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Kalender 2016

"Roisdorf wie es war"

Titelbild

Titelbild: Allerliebstes Wetter am Mineralbrunnen

Quelle: Heimatfreunde Roisdorf

„Roisdorf, den 2.6.00. Lieber Josef! Herzlichste Grüße von hier! Andenken! Wetter wieder allerliebst! Bis heute Abend bin ich wieder dort! Dein Michael.“ Wir wissen nicht, wer dieser Michael war, der einen Tagesausflug ins Vorgebirge machte. Auf jeden Fall war er einer von den vielen Städtern, die mit der auf unserer Lithographie abgebildeten „Staatsbahn“ beim prächtigen ehemaligen Kurbahnhof ankamen, um den berühmten Mineralbrunnen zu besuchen und vielleicht, wie auf der Ansichtskarte zu sehen, eine Kahnfahrt auf dem Weiher des schön angelegten Brunnenparks zu unternehmen. Brunnenanlagen und Park sowie der Staatsbahnhof sind hier mit allen Einzelheiten wiedergegeben, das im Hintergrund der Bahnstrecke gelegene Dorf nur andeutungsweise. Immerhin sind im Oberdorf die Villa Anna und Haus Wittgenstein erkennbar, ebenso der neu erbaute Turm der Pfarrkirche. Nicht unterschlagen wurde die rauchspeiende große Fabrikanlage Gammersbach zwischen Bahnhof und Brunnen, obwohl sie den idyllischen Gesamteindruck gemindert haben dürfte.

Januar

Der Abbruch sollte nicht das Ende sein, Anf. 1930e

Quelle: Heimatfreunde Roisdorf

Nur kurz vor dem Abbruch wurde es fotografisch dokumentiert: Das wohl in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert erbaute „Maria-Hilf-Kapellchen“ des Roisdorfer Friedhofs. Die Arbeiten an der neuen Umfassungsmauer des Friedhofs waren bereits voll im Gange, in deren Verlauf das Heiligenhäuschen durch das heutige, wenig westlich gelegene Gebäude ersetzt werden sollte. Der schlichte Backsteinbau dürfte indes bereits einen Vorgänger gehabt haben, der indirekt im Jahre 1689 durch die Erwähnung der „Siegesstraße“ bezeugt ist, einer Straße also, die vom Dorf zu einem dort gelegenen „Sieches“ führte: Zu einem solchen „Sieches“, einem Leprosenhaus, gehörten stets solche Kapellchen, die, an einer vielbegangenen Straße befindlich, einen Opferstock für milde Gaben für die armen Aussätzigen enthielten. Auch beim heutigen liebevoll gepflegten Nachfolger hält mancher Friedhofsbesucher zu einem stillen Gebet zur „Immerwährenden Hilfe“ inne und wirft ein paar Cent in den immer noch vorhandenen Opferstock.

Februar

Barocker Prunk im Roisdorfer Karneval, 1990

Quelle: Gierlich, Siefenfeldchen

„Petersburger Schlittenfahrt“, „Mississippi Empress“, „Moulin Rouge“… die Karnevalswagen des TuSRoisdorf waren in den 1980er und frühen 1990er Jahren stets Höhepunkte des für seine ebenso phantasievoll wie aufwändig gestalteten Wagen berühmten Roisdorfer Weiberfastnachtszugs. Die aus versierten Handwerkern bestehende Wagenbautruppe des Fußballvereins lieferte sich dabei stets einen engagierten Wettbewerb z.B. mit der gleichfalls prachtvolle Prunkwagen produzierenden Truppe der KG Vorgebirgssterne, wobei man den Ehrgeiz hatte, den Wagen ohne ein einziges Papierröschen zu erstellen, was ein hohes Maß an Exaktheit und viel Detailarbeit erforderte. Von einem barocken Brunnen aus fast echtem Marmor und Gold grüßen auf unserem Bild Hans Kerz und Johannes Hartmann sowie dessen Sohn Dominik. Heute, nachdem auch „AltRoisdorf“ und „IGRK“ den Wagenbau aufgegeben haben, gibt es in Roisdorf nur noch andernorts gebaute, angemietete Prunkwagen. Vielleicht findet sich aber eines Tages wieder eine kreative und die Mühe nicht scheuende Truppe, die dem Roisdorfer Zug wieder den einstigen Glanz verleiht.

