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Sebastian-Schule Roisdorf

Kinder sind die Zukunft unseres Ortes

Auszug aus der ersten Schulchronik

Seit 1671 verfügte die Pfarrei Alfter, zu der auch Roisdorf gehörte, über eine durch fromme Stiftungen finanzierte Schulvikarie, in der die Jungen unterrichtet wurden. Die Mädchen hingegen konnten Lesen, Schreiben und Handarbeiten von den Augustinerschwestern im Alfterer Annakloster lernen. Eine Schulpflicht bestand nicht. Da die Arbeitskraft der Kinder auf dem Feld und in den Weinbergen unentbehrlich war, fand der Unterricht ohnehin nur in den Wintermonaten statt. Während der französischen Besatzungszeit gelangten sowohl das Annakloster als auch die Schulvikarie in weltliche Hände. Ein Alfterer Schneidermeister mit Namen Christian Clemens hielt die Schulstunden für etwa vierzig Kinder als Hilfslehrer in seiner Werkstatt ab.

Erst nach dem Übergang des Rheinlands an Preußen 1814 ging man daran, eine eigene, staatlich getragene Dorfschule in Roisdorf einzurichten. Die Behörden ließen genaue Listen über alle schulfähigen Kinder der Gemeinde anfertigen und beriefen 1817 mit Franz Billstein, Sohn des Brunnenverwalters, einen ersten Dorfschullehrer. Er unterrichtete im Saale „Schlitzer“, musste aber wegen charakterlicher Mängel bereits 1818 sein Amt an Lehrer Hilger Thiesen, Sohn eines Roisdorfer Landwirts, abgeben, der die Schulstube wegen wachsender Schülerzahlen in den Drehsaal einer ehemaligen Töpferei in der Brunnenstraße verlegte.

Schulhaus von 1837

Dem Wunsch nach dem Bau einer eigenen Dorfschule wurde 1837 entsprochen. In der Brunnenstraße, wo sich heute der Parkplatz befindet, entstand das erste Roisdorfer Schulhaus, für das man ein abgebrochenes Gesindehaus der Wolfsburg wiederverwendete. In diesem Gebäude wurden mehr als einhundert Kinder unterschiedlicher Jahrgänge gleichzeitig unterrichtet. Die Chronik des späteren Ortsvorstehers Wilhelm Rech (* 1828, † 1914), der selbst noch Lehrer Thiesens Schüler war, berichtet von der dort herrschenden gewissen Strenge. Auf Ordnung, Stille und Reinlichkeit wurde großer Wert gelegt. Enorme Verdienste erwarb sich Thiesen jedoch auch durch seine Freude an der Landwirtschaft. So legte er auf eigene Kosten eine Baumschule an und lehrte den Knaben das Veredeln und Pflegen von Obstbäumen und Sträuchern. Nachdem Hilger Thiesen 1839 unerwartet verstorben war, übernahm Andreas Impekoven dessen Stelle und heiratete auch dessen junge Witwe.

Schulklasse auf dem Schulhof um 1905

Die Zahl der Schulkinder stieg stetig an und erreichte bald die Zahl von 180, sodass im Jahre 1864 ein zweiter Schulsaal aus solidem Backstein angebaut werden musste. Gut zwanzig Jahre später übernahm der aus Oedekoven stammende Hauptlehrer Johann Heister, der sich stark im Roisdorfer Vereinsleben engagierte, die Schulleitung. Durch Industrie und Handel blühte Roisdorf weiter auf, was stetig steigende Schülerzahlen zur Folge hatte. Im Jahre 1900 musste die Schule um zwei weitere Räume erweitert werden, was jedoch nach kurzer Zeit auch schon nicht mehr ausreichte. Man behalf sich mit Schichtunterricht, bei Klassenstärken von fünfzig bis siebzig Kindern und war auf der Suche nach einem Baugrundstück. Der Neubau sollte jedoch noch mehr als ein halbes Jahrhundert auf sich warten lassen.

Lehrerkollegium Anfang 1920er Jahre

Auf dem Foto sieht man Hauptlehrer Heister in der Mitte sitzend. Links außen ist die beliebte Lehrerin „Fräulein“ Lucie Simon (* 1884, † 1966) zu erkennen. Sie betreute von 1905 bis 1947 ganze Generationen von Roisdorfer Mädchen. Heister beendete den Schuldienst 1924 und war bis 1933 Roisdorfer Ortsvorsteher. Auf den kirchlich engagierten Heister folgte Daniel Dahm, der seinerseits von dem nationalsozialistisch geprägten Hauptlehrer Batzel abgelöst wurde. In der Schulchronik wird wenig über die Kriegsgeschehnisse berichtet. Einige Monate fiel der Unterricht aus; teils wurde er im Schulbunker erteilt. Von Hunger und fehlenden Brennstoffen wird berichtet, sowie von der Detonation einer Bombe im März 1945, die Schäden am Schulgebäude verursachte. Josef Görtz, Lehrer seit 1929, war der Hauptlehrer, später Rektor in der Nachkriegszeit.

