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Kalender 2006

"Roisdorf wie es war"

Titelbild

Feiertag auf dem Lindenberg, ca. 1926

„Spötze Löngdeberg“ – Lindenbergspitze nannte man in früheren Zeiten die Stelle, an der der Hohlweg des Lindenbergs auf den Oberdorfer Weg stieß. Das dort gelegene kleine Fachwerkhaus, vor dem sich wohl anlässlich der Erstkommunion von Johann Alef die Familie Alef/ Jakobs ablichten ließ, ist bis heute wohlgepflegt erhalten geblieben und bildet mit den benachbarten Gebäuden eine der malerischsten Ecken des Roisdorfer Oberdorfes. Leider wird der Wert solcher zwar bescheidenen, aber für das Ortsbild wertvollen, vom kleinbäuerlichen Leben und Wirtschaften der Mehrzahl der Roisdorfer in vergangenen Jahrhunderten zeugenden Fachwerkhäuschen immer noch nicht in rechtem Maße erkannt, verschwanden in den letzten Jahren gleich mehrere von ihnen für immer.

Januar

Messdiener als Sternsinger, Mitte 1930er Jahre

„Es führt drei König Gottes Hand mit einem Stern aus Morgenland ...“ Wenn auch nicht als die heiligen Dreikönige verkleidet, so doch mit dem Stern von Bethlehem versehen, betätigen sich die Roisdorfer Messdiener Willi Reuter, Willi Schlitzer, Adi Hamacher, Josef Weber und Toni Dick als Sternsinger. In ihrer Nachfolge ziehen auch heute noch die Messdiener und Messdienerinnen durch die Straßen des Dorfes, an die Türen ihr C+M+B schreibend – Christus mansionem benedicat / Christus segne dieses Haus – und dabei für notleidende Kinder in aller Welt sammelnd.

Februar

Fastelovend auf dem Schulhof, 1962

Am Karneval kam man auch in der Roisdorfer Volksschule nicht vorbei. Selbstverständlich gestatteten die Lehrer den Kindern, an einem der Karnevalstage voll kostümiert zum Unterricht zu erscheinen. Auf dem verschneiten Schulhof präsentierten sich so der Kamera des Rektors Josef Görtz die Jungen der Einschulungsjahrgänge 1955/ 1956/ 1957 als bunte Karnevalstruppe, den populären Filmen und Fernsehserien der Zeit entsprechend zum ganz überwiegenden Teil als verwegene Cowboys verkleidet.

März

Ansichtskarte mit Roisdorfer Motiven, 1920er Jahre

Natürlich bildeten die prächtigen „Parkanlagen am Sauerbrunnen“ das beherrschende Motiv der Ansichtskarte, die verschiedene Sehenswürdigkeiten Roisdorfs in fotographischer Aufnahme darbot: Neben der neuen Pfarrkirche samt Pfarrhaus und der stattlichen Villa Anna – hier noch im ursprünglichen Bauzustand zu sehen – die 1895 erbaute Gastwirtschaft mit Kolonialwarenhandlung an der Ecke Oberdorfer Weg/ Bachgasse (Berliner Straße), die heutige Gaststätte „Alt Roisdorf“, die wie ein massiger Fremdkörper gegenüber den gedrungenen Bauernhäuschen wirkt und deren Besitzer Josef Botz die Ansichtskarte finanziert haben dürfte.

April

Clarenhof der Familie Jüsssen, 1950er Jahre

Zu den stattlichsten Hofanlagen Roisdorfs gehörte über viele Jahrhunderte hinweg der sog. Clarenhof, dessen Existenz bereits für das Jahr 1335 fassbar wird, als er von der mit den Roisdorfer Rittern verschwägerten Familie von Metternich an das Kölner Klarissenkloster geschenkt wurde. Nach der Enteignung der geistlichen Güter in der Zeit der französischen Herrschaft übernahm Anfang des 19. Jahrhunderts der bisherige Halfe (Pächter) Wilhelm Jüssen das Anwesen, zu dem 110 Morgen Ackerland, 32 Morgen Wald sowie 1,3 Morgen Weinberg gehörten. Für den Bau der neuen Pfarrkirche 1972 abgerissen erinnert heute immerhin das benachbarte Pfarrheim St. Clara an die traditionsreiche Hofanlage, hinter der auf unserem Bild das ehemalige Umspannwerk der Vorgebirgsbahn zu sehen ist.

