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Kalender 2010

"Roisdorf wie es war"

Titelbild

Schulgarten in der Lüste, 1954

Quelle: Linden, Kölner Pfad

Der Roisdorfer Schulgarten in der Lüste, von dem aus Lehrer Fritz Trost eine naive, aber stimmungsvolle Ansicht unserer Pfarrkirche und von den Häusern der Pützweide malte, hatte in der Mitte des 20. Jahrhunderts bereits eine lange Tradition. Schon Hilger Thiesen, der 1817 zum Lehrer der neu eingerichteten Roisdorfer Dorfschule bestellt worden war, hatte diesen Garten begründet, nicht nur um, wie auch noch Lehrer Trost, sein karges Einkommen durch den eigenen Anbau von Obst und Gemüse zu entlasten, sondern vor allem, um seine Schüler in der Kunst des Beschneidens der Obstbäume zu unterweisen. Hierzu war er von den preußischen Behörden angehalten worden, denen daran gelegen war, statt des verzichtbaren Weinbaus im Vorgebirge den Obst und Gemüsebau zu fördern, was angesichts der rasch wachsenden Städte an Rhein und Ruhr vonnöten erschien. Lehrer Thiesen, selbst Sohn eines Roisdorfer Ackerers, lag, wie berichtet wird, gerade dieser Unterrichtsstoff besonders am Herzen.

Januar

Schlittenfahrt, die Siegesstraße hinab, ca. 1944

Quelle: Rech, Siegesstraße

Während die mutigen großen Jungen in den schneereichen Wintern der Mitte des 20. Jahrhunderts mit ihren z.T. lenkbaren Schlitten die rasante Abfahrt den Lindenberg hinunter wagten, begnügten sich die kleineren Kinder mit der sanfteren Schlittenfahrt die Siegesstraße hinab bis zur Vorgebirgsbahn – was angesichts des damals vergleichsweise spärlichen Verkehrsaufkommens kein besonderes Risiko darstellte. Ein stimmungsvolles Bild hiervon hat sich in der Familie „Müscher“ erhalten, es zeigt Elisabeth Müller, geb. Schmidt, wohl mit der kleinen Nichte Rita. Auf dem Bild glücklicherweise ebenfalls dokumentiert: Der schwungvoll gestaltete, um 1960 leider abgebrochene Giebel der Remise des ehemaligen Hofs der Familie Tönnessen.

Februar

Roisdorfer Kindertanzgruppe, Mitte 1960er Jahre

Quelle: Pütz, Brunnenstraße

Es begann damit, dass Anfang der 1960er Jahre Liesel Pütz ihre Kinder Gerda, Josef und Konni für den Besuch des Bornheimer Karnevalszugs liebevoll als kleine Tanzmariechen bzw. Tanzoffiziere ausstaffierte – blauweiß wie die Uniformen des Roisdorfer „Damenkomités Germania“. Die Kinder waren restlos begeistert. Mutter Liesel, selbst Mitglied des Damenkomités und – bis heute – Karnevalistin durch und durch, griff diese Begeisterung gerne auf. Bald schon fand sich eine ganze Reihe weiterer Roisdorfer Kinder zu einer eigenen Kindertanzgruppe zusammen. Geleitet von Liesel Pütz und Luzi Wünsch trainierte man fleißig, wie berichtet wird u.a. in der Backstube der Bäckerei Rott, wobei bisweilen zum Auskühlen ausliegende Apfelkuchen zu Schaden gekommen sein sollen. Großen Applaus erntete man bei Auftritten auf karnevalistischen Veranstaltungen und bei Karnevalszügen in Roisdorf sowie in benachbarten Ortschaften und in Bonn. Etwa zehn Jahre hatte die Kindertanzgruppe Bestand, deren Tradition von der Tanzgruppe „Jrönwieße Müsje“ und der KG Vorgebirgssterne fortgeführt werden sollte. Wie auf unserem Bild zu sehen, konnte man mit Christian Rott und Konni Pütz sogar einmal ein eigenes Kinderprinzenpaar vorstellen