März

Ein alter Hof, der zwei Tode starb, 1960er Jahre

Quelle: Stadtarchiv Bornheim

Der Clarenhof, über Jahrhunderte der größte Hof Roisdorfs, wurde bereits im Mittelalter erwähnt, und zwar im Jahre 1335, als ihn die mit den Herren von Alfter verwandte Familie von Metternich den Kölner Klarissen übertrug. Die jeweiligen „Cloarehalfe“, also die wechselnden Pächterfamilien, lieferten dem Kloster fortan vor allem Getreide und Gemüse. Wilhelm Jüssen sollte der letzte Pächter sein. Als das Kloster St. Clara wie alle rheinischen Klöster und Stifte im Jahre 1802 aufgelöst wurde, nutzte dieser die Chance und erwarb den Clarenhof. Jüssens Nachkommen bewirtschafteten den Hof bis zum Ende der 1960er Jahre, bevor das Gelände zum Zweck der Errichtung der neuen Pfarrkirche St. Sebastian an gleicher Stelle verkauft wurde. Erfolgte 1972 der Abriss des traditionsreichen Hofes, so starb dieser seinen zweiten Tod im Jahre 2009, als die umfangreich erhaltenen Dokumente aus Jahrhunderten seiner Geschichte zusammen mit dem Stadtarchiv vielleicht unwiederbringlich in den Kölner Untergrund sanken. Unser Bild gewährt einen Blick in das Innere des Hofes, auf das wohl aus dem 18. Jahrhundert stammende Wohnhaus und auf Stallungen des 19. Jahrhunderts samt davor gelegenem Misthaufen. Glücklicherweise blieb dieses seltene fotografische Dokument im stabiler fundamentierten Bornheimer Stadtarchiv erhalten.

April

Roisdorf - ein Zentrum des Luftsports, 1952

Quelle: Bungartz, Dersdorf

Die Gebrüder Theo, Gerhard und Georg Schaden zeigten Ende der 1920er Jahren bereits ein reges Interesse an der Fliegerei. So gründete man 1930 die „Flugfreunde Roisdorf“, die auf dem Gelände der Lasurfabrik Dederichs – an der Stelle des heutigen Penny-Markts – mit der „Grünen Post“ einen eigenen Schulgleiter konstruierten. Geflogen wurde auf dem Rodderberg bei Rolandseck. Der Zweite Weltkrieg setzte der privaten Fliegerei indes ein Ende, und auch in der Nachkriegszeit blieb sie zunächst verboten. Man versuchte, sich mit dem Bau von Modellflugzeugen den Traum vom Fliegen zu erhalten. Als das Verbot 1951 aufgehoben wurde, waren es wieder Mitglieder der Familie Schaden, die gemeinsam mit anderen Fluginteressierten in der Roisdorfer Matratzenfabrik Rohrscheid den über Jahrzehnte blühenden „Luftsportverein Vorgebirge e.V.“ gründeten. Unser Bild aus dem Folgejahr zeigt Gerhard und Egon Schaden und Hans Reiffert, die, bewundert von den Jungen des Dorfes, vor der Güterbahnhofstraße ihre zum Zweck des Sammelns von Erfahrungen selbstgebastelten Modellflugzeuge präsentieren.

Mai

Nur die Mode hat sich geändert , 1952

Quelle: Dahlen, Schussgasse

… aber ansonsten könnte das Bild auch aus der Gegenwart stammen: Festlich gekleidet zeigt sich das Maipaar, begleitet von zwei schmucken Ehrenpaaren. Beim Festzug durch das Dorf in offener Kutsche sowie bei den Maifesten der Umgebung wird die Truppe ihren Heimatort Roisdorf repräsentieren. Damals organisierte nicht ein Junggesellenverein, sondern der Heimatverein das Maifest. Willy Reuter von der Kolpingsfamilie ersteigerte bei der Mailehenversteigerung Käthe Bungartz, die er später, wie bei Maipaaren nicht selten, auch heiraten sollte. Aufgenommen wurde das Gruppenbild vor dem Elternhaus von Käthe Bungartz in der Weberstraße. Als Ehrenpaare fungierten Heinz Dahlen und Gertrud Botz, links neben dem Maipaar, und rechts von ihm Hans Vidua und die Schwester des Maikönigs Christine, die in den ersten Kolpingssitzungen als das Funkenmariechen fungierte, das die Redner in den Saal führte. Bei den Kindern handelte es sich um Gertrud Falkenbach und Willi Schneider. Es ist erfreulich, dass dieses traditionelle rheinische Brauchtum heute so lebendig ist wie eh und je.

