendend weissen, im Sonnenlicht wie Edelsteine funkelnden, Sandes stechen sehr überraschend gegen das schöne Grün der Buchen ab. Wollte die Kunst der Natur etwas zur Hülfe kommen, so ließen sich in der That die schönsten Anlagen und Spaziergänge eines Parkes ohne große Kosten anbringen, und der Kurgast könnte auf eine sehr bequeme Weise in diesem Haine lustwandeln und im Schatten dichtbelaubter Buchen ruhen."

Roisdorf am Vorgebirgshang im 18. Jahrhundert

Ging es Bischof darum, die landschaftlichen Schönheiten Roisdorfs zu preisen und damit Erholungssuchende für einen Besuch des Mineralbrunnens zu gewinnen, so faszinierte den Chemiker Franz Becks im Jahr 1827 das seltsame Phänomen des brennbaren, weil schwefelhaltigen Quarzsandes am Vorgebirge. Er berichtete von seinem Besuch in Roisdorf im „Jahrbuch der Chemie und Physik“:

„Auf dem Theile des Hügelzuges, welcher unmittelbar über den Mineralquellen von Roisdorf aufsteigt und an seinem Gehänge dieses Dorf größtentheils selbst trägt, wird von den Einwohnern viel loser feiner Quarz-Sand gegraben und theils zur Anwendung in Glas- und Fayence-Fabriken versandt, theils in Bonn als Stuben- und Scheuer-Sand verkauft. … In diesem Sande hatte ich das Vergnügen gediegenen Schwefel als Gemengtheil zu entdecken.

Sandschichten in einem Aufschluss oberhalb von Roisdorf

Nachdem ich gewiß war, daß jener Sand mit derselben Beimengung, wie ich ihn beobachtet hatte, von den damit handelnden Bauern zur Stadt gebracht sey, suchte ich den Fundort desselben auf, der wie schon gesagt, an jenem Bergrücken bei Roisdorf zu treffen ist. Der fragliche Berg, welcher mit dem Namen „in Thal“ oder „über den 10 Morgen“ belegt ist, verbirgt in seinem Innern eine ungeheure Menge Sand, der bald in lose, in feinen, glänzend weißen, kristallinischen Körnern zu Tage tritt, bald sich als fester Sandstein verbunden in bedeutenden Blöcken als Ueberreste eines zerstörten Lagers zeigt, und nach seinen petrographischen und geognostischen Verhältnissen als Sand oder Sandstein der Braunkohlen-Formation betrachtet werden muss.

Jener lose Sand wird daselbst wenigstens an 30 verschiedenen Plätzen gegraben, und tritt an einigen Stellen mit bloßer Dammerde-Bedeckung zu Tage, an anderen ist er mit einem aufgeschwemmten Lager von Geschieben und Grand bedeckt, und zwischen dieses Dachgebirge tritt auch wohl noch, besonders am oberen Theile des Berges, ein Thonlager, welches eine dünne Braunkohlenschicht umschließt.

Der Sand ist weiß, von bedeutender Mächtigkeit und seine Gewinnungs-Arbeiten erreichen seine Sohle nicht. In diesem feinen Sande fand ich an Ort und Stelle den früher auf meiner Stube entdeckten Schwefel beigemengt, doch gewahrte ich diesen unter den vielen Gruben nur in einer einzigen. Sie befindet sich auf dem höchsten Punkte des Berges, während an dessen Abhange in allen übrigen Gruben noch kein Schwefel entdeckt worden ist.