März

Alte Post Ecke Bonner Straße/ Poststraße, Anf. 192

Quelle: Wienand, Brenig

Die Bonn-Cölner-Eisenbahn eröffnete im Jahre 1844 die Möglichkeit einer Postzustellung mit diesem modernen Verkehrsmittel. Da es sich als zu mühsam erwies, Briefe und Pakete vom Roisdorfer Bahnhof mit dem Handkarren zur damals eingerichteten Bornheimer Postexpedition zu transportieren, eröffnete man 1856 in Roisdorf eine neue Postexpedition, von der aus das ganze südliche Vorgebirge von Gielsdorf bis Brenig bedient wurde. „An Frau Kammerherrin Freifrau von Carnap-Bornheim auf Burg Bornheim bei Roisdorf“ lautete dementsprechend die korrekte Anschrift auf einem Brief der damaligen Zeit. Für die Roisdorfer Postexpedition erbaute man ein eigenes Haus an der Bonner Straße, das heute noch kaum verändert erhalten ist, und zwar an der Ecke zur Neußer Straße, die statt ihres heutigen nichts sagenden Namens früher treffender die Bezeichnung „Poststraße“ trug. Unser Bild zeigt das Gebäude, wie es sich um 1920 darbot, als sich in ihm bereits kein Postamt mehr befand – dieses war in den frühen 1910er Jahren einige Häuser weiter Richtung Bahnhof gewandert –, es vielmehr als Wohnung für „Eisenbahner“ genutzt wurde.

April

Erster Schultag in der Volksschule, 1962

Quelle: Jeroch, Siegesstraße

Geburtenstark“ nannte man zu Recht die Jahrgänge der 1950er Jahre. Den wieder friedlichen Zeiten und dem wirtschaftlichen Aufschwung entsprechend ergoss sich damals auch über das rasch wachsende Roisdorf ein reicher Kindersegen. Bei der Einschulung all dieser „Pänz“, und zwar in Klassen, die jeweils mehr als 50 Kinder stark waren, platzte die alte Volksschule in der Brunnenstraße, die zuletzt zu Beginn des Jahrhunderts baulich erweitert worden war, förmlich aus allen Nähten. Als Rektor Josef Görtz zum neuen Schuljahr Ostern 1962 seine neuen „iDötzchen“ ablichtete, war ein neues Schulgebäude „Auf der Lüste“, also an der Friedrichstraße/ Brunnenallee, die heutige „SebastianSchule Katholische Grundschule Roisdorf“, allerdings bereits im Bau. Wenige Monate später sollte der ersehnte Umzug in die großzügigen, modernen Räumlichkeiten erfolgen.

Mai

Frühlingsidylle am Lindenberg, ca. 1910

Quelle: Recht, Siegesstraße

Als „angenehmster Aufenthalt für Touristen, Vereine und Ausflügler“ gepriesen wurde wohl zu Recht in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts die Gast und Gartenwirtschaft von Johann Rech an der Ecke Brunnenstraße/Lindenberg, die später „Zur Wolfsburg“ genannt wurde und sich heute als „Ristorante Fratelli“ präsentiert. Vor allem in der Zeit der Baumblüte konnte man sich hier nach einer Wanderung durch die Obstgärten des Vorgebirgshangs gepflegt bewirten lassen. Die gezeigte Idylle trügt indes bereits für die Zeit, in der die Ansichtskarte versandt wurde, nämlich den 11.11.1914, als der Erste Weltkrieg bereits ausgebrochen war. Als Feldpostkarte ist sie an den Landsturmmann Johann Rech nach Libramont in Belgien gerichtet. „Hoffentlich ist der böse Krieg bald zu Ende“ wünscht darauf die Nichte Anna. Das war er bekanntlich nicht. In seiner Folge sollte sich auch der abgebildete Ort verändern: Dort, wo ein junges Paar am Fuße des Lindenbergs friedlich unter schattigen Bäumen posiert, sollte wenige Jahre später zu Ehren der zahlreichen gefallenen Roisdorfer das Kriegerdenkmal errichtet werden.