Juni

Hier geht nichts mehr durch! 1992

Quelle: Vianden, Güterbahnhofstraße

Schmuck sah sie damals noch aus – frisch weiß-bunt gestrichen –, die in den frühen 1930er Jahren im Art-deco-Stil gestaltete Fassade des Central-Markts. Aber nicht das war es, was die Aufmerksamkeit der Männer in ihren orangefarbigen Arbeitsanzügen auf sich zog. Sie warteten vielmehr auf die nächste Zugdurchfahrt an dem Bahnübergang der Güterbahnhofstraße, den sie gerade mit einem Jägerzaun für immer geschlossen hatten. Dieser beschrankte Bahnübergang war ebenso wie der am Herseler Weg überflüssig geworden, nachdem letzterer durch eine Unterführung ersetzt worden war. Die Güterbahnhofstraße war damit zwar nicht zur Sackgasse geworden, doch mit den täglichen Staus vor den Schranken war es nun vorbei – ein Segen für die Anwohner, die der Absperrung verwundert und erfreut zusahen, weniger wohl für die dortige Tankstelle, die manchen Kunden zu verlieren drohte.

Juli

Ein repräsentatives Entrée für Roisdorf, 1950er

Quelle: Mangels, Bonner Straße

Auch bereits in den 1950er Jahren hatte der Roisdorfer Bahnhof seine besten Zeiten hinter sich. Der Zweite Weltkrieg hatte ihn arg mitgenommen, auf seinem Vorplatz befand sich weiterhin der Löschteich, den man angesichts des drohenden Fliegerbeschusses angelegt hatte. Aber immer noch ließ sich die repräsentative Architektur des mit einem parkartigen Vorplatz versehenen Kurbahnhofs aus der Mitte des 19. Jahrhunderts erahnen. Für die Gegenwart erschien er freilich als unpraktisch und überdimensioniert, so dass man nicht weiter in seine Erhaltung zu investieren bereit war. Sein Ende kam schließlich 1970, als man ihn kurzerhand abriss und durch ein bescheidenes, heute heruntergekommen wirkendes Bahnhäuschen ersetzte. Den Bahnhof und sein Umfeld erneut ebenso ansehnlich wie funktional zu gestalten und ihn damit wieder zu einem angemessenen Entrée für Roisdorf werden zu lassen, ist zur Zeit Gegenstand verschiedener Initiativen, denen man nur ein glückliches Händchen wünschen kann.

August

Flug über "die Bahn", ca. 1960

Quelle: Mangels, Bonner Straße

Aus der Vogelperspektive blickt man hier auf den Teil Roisdorfs, der in der Zeit der Aufnahme noch allgemein als „die Bahn“ bekannt war: auf den Bereich der Bundesbahnstrecke und der parallel dazu verlaufenden Bonner- sowie die Friedrichstraße. Letztere erscheint so hell, da sie als ehemalige Trasse des „Feurigen Elias“ noch nicht asphaltiert war. Es ist dies der Teil Roisdorfs, der erst im 19. Jahrhundert nach der Aufnahme des Eisenbahnbetriebs bebaut wurde und im Gegensatz zu anderen Ortsteilen, in denen die Landwirtschaft dominierte, eher gewerblich geprägt war. So erkennt man zwischen dem Bahnhof und der – damals bereits geschlossenen – Fabrik Gammersbach noch die „Sandmühle“, in der vormals der weiße Quarzsand des Vorgebirgshangs verarbeitet worden war. Ein Schwerpunkt von Gewerbe und Handel ist die „Bahn“, auch wenn sie kaum noch so genannt wird, bis heute geblieben.

September

Wo man heute nur noch Autos sieht, Anfang 1960er

Quelle: Romes, Brühl

Hoch zu Ross führt Hauptmann Josef Vendel den Festzug der Roisdorfer St. Sebastianus-Schützenbruderschaft und weiterer Bruderschaften oder Vereine samt Fahnenabordnungen durch die Brunnenstraße an, dies wohl anlässlich des Königsschießens oder der Großkirmes. Dass die SebastianusSchützen bis heute vor den übrigen Ortsvereinen marschieren und ihre Fahnenabordnung als erste in die Kirche einzieht, hat nicht nur mit deren hohem Ansehen im Dorf zu tun, sondern vor allem mit der Gründung im Jahr 1848 bzw. damit, dass die Schützen der älteste bis heute bestehende Verein im Ort sind. Auf unserem Bild schön zu erkennen, lediglich durch die Schützenfahne am Haus bzw. der Bäckerei der Familie Romes teilweise verdeckt, die alte Volksschule, die wenige Jahre später zugunsten des Neubaus an der Friedrichstraße aufgegeben und 1968 abgerissen werden sollte. Inzwischen findet sich an der Stelle des mächtigen Schulgebäudes ein meist vollbesetzter Parkplatz, und auch die enge Straße selbst ist heute ohne dort parkende Autos undenkbar.