Mai

Maikönigspaar Margret Pohl und Josef Palm, 1956

Das Maibrauchtum, das in den 1970er Jahren noch als aussterbend angesehen wurde, erlebte in den 1990er Jahren eine unerwartete Renaissance. Überall am Vorgebirge pflegten die wieder erstarkten oder wiederbelebten Junggesellenvereine erneut die sog. Mailehen, wurden Maikönigspaare in festlichem Zug durch die Dörfer geführt. In Roisdorf gründete sich bekanntlich der Junggesellenverein „Echte Fründe“ im Jahre 1994 neu. Das Brauchtums des Mailehens lässt sich bis in das 18. Jahrhundert zurückverfolgen, als es vor allem von Seiten der kirchlichen Autoritäten propagiert wurde, galt es doch, die Heiratslust der Jugend zu fördern: Nicht selten wurden aus den Maipaaren tatsächlich Brautpaare, wie dies auch an etlichen Beispielen in Roisdorf belegt werden kann, u.a. durch Margret Pohl und Josef Palm, die vor genau 50 Jahren als Maikönigspaar grüßten.

Juni

Händler vor der "elektrischen Uhr", ca. 1930

Spannend ging es zu, wenn der Zeiger der „elektrischen Uhr“ langsam aber stetig einen niedrigeren Preis für das angebotene Obst und Gemüse anzeigte. Für die anwesenden Händler galt es nun, den besonderen Moment zum Stoppen der Uhr abzupassen: Nicht zu früh, um nicht zu viel für die Ware bezahlen zu müssen – und nicht zu spät, da einem sonst ein Konkurrent die begehrte Ware vor der Nase wegschnappte. Im Jahre 1929 hatte man die „elektrische Uhr“ als Höhepunkt der umfangreichen Modernisierungen in der 1920 gegründeten Roisdorfer Obst- und Gemüseversteigerung eingeführt. Offenbar half ein kühles Bier, die Spannung vor der „elektrischen Uhr“ zu ertragen.

Juli

Goldhochzeitspaar, Anfang 20. Jahrhundert

Gibt es heute in Roisdorf jährlich zehn und mehr Goldene Hochzeiten zu feiern, so war ein solches Jubiläum in früheren Jahrzehnten durchaus ein seltenes. Genau in der gleichen Weise wie heute wurde jedoch auch bereits vor ca. 100 Jahren das Haus der Goldhochzeiter mit Girlanden aus Tannengrün, goldenen Röschen und einer großen „50“ geschmückt. Wer das würdige Jubelpaar war, das hier vor dem geschmückten Haus abgebildet wurde, ist leider unbekannt. Interessant ist dessen altertümliche Festtracht, mit der von einem Kränzchen geschmückten Feiertagshaube, dem „Vilierchen“, der Jubilarin und den Orden auf der Brust des Jubilars, wohl eines Veteranen der Feldzüge von 1870/71 oder vielleicht gar von 1864 oder 1866.

August

Besuch bei Prinzessin Armgard zur Lippe-Biesterfel

Es war für Roisdorf schon eine kleine Sensation, als 1945 die Besatzungs­behörden auf Haus Wittgenstein eine echte, aus ihrem ostbrandenburgischen Gut Reckenwalde vertriebene Prinzessin einquartierten: Armgard zur Lippe-Biesterfeld, die Mutter von Prinz Bernhard, dem Gemahl der künftigen niederländischen Königin Juliana. Aus der Zeit bis 1952, in der die als exzentrisch geltende Prinzessin mit einem kleinen Hofstaat auf Haus Wittgenstein lebte, blieb den Roisdorfern insbesondere die Konversion Armgards zum katholischen Glauben in Erinnerung, die nicht zuletzt auf den freundschaftlichen Kontakt zurückzuführen war, den sie mit Pastor Matthias Ossenbrink pflegte. Taufe und Erstkommunion der Prinzessin fanden so 1950 in der Roisdorfer Pfarrkirche statt. Mit Kölner Priesteramtskandidaten besuchte Pastor Ossenbrink die Prinzessin in ihrer herrschaftlichen Villa.