Wie die Roisdorfer Sandgräber bei der Förderung vorgingen, berichtet ebenfalls detailliert das Jahrbuch der Chemie und Physik von 1827:

„Der lose reine Sand wird, ohne bedeutende Kraftanstrengung mittels eines, die Stelle eines Bohrers vertretenden, an einer langen Stange befestigten, gebogenen Grabspatens herausgehoben. … Die Gewinnung des Sandes geschieht nämlich auf folgende Weise. Zuerst wird das Dachgebirge bis auf die brauchbare Sandlage zu Tage abgeräumt und dann zur Gewinnung des Sandes selbst die oben erwähnte sonderbare Art von Bohrer angewendet. Derselbe besteht nämlich aus einem Spaten von der Form eines gewöhnlichen Gartenspatens, nur ist er etwas länger und nicht so breit, und unterhalb des Oehrs unter einem Winkel von ungefähr 130-140o nach vorn gebogen und je nach Bedürfnis mit einem Stiel von 15-20 Fuß Länge versehen. Mit diesem Werkzeug bohren die Arbeiter in den Sand und heben diesen damit zugleich hervor. Das auf solche Weise entstehende runde Loch behält seinen Duchmesser von 1 ½ Fußen stets bei, indeß die Tiefe fortwährend wächst, bis endlich die Länge des Spatenstiels nicht mehr hinreicht, womit dann die Bearbeitung eines solchen Loches aufhört. Es wird dasselbe sogleich mit Schutt wieder ausgefüllt, damit die Wände neuer daneben anzulegender Löcher Festigkeit behalten. Auf diese Weise wird die Arbeit stets fortgesetzt, bis die Arbeiter durch locale Hindernisse zur Aufsuchung eines bequemeren Platzes genöthigt werden.“

Sandverkäufer im 19. Jahrhundert (Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)

Kein Wissenschaftler, sondern Landwirt und Ortsvorsteher war Wilhelm Rech, der sich in seiner um 1910 verfassten Chronik ebenfalls zu der Sandgräberei und -krämerei der Roisdorfer äußerte, die er in seiner Jugend kennen gelernt hatte. Er berichtete vor allem über die Vermarktung des gewonnenen Quarzsandes und wusste dabei allerhand Anekdotisches einzuflechten:

„Zur weiteren Ernährung ist der weiße Sand, der hier in den Bergen liegt zurechnen, namentlich früher war er eine Haupternährungs - Quälle für die gringern Leute, die sich mit dem Sand nach Bonn liefern befasten, verdienten alle Tage ihren Tagelohn und mehr, deßhalb waren es auch meistens lustige Kameraden, die nach keinem was fragte, obschon die Arbeit nicht angenehm, und meistens sehr schwierig war.

Diesen weißen Sand gruben die Leute sich selbst hier in den Bergabhengen, wofür Sie den Eigenthümer der Parzellen, eine kleine Vergütung zahlte, konnten dan so viel Sand graben wie sie wolten, die Leute machten einen so genannten Malterssack voll Sand, luden denselben auf eine Schiebekarre, spannten einen Hund vor die Karre und Schürgten denselben nach Bonn, und verkauft ihn dort meistens an Kunden oder von Haus zu Haus.

Hundekarren

Wenn sie Morgens von hier abfuhren waren sie meistens gleich nach Mittag wieder so früh hier, daß sie deselben Nachmittag, wieder laden konnte für den anderen Tag, und so ging das meistens wenn nichts außergewöhnliches vor fiel einen Tag nach dem anderen. In Bonn hatten sie ihr Stamlokal, ein Wirtshaus wo sie regelmäßig einkehrten namentlich wenn sie Ausverkauft hatten dann wurde dort Gefrühstück, und ging dann wieder nach Hause. Mannichmal wurde doch der eine oder andere Leichsinnig, blieb in der Wirthschaft lenger sitzen wie er sollte, hatten dann auch meistens etwas über den Durst gedrunken, und der arme Hund mußte sie halb nach Hause ziehen. Dieses aber ist einmal einem Uebel bekomen, der hatte sich verspäthet bis zum Abend, geriet in der Gemarkung Alfter einige hundert Meter vom Verkehrswege ab, konnte nicht mehr weiter, und man fand ihn des anderen Morgens Erfroren Todt auf dem Felde liegen, und das noch im Monat März. Stiese-Michael hieß der Mann.