Juni

Vorbereitungen für Fronleichnam, Ende 1950er Jahre

Quelle: Schwarz, Brunnenstraße

Eifrig waren in Roisdorf noch bis in die 1960er Jahre hinein groß und klein vor dem Fest Fronleichnam mit Vorbereitungen für die anstehende Prozession beschäftigt. Es galt, große Mengen an Blüten und Blättern zu sammeln, mit denen nicht nur, wie auch heute noch üblich, vor den einzelnen Stationsaltären kunstvoll gestaltete Teppiche ausgelegt werden sollten, sondern auch den gesamten Prozessionsweg entlang ein durchgehender Blütenteppich, der allein dem unter dem „Himmel“ mit der Monstranz schreitenden Priester vorbehalten war. Erleichtert wurde das exakte Auslegen der Blüten durch eigens hierfür aus Metall gefertigte Rahmen. War der Teppich in gemeinsamer Arbeit der Anwohner fertig gestellt, galt es, die frisch gebügelten Fähnchen am Straßenrand aufzustellen und natürlich auch vor der Haustür oder im Fenster das eigene Altärchen aufzubauen, mit dem man das vorbei getragene Allerheiligste ehrte.

Juli

Deutschfranzösische Freundschaft, ca. 1942

Quelle: Rech, Siegesstraße

Die französischen Kriegsgefangenen, die während des Zweiten Weltkriegs im Saal Schlösser in der Brunnenstraße (dem heutigen Weekend) einquartiert waren, hatten tagsüber bei den Roisdorfer Landwirten und Gewerbetreibenden zu arbeiten und damit die Arbeitskraft der deutschen Männer zu ersetzen, die zum Dienst „an der Front“ eingezogen waren. Was indes keineswegs im Sinn der Machthaber der damaligen Zeit war: Oft arbeiteten die Kriegsgefangenen völlig selbstständig und ohne die befohlene strenge Aufsicht, wurden sie gar wie Söhne in die Familien integriert, entwickelten sich Freundschaften, die auch über die Kriegsjahre hinaus Bestand haben sollten. Ein besonderes Zeugnis hierfür liefert das vorliegende Bild aus dem Hof der Familie Schmidt in der Siegesstraße: Christian Schmidt (links) trägt das Käppi der französischen Uniform, der französische Kriegsgefangene (rechts) das Schiffchen der deutschen Uniform: Zeichen eigentlich selbstverständlichen menschlichen Miteinanders in einer dunklen und menschenverachtenden Zeit. Von „Erbfeindschaft“ keine Spur!

August

Blick in die Grube „Maria“, nach 1880

Quelle: Berrisch, Schussgasse

„Die Roisdebe Löck, die hann vell Jeld, dat ös bekannt en der janze Welt – vom Sandkroom, vom Sandkroom“ Mit diesem Spottvers wurden im 19. Jahrhundert die Roisdorfer bedacht, die sich mit der Förderung und dem Verkauf des auf den Höhen über ihrem Dorf vorkommenden weißen Quarzsandes einen bescheidenen Neben oder auch Haupterwerb sicherten. Wurde der Sand zunächst mit langen löffelartigen Geräten aus einzelnen kleinen Schächten gefördert, so erfolgte dies später in großräumigem Tagebau. In welch beachtlichem Umfang und mit welchen konkreten Arbeitsschritten dies vor sich ging, zeigt das ungewöhnlich detailreiche Bild der zugegeben bereits auf Bornheim/Botzdorfer Gemarkung gelegenen Grube „Maria“ aus der Zeit nach 1880. War die Quarzsandförderung im 19. Jahrhundert ein Segen, so drohte sie im späten 20. Jahrhundert, großindustriell betrieben, für unsere heimatliche Landschaft zum Fluch zu werden. Heute besteht die nicht nur die gute Hoffnung, sondern gibt es bereits konkrete Pläne dafür, wie das stillgelegte Grubengelände zu einem Naturparadies mit großer Artenvielfalt entwickelt werden kann.

September

Roisdorf am Rhein?, 1860

Quelle: Gierlich, Siefenfeldchen

Die Standortvorteile des eigentlich für die anreisenden Kurgäste bestimmten Bahnhofs der BonnCölnerEisenbahn nutzend, hatte in den 1850er Jahren der aus Miel stammende Kaufmann Franz Wilhelm Gammersbach das repräsentative Kurhaus und einen großen Teil des Brunnenparks nach dem finanziellen Debakel des Brunnenpächters Gerhard Freiherr von Carnap erworben, um dort seine Fabrikation von Leder und Lederwaren aufzunehmen. Die Abbildung auf der Rechnung sollte natürlich für das neue Unternehmen werben, und so wurde dort nicht nur die Größe der Anlagen reichlich übertrieben dargestellt, sondern auch die Eisenbahn gleich neben die Fabrik verlegt, erstaunlicherweise unmittelbar benachbart vom Rhein, auf dem ein Dampfschiff erkennbar ist. Über fast ein Jahrhundert hinweg, bis in die Mitte der 1950er Jahre, sollte die Gammersbachsche Fabrik als größter Arbeitgeber Roisdorfs erfolgreich arbeiten.