September

Siegreiche Roisdorfer Freiwillige Feuerwehr, 1968

1966 konnte die Roisdorfer Wehr erstmals nach 63 Jahren ihres Bestehens ein stattliches Gerätehaus ihr eigen nennen, das auf dem Gelände des ehemaligen „Wohlfahrtshauses“ in der Siegesstraße errichtet worden war. Die besondere Aufbruchstimmung, die in dieser Zeit herrschte und die sich 1967 in einer Rekordzahl von 54 Mitgliedern niederschlug, wurde auch symbolisiert durch eine neue Fahne, welche die alte, im Jahre 1920 gestiftete ersetzte. Zahlreiche Wettbewerbe, an denen sich die Roisdorfer damals beteiligten, zeugten vom hohen Niveau des Ausbildungsstands. Unser Bild zeigt die Gruppe der FF Roisdorf, die sich über ihr hervorragendes Abschneiden bei einem Schnelligkeitswettbewerb in Sechtem im Sommer 1968 freut: Johannes Bernartz, Heinz Reuter, Willi Hennes, Franz Reuter, Günther Weingartz, Günter Reuter, Alfons Moog, Hubert Kentenich, Günther Knaus.

Oktober

Umzug zum Erntedankfest, 1955

Eine Reihe von Photographien hat sich von den Erntedankfest-Umzügen erhalten, die in den 1950er Jahren auf Betreiben des damaligen, unter der Leitung von Lehrer Görtz stehenden Heimatvereins veranstaltet wurden. Szenen aus dem bäuerlichen Leben schmückten die einzelnen Festwagen, wobei der Wagen mit der imposanten Erntekrone, wie wir ihn hier auf der Bonner Straße sehen, besonders prächtig anzusehen war. Lange Zeit sollten diese malerischen Umzüge indes nicht bestehen, ging doch nicht nur der bäuerliche Charakter des Dorfes mehr und mehr verloren, sondern konnte diese Form des Brauchtums auch nicht auf einer alten Tradition am Ort fußen.

November

"Schön ist's bei den Soldaten", 1910er Jahre

Schön ist’s bei den Soldaten ...“. Die in der wilhelminischen Kaiserzeit aufwachsenden Jugendlichen konnten sich in der Tat nichts ehrenvolleres und erstrebenswerteres als das Soldatenleben vorstellen. Zwei von ihnen posieren auf den Turnstangen des Schulhofs zwar ohne Waffen, aber mit anderen Attributen dieses Lebens: Uniform, Trommel, lange Pfeife und Weinflasche samt „Mödchen“, der Porzellantasse, aus der man im 19. Jahrhundert im Vorgebirge den Wein trank. Warum die beiden wie mit Kalk bestäubt wirken, bleibt unklar. Im bald folgenden Ersten Weltkrieg, in dem auch zahlreiche junge Männer aus Roisdorf ihr Leben verloren, dürften sie indes von den romantischen Vorstellungen über das Soldatenleben geheilt worden sein.

Dezember

St. Nikolaus in der Pfarrkirche, ca. 1950

Wie eine wirkliche himmlische Erscheinung musste den andächtig versammelten Roisdorfer Kindern der hell beleuchtete „Heilige Mann“ vorkommen, der ihnen in der Pfarrkirche eine Predigt hielt – auch wenn die Älteren sicherlich wussten, dass unter dem prachtvollen bischöflichen Ornat ein wohlbekannter Lehrer steckte. Bis heute leuchten Kinderaugen beim Besuch des St. Nikolaus in gleicher Weise. Interessant auf dem Bild aus der Zeit um 1950 ist der Blick in das Seitenschiff der alten Pfarrkirche St. Sebastian, in dem die Kreuzwegstationen in ihren ursprünglichen reichgeschnitzten Rahmen zu erkennen sind.

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