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Kalender 2005

"Roisdorf wie es war"

Titelbild

Abendlicher Blick auf die Pfarrkirche, 1950er Jahr

An Pastor Matthias Ossenbrink, der die Pfingstferien in Flüeli in der Schweiz verbrachte, sandte im Jahre 1954 Lehrer Josef Görtz die herzlichen Grüße des Roisdorfer Schulkollegiums. Es ist durchaus anzunehmen, dass Görtz selbst die fotografische Vorlage für die hierzu verwendete Ansichtskarte angefertigt hatte, war er doch ein begabter und leidenschaftlicher Hobbyfotograf, der das Leben in Roisdorf über Jahrzehnte hinweg dokumentierte. Mit dem abendlichen Blick vom Lindenberg auf die von Straßenlaternen beleuchtete Roisdorfer Pfarrkirche St. Sebastian war ihm eine besonders stimmungsvolle Aufnahme gelungen.

Januar

Kirchenkrippe mit der Anbetung der hl. Dreikönige,

In den Jahren 1942 und 1943, mitten in einer Zeit der Ängste, der Entbehrungen und der Trauer, setzte die Roisdorfer Pfarrgemeinde ein besonderes Zeichen christlicher Hoffnung: Eine neue, die weihnachtliche Botschaft vom Frieden auf Erden in lebendiger Weise verkündende Krippe wurde unter großen Mühen und mit viel Organisationsgeschick angeschafft. Trotz Fliegeralarms fuhr Peter Dick Mitte Dezember 1942 mit dem Fahrrad nach Bad Godesberg, um den gemalten Hintergrund für die Krippe abzuholen, deren neuen Stall er selbst aus Kiefernborkenrinde angefertigt hatte. Die ausdrucksstarken, bis heute viel bewunderten Figuren schuf in Kleve die renommierte Krippenkünstlerin Johanna Lamers-Vorder­mayer, die ihr Werk in einem Brief an Pastor Ossenbrink als „kleine Blumen inmitten von Trümmern“ bezeichnete.

Februar

"Der zweite Plöck" des Damenkomitées "Germania", 1

Mit Pferdegespannen fuhren die jecken Möhnen des Damenkomitees „Germania“ in einem der ersten Züge der Nachkriegszeit kamelle-, strüüßje- und bützjewerfend durch das Dorf. Winkten aus dem ersten der beiden buntgeschmückten Wagen, der die Aufschrift „Dä erste Plöck“ trug, fröhlich die jungen Frauen des Komités, so taten dies, nicht weniger vergnügt, im zweiten Wagen mit der Aufschrift „Der zweite Plöck“ die Frauen gesetzteren Alters – all dies in Anlehnung an ein beliebtes Karnevalslied der Zeit, das die Vorzüge gerade der reiferen Damen pries.

März

Schäden durch Fliegerbomben in der Bachstraße, 194

Auch wenn Roisdorf im Zweiten Weltkrieg längst nicht so viele Zerstörungen zu erleiden hatte, wie die benachbarten Städte Bonn und Köln, so waren doch auch hier die Kriegsschäden beträchtlich, kamen insgesamt 8 Roisdorfer als Zivilisten infolge alliierten Bombardements oder deutschen Artilleriebeschusses ums Leben. Die ersten Fliegerbomben des Krieges wurden auf Roisdorfer Wohngebiet in der Nacht vom Ostersonntag auf den Ostermontag des Jahres 1942 abgeworfen. Sechs Bomben mittleren Kalibers fielen dabei auf das Oberdorf; eine von ihnen zerstörte in der Bachstraße (heute Berliner Straße) die Stallung des Anwesens der Familie Nettekoven und tötete ein Pferd. Menschen kamen bei diesem Angriff gottlob nicht zu Schaden.