Glücklicherweise hatt dieses Sandfahren mit der Schiebekarre nach Bonn, fast ganz aufgehört, eine wahre Wohlthat für die arme Hunde, wo einzelne noch sind die das Geschäft betreiben, die haben entweder kleine Pferde, oder Esel, und müssen jetz auch Gewerbesteuer bezahlen. Wie der Sand tiefer liegt, desto schöner ist er, weiße Silbersand“.

Porzellan-Fayence-Fabrik Mehlem (Rheinisches Bildarchiv Köln)

Auch wenn der von den einheimischen Sandgräbern betriebene Quarzsandabbau sich im Laufe des 19. Jahrhunderts nicht mehr lohnte und er eingestellt wurde, so kam der Abbau des Sandes im großen Maßstab für die Zwecke vor allem der Bonner keramischen Industrie doch nun erst in Schwung. Hierzu Wilhelm Rech in seiner Chronik:

"Die Industrie hatt auch Grube hier, wie die Wessels und Mehlemsfabrick, für Porzelahnzwecken, dort liegt der Sand aber sehr tief, der Silbersand. Da liegt ungefähr 30 bis 40 Fuß Kies trauf, der abgetragen, soweit Erforderlich, wird. Dar­unter liegt der schöne Sand dann auch in einer Mächtigkeit von 30 bis 40 Fuß, und durch Ausschachten heraus geholt. Dieser feine weiße Sand wird dann unten in der Sandmühle, noch feiner Gemahlen."

Arbeiter bei der "Grube Maria" der Firma "Sablière et Carrières Réunies" um 1890

"Das Abtragen des hohen Kiesberges, geschied sehr praktisch, wenn ein Schacht, von Sand ausgeschachtet ist, dann wierd von unten angefangen den Schacht abzubrechen, und vom Berge den Kies in den abgebrochene Schacht geworfen, weil der Sand so tief liegt wie der Berg hoch, so geht der Kies alle in den Schacht hinein.
Durch die Industrie hier im Orte, und die beiden Bahnen mit den Stationen, können die Leute jetzt überall gute Lohnende - Beschäftigung finden. Deßhalb ist dann auch, wie man früher immer sagte, der Name, Roisdorfer Sandkrämer verschwunden."

Rech dürfte hier die Sandkauhlen vor Augen gehabt haben, die sich in der Nähe des heutigen Schützenplatzes an der Essener Straße befanden. Darüber hinaus gab es, unweit der Roisdorfer Gemarkung, aber schon auf den Höhen über Botzdorf gelegen, die mächtige „Grube Maria“. Die untenstehende Fotografie, wohl aus den 1880er oder 90er Jahren, gewährt den Blick in diese Grube und zeigt Arbeiter, die dort in Handarbeit, also noch ohne den Einsatz von Maschinen, den unter mächtigen Schichten von Erdreich befindlichen weißen Sand fördern und abtransportieren. Auf Foto rechts sieht man die Arbeiter vor einer Holzhütte am Rande der Grube – samt einem die staubige Arbeit erträglich machenden Schnapseinschenker.

Blick in die "Grube Maria" um 1890

Grubenarbeiter mit Seilwinde am Schacht

Die Grube gehörte in der Zeit von ca. 1880 bis 1910 der belgischen Firma "Sablière et Carrières Réunies" (ab 1896 und bis heute "Sibelco"), die vor allem für die Glasindustrie bestimmten Quarzsand im belgischen Mol, im französischen Neracours und im preußischen Nivelheim (bei Herzogenrath) sowie Roisdorf bzw. Botzdorf lieferte. Ein glücklicherweise erhaltener Bericht des Firmendirektors Hubert Duquenne von 1885 – er könnte der auf beiden Fotografien erscheinende Herr mit hellem Hut und Schirm sein – beschreibt detailliert den damals von sechs bis acht Arbeitern samt Vorarbeiter geführten Betrieb. Dieser machte einen „recht erbärmlichen Eindruck“, obwohl der Sand von guter Qualität war.