Oktober

Hoch lebe die Roisdorfer Weinbautradition!, 1954

Quelle: Klein, Neußer Straße

Von der altehrwürdigen Roisdorfer Weinbautradition wurde in diesem Kalender bereits des Öfteren berichtet, ebenso wurden bereits mehrere der Festwagen vorgestellt, mit denen in den frühen 1950er Jahren der damalige Heimatverein seine Erntedankfestumzüge gestaltete und die stets markante Szenen aus dem landwirtschaftlichen Bereich, oft zum Schmunzeln anregend, zum Thema hatten. Einer dieser Wagen nun war „Winzerfest in Roisdorf“ betitelt und als Winzerinnen verkleidete junge Frauen priesen, von einem Akkordeonspieler unterstützt, gut gelaunt die Qualität des Roisdorfer Weines, den es seit der Jahrhundertwende nicht mehr gab. Bemerkenswert ist, dass eine dieser Damen, Dorothea Klein besser bekannt als „Kleins Dorchen“, ihrem Sohn Ewald offenbar die Begeisterung für den Roisdorfer Wein vererbte: In den 1990er Jahren legte dieser auf dem Kripsberg über dem Roisdorfer Oberdorf einen Weingarten an, wo nun Regent- und Burgundertrauben wachsen, die zu einem mehr als trinkbaren Wein gekeltert werden. Neben diesem Weinberg besteht ein ebenso professionell betriebener Weinberg im Roisdorfer Hüsbroich. Hoch und noch lange lebe also die bereits totgeglaubte Roisdorfer Weinbautradition!

November

Akrobatik im "Dreikaisersaal", 1920er Jahre

Quelle: Heimatfreunde Roisdorf

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und vor der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten in den 1930er Jahren war eine Blütezeit des Vereinswesens – in Deutschland allgemein und in unserem Heimatort nicht minder. Die Anfänge der bis heute lebendigen Ortsvereine TuS Roisdorf und Musikfreunde Roisdorf liegen in dieser Zeit. Groß war insbesondere die Vielfalt der Gruppen in kirchlicher oder weltlicher Trägerschaft, in denen sich die Jugendlichen engagieren konnten. Besonders beliebt bei der männlichen Jugend: Turn- und Sportvereine. Eine Turnhalle, wie sie heute bei der Sebastianusschule besteht, gab es natürlich noch nicht, doch eigneten sich für sportliche Übungen neben dem Saal des Wohlfahrtshauses in der Siegesstraße auch die Säle der Gastwirtschaften – immerhin gab es drei davon vor Ort – trefflich. Der Turnverein, den wir hier bei einer geradezu akrobatischen Übung am Barren sehen, tat dies im sog. „Drei-Kaiser-Saal“ der Gastwirtschaft Schlösser in der Brunnenstraße, dem später als Kino und dann als Diskothek „Weekend“ genutzten Saal der heutigen „Quelle“.

Dezember

Wandergruppe "Phönix" beim "Eisernen Mann", 1920er

Quelle: Bungartz, Dersdorf

Auch wenn er nicht mehr auf Roisdorfer Gemarkung liegt, so ist der sagenumwobene „Eiserne Mann“ mitten im Wald der Ville – ein wohl aus dem Mittelalter stammender, später als Grenzmarkierung dienender, dabei seltsamerweise nicht rostender Eisenpfahl – doch seit jeher ein beliebtes Wanderziel der Roisdorfer wie auch der Bewohner der anderen, um den Wald herum gelegenen Dörfer. Traditionell traf man sich hier nicht zuletzt in der Nacht von Pfingstsonntag auf Pfingstmontag, um dort rituelle (?) Trinkgelage abzuhalten. Natürlich war er auch Ziel der Roisdorfer Wanderfreunde „Phönix“, die nicht nur das ganze Rheinland erkundeten, sondern auch ihre nähere Heimat, und die stolz vor ihm posierten. Bis heute zieht der „Eiserne Mann“ die Wanderer an, so alljährlich die Roisdorfer Exprinzessinnen oder auch die Pilger zum Buschhovener MariaRosenfest, die hier Station machen. Nach schlimmen mutwilligen Verwüstungen seiner Umgebung Anfang 2015 wurde die Anlage im Sommer dankenswerterweise von einer Buschhovener Bürgerinitiative wiederhergestellt und damit erneut zu einem attraktiven Treffpunkt der Bevölkerung gestaltet.