April

Wolfsburg in der Baumblüte, Mitte 1930er Jahre

Für die Schönheiten der Baumblüte im Vorgebirge warb in den 1930er Jahren die Roisdorfer Wolfsburg auf einem Faltblatt. Die wasserbewehrte Anlage, die spätestens im 14. Jahrhundert als „Brucher Hof“ gegründet wurde, verdankt ihren Namen nicht, wie die Sage behauptet, blutrünstigen Wölfen, sondern der Familie der Herren Wolff von Bergheimerdorf und Roisdorf, die vom späten 16. bis zum frühen 18. Jahrhundert die Burg innehatte. Vom wehrhaften Hof des Spätmittelalters über den adligen Rittersitz der frühen Neuzeit, den Restaurationsbetrieb und das landwirtschaftliche Gut des 19. und 20. Jahrhunderts, vollzog die Wolfsburg eine lange und wechselvolle Entwicklung bis zum heutigen repräsentativen Wohnsitz der Familie Rech. Ein Schmuckstück für unseren Ort, mit dem sich werben lässt, ist sie dank des Einsatzes vieler aufeinander folgender Generationen immer geblieben.

Mai

Fronleichnamsaltar in der Brunnenstraße, 1950er Ja

Außer dem prächtigen Zeremonialschirm, den man inzwischen nicht mehr benutzt, hat sich gar nicht so viel verändert: In jedem Jahr geht die Fronleichnamsprozession durch die Straßen Roisdorfs, zum Segen für den Ort und auch als Demonstration der Gegenwart Gottes in unserer Welt. Wie vor 50 Jahren gibt auch heute die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft dem Allerheiligsten das Ehrengeleit, gehen ihm die Kommunionkinder des Jahres voran, reihen sich jung und alt in die Prozession ein. Auch heute treten diejenigen, die sich mit dem Aufbau und dem Schmuck der einzelnen Altäre viel Mühe gemacht haben, bescheiden und stolz zugleich zur Seite, wenn die Prozession an ihrem Altar Station macht. Es ist zu hoffen, dass diese schöne und wichtige Tradition auch in Zeiten zunehmenden Priestermangels und des Zusammengehens von Pfarrgemeinden unserem Ort erhalten bleiben wird.

Juni

Oberdorfer Junggesellen in Königswinter, ca. 1949

Große Urlaubsreisen und Vereinstouren zu fernen Zielen konnte man sich in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg nicht leisten. Aber auch in diesen recht kargen Zeiten verstanden es die Roisdorfer Jugendlichen, viel Freude und Vergnügen bei gemeinsamen Unternehmungen zu haben. So unternahmen gegen Ende der 1940er Jahre die Junggesellen des Oberdorfs mit weiblicher Begleitung einen fröhlichen Ausflug nach Königswinter und präsentierten sich dort dem Fotografen vor gemalter Drachenfelskulisse als singende Rheinmatrosen.

Juli

"Gruss aus Roisdorf", 1901

„Lieber Vetter, die herzlichsten Glückwünsche zum Namenstage sendet dir Matthias Schmitt in Roisdorf Poststraße“. Es war um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert durchaus üblich, den Grußtext auf die Bildseite einer Ansichtskarte zu schreiben, wie es auch hier bei dieser – offenbar von der Restauration von H. Kreuder (heute Ristorante Fratelli) bestellten, beim Bonner Verlag Jos. Bach Ww. ca. 1899 gedruckten – Karte geschah. Recht detailgenau sind hier die Villa von Wittgenstein, der Roisdorfer Mineralbrunnen sowie nebst gerade neuerbautem Pastorat die Pfarrkirche abgebildet, wenn auch der Kirchturm, um auf die Karte zu passen, arg verkleinert dargestellt werden musste. Den ebenfalls auf der Karte gegrüßten Anton Fuhrmann wird es gefreut haben zu erfahren, dass er „seine Schuhe diese Woche“ bekommen werde.

August

"Battas Westen sind die besten", ca. 1930

Heute sind sie gänzlich ausgestorben, die fahrenden Händler, die der Bevölkerung alles von Korb- über Kurzwaren und Textilien bis hin zu „Fetten, Ölen und Schmierseifen“ anboten. Noch vor wenigen Jahrzehnten, als dergleichen Waren nicht in den örtlichen Supermärkten erworben werden konnten, freute man sich über die Möglichkeit des Kaufs an der Haustür. Von Alfter bis nach Walberberg war so unter der Bevölkerung auch die einspännige Kutsche bekannt, mit der Jakobine Batta durch die Straßen zog, um „Strickwaren aus eigener Herstellung“, insbesondere die bei den Landwirten begehrten warmen Westen, anzubieten. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Peter betrieb Jakobine Batta von den 1920er Jahren bis in die Nachkriegszeit hinein die Strickerei in der Brunnenhöhle, sorgte sie unermüdlich für die Vermarktung der Waren. Dass Battas Westen die besten waren, darüber war man sich am ganzen Vorgebirge einig.