Als Gründe hierfür benennt der Duquenne neben fehlendem Platz für den Abraum vor allem die wenig effiziente Abbaumethode, die indes gegenüber der Förderung mit den löffelartigen Grabwerkzeugen der einheimischen Sandgräber bereits eine wesentliche technische Verbesserung darstellte: Man trieb senkrecht quadratische Schächte von ca. 1,15 m Seitenlänge vor. Deren Wände kleidete man nach unten fortschreitend mit von Holzrahmen stabilisierten Brettern aus. Ein Arbeiter im Schacht füllte den Quarzsand in Körbe, die von einem weiteren Arbeiter mittels Seilwinde nach oben geholt wurden. Der Sand wurde neben dem Schacht ausgeschüttet, dann mit Schubkarren zu kleinen Wagen gebracht und schließlich mit Fuhrwerken abtransportiert. War man in etwa sechs bis acht Metern Tiefe auf den Grund der Quarzsandlage gekommen, so füllte man den Schacht schichtweise wieder mit Abraum auf und zog entsprechend Bretter und Holzrahmen heraus, bevor man den nächsten Schacht in Angriff nahm. Auf dem Foto, das in die Grube schauen lässt, sind die Winden über den Schächten und die Transportarbeiten deutlich auszumachen.

1.080 Tonnen Sand hatte man, so Direktor Duquenne, von Beginn des Jahres bis Ende August 1885 auf diese Weise gewonnen, doch hatte der Gestehungspreis von 3,20 Mark pro Tonne den Verkaufserlös von 2,50 Mark deutlich überstiegen. Als Verbesserungsmaßnahme schlug er den Übergang zum Tagebau anstelle des Schachtbetriebs bei entsprechender Terrassierung des Grubengeländes vor. Er ordnete zudem die Wiederaufnahme des von seinem Vorgänger verbotenen Verkaufs en detail an die benachbarten Bauern an, die nicht nur einen lukrativen Preis für den Sand zahlten, sondern auch noch den Transport zum Roisdorfer Bahnhof übernahmen. Übrigens sollen später auch auf Schienen fahrende Loren den Sand hangabwärts durch Hüsbroich und Wolfsschlucht bis zum Siefenfeldchen tranportiert haben.

Lederwarenfabrik Gammersbach und ehemalige Sandmühle Schumann (rechts im Bild mit Schornstein), 1950er Jahre

Für bestimmte Verwendungsformen der keramischen Industrie war es freilich, wie ja auch Rech erwähnt, erforderlich, den Quarzsand, obwohl bereits hochfein, mittels großer Mühlsteine noch weiter zu zermahlen. Zu diesem Zweck etablierte sich neben dem Roisdorfer Bahnhof, auf dem Gelände einer ehemals dem Kurbetrieb dienenden Restauration, die Sandmühle der Firma Schumann. Die Sandmühle war im frühen 20. Jahrhundert neben der auf der anderen Seite der Bonner Straße gelegenen Lederwarenfabrik Gammersbach und dem Mineralbrunnen ein wichtiger Arbeitgeber in Roisdorf, prägte damit den industriellen Charakter zumindest des unteren Teils des Ortes.

Mühlstein der Sandmühle Schumann als Zierbrunnen

Die Arbeit in der Sandmühle war indes überaus gefährlich, setzte sich der Staub, der nicht nur das Firmengelände sondern auch die Nachbarschaft bedeckte, doch in den Lungen der Arbeiter ab, was nicht selten nach wenigen Jahren zum frühen Tode führte. Die Sandmühle galt daher im Volksmund zu Recht als „Duudemöll“. Da nicht genügend einheimische Kräfte hierfür zu gewinnen waren, setzte man schon in den 1920er und 1930er Jahren auf in Italien angeworbene Gastarbeiter - es sollen in der Regel 40 bis 60 gewesen sein -, deren Nachkommen z.T. heute noch, wovon italienische Familiennamen zeugen, im Vorgebirge leben.