alte Schule in der Brunnenstraße

Im Jahre 1956 berichtete die Bonner Rundschau „düster und alt liegt das langgestreckte Schulgebäude an der Brunnenstraße … der Schulplatz ist viel zu klein und liegt fast dauernd im Schatten.“ Bemängelt wurden auch der hohe Verkehrslärm und fehlende Gehsteige. Der Zufall wollte es, dass die Gemeinde 1956 aus der Konkursmasse der Firma Gammersbach ein etwa fünf Morgen großes Grundstück erwerben konnte, das sich zwischen dem Brunnengelände und der Friedrichstraße erstreckte. Dort sollte die neue Volksschule errichtet werden. Das Grundstück bot einen herrlichen Ausblick auf einen Teil des Vorgebirges, hier, inmitten der Natur, herrschte die notwendige Ruhe.

Der Amts- und Gemeindebürgermeister Hubert Schäfer setzte sich mit aller Kraft für den Neubau der zweizügigen Grundschule ein. So wurde vier Jahre später, Anfang Mai 1960, bei strömendem Regen der Grundstein gelegt. Zwei Jahre später, am 29. November 1962, wurde die neue Roisdorfer Volksschule, die Sebastian-Schule, in einem feierlichen Festakt, ihrer Bestimmung übergeben. Acht Klassenräume standen den dreihundert Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Rektor Josef Görtz, sechs Lehrerinnen und einem Lehrer zur Verfügung.

neue Schule, 1960er Jahre

Es wurde betont, dass an diesem Ort nicht nur der Geist, sondern auch die Seele und das Gemüt der Schüler gebildet werden sollten. So hatten die Gemeindeväter den Bornheimer Künstler Walter Schoneweg beauftragt, den Flur-und Eingangsbereich künstlerisch zu gestalten. Dieser meißelte den Schutzpatron der Schule und der Pfarrei, den heiligen Sebastian, als überlebensgroße Figur, in eine in die Wand eingelassene Kalksandsteinplatte, die sich gegenüber der Eingangstür befindet. Gemeinsam mit dem Bad Godesberger Künstler Paul Mager schuf Walter Schoneweg zudem noch zwei große Wandgemälde im Treppenhaus. Sie haben die Titel „Fleiß“ und „Unser täglich Brot gib uns heute“. Das Bild „Fleiß“ stellt Szenen aus der Blumen- und Obsternte im Vorgebirge dar. Auf dem anderen Gemälde ist eine Frühstückspause dargestellt, bei der Mensch und Tier gestärkt werden. So schien es kein Zufall zu sein, sondern „grundgelegt“, dass vierzig Jahre später, der als Hausmeister arbeitende Künstler Detlef Brehmer mit Kreativität und handwerklichem Können, den Außen- und Innenbereich der Schule gestaltete und ihr so noch mehr Wohlfühl-Atmosphäre gab.

Schulhof 2012

aus dem Schuleben heute

In Folge der Schulreform wurde 1971 die bisherige „Volksschule“ aufgeteilt, in Roisdorf verblieb die neue Grundschule als „Sebastian-Schule“ mit den Jahrgängen 1 bis 4. Die Pfarrchronik hebt hervor: „Durch das Engagement der Eltern bleibt sie katholische Konfessionsschule“. Zugleich beendete Rektor Josef Görttz, seine Tätigkeit. Nach Görtz manövrierten Paul Kirch, Gabriele Kauer und Margret Preißner das „Schulschiff“, das zu unserem Schullogo wurde, durch die vielfältigen Herausforderungen der nächsten 35 Jahre. Geburtenstarke Jahrgänge erforderten einen Anbau mit weiteren sechs Räumen. Durch die Einrichtung der Offenen Ganztagsschule, wieder verbunden mit einem Erweiterungsbau, konnte sich die Sebastian-Schule zum Lern- und Lebensraum für Kinder entwickeln, wobei deren unterschiedliche Herkunft für alle Beteiligten eine Herausforderung, ein großes Lernfeld und damit eine Bereicherung bedeuten. „Achtung vor der Überzeugung des Anderen, Erziehung im Geiste des Christentums, der Menschlichkeit, der Demokratie und der Freiheit …“, dieser Auftrag wurde der Schule mit der Grundsteinlegung gegeben und hat an Aktualität nichts verloren.

Text: Uta Scheuer