September

Haus Rech in der Bonner Straße, 1940

Einen freien Blick über die Felder der Gärtnerei Herter hinweg hatte man 1940 noch von der Friedrichstraße auf die Bonner Straße und dort auf das herrschaftlich anmutende, von kräftigen Maronenbäumen flankierte Haus der Familie Rech – eine vorstädtische Villa, die man kaum in der Nähe von Fa­brikanlagen, Arbeiterwohnungen, Gewerbe- und Bauernhäusern erwartet. In der Tat bilden das Haus und der erhaltene der Bäume den letzten bis heute erkennbaren Überrest der Kurortpläne des 19. Jahrhunderts: In den 1840er und nochmals in den 1860er Jahren entstanden einige vornehme, zur Aufnahme und Bewirtung von Kurgästen bestimmte Häuser in der Nähe des repräsentativen Bahnhofgebäudes und des gegenüber gelegenen stattlichen Kurhauses. Die Pläne zerschlugen sich bekanntlich, die Gebäude wurden sämtlich anderen Nutzungen zugeführt und verschwanden eines nach dem anderen.

Oktober

Kath. Paulusverein beim 100jährigen Jubiläum, 1985

Im Jahre 1885 als „Paulus-Krankenkassen-Verein“ gegründet, dessen Mitglieder zunächst die Arbeiter und Angestellten der Lederwarenfabrik Gammersbach waren, verfolgte der Paulusverein als ursprünglichen Zweck die finanzielle Unterstützung seiner Mitglieder und ihrer Familien im Falle von Krankheit und unverschuldeter Armut sowie im Todesfall. Als diese Zwecke nach Einführung der Sozialversicherungen weitgehend entfallen waren, ging man nicht auseinander, sondern bildete man sich zu einer Gemeinschaft um, die Freundschaft und Kameradschaft bei geselligen Zusammenkünften pflegt – was seine Mitglieder bis heute schätzen. Die Präsenz der Vereinsfahne bei festlichen Anlässen im Dorf und bei Beerdigungen blieb dabei stets feste Gewohnheit.

November

Fuhrunternehmen Joh. Dom. Hartmann, 1918

„Do kütt de Dom jefahre!“ – Mit diesem Ausruf begrüßte man einstmals in Köln das Pferdefuhrwerk des Roisdorfer Fuhrunternehmens „Joh. Dom. Hartmann“. Im Jahr 1905 hatte Johann Dominikus Hartmann in der Friedrichstraße sein Unternehmen gegründet, das zunächst vor allem Obst und Gemüse zum Verkauf nach Köln transportierte, es so den einheimischen Landwirten ersparte, ihre Waren mühselig mit Karren und „Mahnden“ dorthin zu schaffen. 1923 war man stolz auf den ersten Lastkraftwagen, mit dem die Söhne Anton und Christian auch Fahrten für den Mineralbrunnen und die Gemeinde durchführten. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte der Betrieb sich rasch und erfolgreich. Auf eine stattliche Flotte von LKWs für den Nah- und Fernverkehr sowie von Betonmischern und Containern kann das seit 1989 auf dem Herseler Weg beheimatete und nunmehr seit 100 Jahren bestehende Unternehmen verweisen.

Dezember

Krippenspiel in der Volksschule, ca. 1949

Auf die Feste und Feiern des Kirchenjahres wurden die Kinder in der Roisdorfer Volksschule von ihren Lehrern und Lehrerinnen stets intensiv vorbereitet. So verfügte manche Klasse gegen Ende der 1940er Jahre über eine eigene Adventskrippe. Die besonders braven und fleißigen Kinder bekamen als Belohnung einen Strohhalm, den sie in die Krippe legen durften. Wer dann zu Weihnachten die meisten Strohhalme vorzuweisen hatte, durfte dann auch das Jesuskind hineinlegen. Beliebt war es, kurz vor dem Fest ein kleines Krippenspiel aufzuführen, bei dem es für jedes der Kinder natürlich eine besondere Auszeichnung bedeutete, wenn es die Rolle der hl. Maria oder des hl. Josef übernehmen durfte. Unser Dezemberbild zeigt Margret Gratzfeld und Gretel Balg, denen diese Ehre zuteil wurde.

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