Bereits im Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb eingestellt und in die Gebäude der Sandmühle zog eine Konservenfabrik ein. Heute befindet sich an ihrer Stelle ein Penny-Supermarkt. Als letzten Überrest kann man noch einen der mächtigen Mühlsteine aus Granit bewundern, den man beim Abriss sicherte und in der historischen Hofanlage der Herseler Weinhandlung Antwerpen zum Zierbrunnen umfunktionierte.

Gründer des "Kuratoriums Rettet das Vorgebirge" mit "Heimataktien" 1998

Die Grube bei Botzdorf und Brenig wurde stets weiter betrieben, aus ihr neben Sand Kiese und Tone vor allem für den lokalen und regionalen Baubedarf gefördert. Ab 1975 gab es dann Bestrebungen verschiedener Firmen, den Quarzsandabbau zu intensivieren, und hierfür den gesamten Hangbereich von der Breniger Grube bis zum Roisdorfer Schützenplatz, wo sich ja ebenfalls eine kleinere Grube befand, abzugraben. Zunächst war sogar geplant, die bis zu 50 m tiefen Gruben mit Giftmüll zu verfüllen.

Rasch stieß dies auf den massiven Widerstand in der Bevölkerung: Es gründete sich die „Bürgerinitiative gegen den Quarzabbau“, aus der 1985 der Landschafts-Schutzverein Vorgebirge e.V. (LSV) hervorgehen sollt. Es galt nicht zuletzt, Sperrgrundstücke zu erwerben, um so zu verhindern, dass die Firma Heres bzw. die Quarzwerke Bonn über das gesamte Gelände zu verfügten und damit die Voraussetzungen für die Genehmigung einer großflächigen Abgrabung erfüllten. Ein „Kuratorium Rettet das Vorgebirge“, an dem auch die Heimatfreunde Roisdorf mitwirkten, gab zu diesem Zweck ab den späten 1990er Jahren sog. „Heimataktien“ heraus.

Blick in die ehemalige Quarzsandgrube Brenig

Das juristische und politische Tauziehen sollte lange Jahre währen, doch war es schließlich erfolgreich: Die Breniger Grube wurde 1996 unter Naturschutz gestellt. 1999 wurde die Förderung von Kiesen, Tonen und Sanden in ihr ganz beendet. Allmählich begann sie sich zu renaturieren, auch wenn sie immer wieder als Motocross-Gelände oder wilde Müllkippe missbraucht wurde. Die Grube beim Roisdorfer Schützenplatz wurde bald darauf – auch dank des Einsatzes der Bewohner des Oberdorfs, die den Quarzwerken mit entsprechenden Schildern vor ihren Häusern buchstäblich die „Rote Karte“ zeigten – nicht weiter ausgebeutet.

Bergbaubehörde, Insolvenzverwalter der Quarzwerke, Stadtverwaltung und Vereine suchten ab 2008 nach einer sinnvollen Folgenutzung der Gruben. Unterstützt von der NRW-Stiftung konnten der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) und das Vogelschutz-Komitee e.V. das insgesamt ca. 21 ha große Gelände erwerben, um es zu einem ökologischen Vorzeigeobjekt auszubauen: Inzwischen verbinden sich dort in enger Nachbarschaft zahlreiche seltene Biotope zu einem einmaligen Mosaik. Das offizielle Ende des Kampfes gegen den Quarzsandabbau erfolgte 2011, als das Bergrecht für diesen Bereich als erloschen erklärt wurde.

Mit Recht also können sich die Roisdorfer heute, wie beim Fest am Aussichtsturm im Sommer 2011, über die Quarzsandvorkommen auf den Höhen des Vorgebirges freuen, die unserer Heimat schließlich doch mehr Segen als Fluch gebracht haben. Die Erinnerungen an den „Sandkroom“, an die Sandgräberei und die Sandkrämerei, von dem sich ihre Vorfahren zu ernähren wussten, brauchen daher nicht mehr mit gemischten Gefühlen verbunden zu sein.

Mehr zu der Quarzgrube Brenig und ihrer Renaturierung unter:

http://www.lsv-vorgebirge.de/

sowie unter

http://www.quarzgrube-brenig.de/index.html