Oktober

Wäscherei des Benzinbads Ferster, 1961

Quelle: Dahlen, Schussgasse

Das „Benzinbad Ferster“, das in Bonn als Schnellwäscherei „Laundrette“ seine Anfänge genommen hatte und auf das Gelände der vormaligen Fabrik Gammersbach übersiedelt war, konnte zu Beginn der 1960er Jahre stolz seine moderne Ausstattung präsentieren, von den elektrischen Waschmaschinen „Extron“ und „Spencer“ bis zu den Heißmangeln und „Ajax“Pressen, mit denen die Kleidungsstücke und Wäsche zur Zufriedenheit der Kunden perfekt gereinigt und in Form gebracht wurden. Angeboten wurde die Reinigung mittels „Benzinbad“ oder höherwertig und teurer als „Chemische Reinigung“. Für die bedenklichen Auswirkungen der Reinigungsverfahren und ihrer Hinterlassenschaften auf die Umwelt hatte man damals indes noch kein Gespür. Noch heute müssen Pumpen in Betrieb gehalten werden, um zu verhindern, dass die in den Boden abgelassenen Abwässer des bereits seit Jahrzehnten geschlossenen Benzinbads das Roisdorfer Grundwasser schädigen.

November

„De hellije Zente Mäertes, dat woar ne jode Mann!“

Quelle: Rech, Siegesstraße

St. Martin in römischer Soldatenuniform, festlicher Zug der singenden und bunte Papierfackeln tragenden Kinder, Blaskapellen und Gänsewagen, ein zentrales großes Feuer, die Verteilung von Weckmännern an die Kinder – all dies wurde erst in den 1920er Jahren im Rahmen einer umfassenden Reform des rheinischen Martinsbrauchtums eingeführt. Vorreiter war hier Bonn, seit jeher ein Zentrum der Martinsverehrung, wo man 1924 den ersten Martinszug organisierte. Für Roisdorf ist erstmals für 1929 ein eigener Martinszug schriftlich bezeugt, doch könnte der Zug auch bereits ein oder zwei Jahre früher durch die Dorfstraßen gezogen sein. Unser Bild dürfte jedenfalls, dem Alter der als Gänsejungen und Gänseliesel gekleideten Kinder nach zu urteilen, etwas früher zu datieren sein. Ehrenvolle Aufgabe der Freiwilligen Feuerwehr war es bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, den Roisdorfer Zug zu organisieren. Aus ihren Reihen ging der jeweilige Darsteller des St. Martin hervor, wohl auch der unbekannte „heilige Mann“ in der Mitte unseres Bildes.

Dezember

Hochaltar in weihnachtlichem Schmuck, Mitte 1950er

Quelle: Heimatfreunde Roisdorf

In prachtvollem weihnachtlichem Lichterglanz präsentiert sich einmal mehr der Hochaltar der Pfarrkirche St. Sebastian. Nach der Entfernung der als veraltet empfundenen neuromanischen Aufbauten des Hochaltars in der unmittelbaren Nachkriegszeit hatte man Platz gefunden, dort in der österlichen Zeit eine Statue des auferstandenen Heilands aufzustellen und eben in der weihnachtlichen Zeit große Figuren der Hl. Familie samt anbetendem Engel, als zweite Krippenszene neben der im rechten Seitenschiff aufgebauten großen Landschaftskrippe. In der neuen Pfarrkirche der 1970er Jahre hatte man für diese wiederum als altmodisch empfundene Gruppe keine Verwendung mehr. Niemand weiß, wo die Figuren verblieben sind, allein die Flügel des Engels blieben erhalten und zeugen in einer Rumpelkammer unter der Sakristei von der einstigen weihnachtlichen Pracht des Hochaltars der alten Kirche.

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